Ausgabe:
Leichteres 3-fach-ISO
Besser mit Dünnglas
Ein herkömmlicher 3-fach-Aufbau bei Isolierglas bringt Nachteile mit sich. Die Isolierglaseinheit ist zwangsläufig dicker als bei 2-fach-ISO und damit erheblich schwerer. Das wiederum erschwert die Montage. Dazu kommt, dass durch das höhere Gewicht verstärkte Profile und Beschläge für Fenster und Fassaden benötigt werden.
Diesen Problemen steht jetzt ein interessanter Ansatz der Firma Lisec gegenüber. Das Unternehmen stellte auf der glasstec 2010 einen 3-fach-Aufbau mit vorgespannten Dünnglasscheiben vor. Dadurch spare man nicht nur Gewicht, sondern hätte auch das Problem der Klimalasten besser im Griff, so die Aussage gegenüber der GLASWELT.
Ein möglicher Elementaufbau einer Isolierglaseinheit bestehe aus einer 4 mm Floatglasscheibe außen, einer teilvorgespannten 2 mm Mittelscheibe und einem 3 mm Float innen. So lasse sich bei einem Gewicht von nur 22,5 kg/m2 ein Ug-Wert von 0,6 W/m2K erreichen sowie eine Lichttransmission von 73 %.
Der Energiedurchlassgrad ist mit 61 % vergleichbar mit einem 2-fach-Isolierglas und dank der unterschiedlichen Scheibenstärken sei zudem eine gleichwertige Schalldämmung gewährleistet, so Lisec.
Einziger Nachteil der bleibt, ist die durch den zweiten Luftzwischenraum bedingte, größere Elementdicke. Mit Krypton sind zwar schmalere Aufbauten bei gleichen Ug-Werten möglich, dabei ist der Kostenaufwand zu hinterfragen.
Durch die Membranwirkung des flexiblen vorgespannten Dünnglases in der Isolierglaseinheit reduzierten sich die optischen Distortionen erheblich. Selbst bei großen Temperaturveränderungen kompensiere der Aufbau die entstehenden Druckschwankungen im Element. Glasbruch könne so fast ausgeschlossen werden. Aufgrund der speziellen Verformung von Dünnglas wird auch bei hohem Überdruck im Isolierglaselement die Belastung am Randverbund geringer. Die Scheiben sind auf Position 2 und 5 oder wahlweise auf Position 3 und 5 beschichtet.
Alternative zu Vakuumisolierglas?
Das geringe Gewicht, der sehr gute Wärmedämmwert und vor allem die unkomplizierte Fertigung mache das neue, leichtere 3-fach-Isolierglas auch im Vergleich zu Vakuumisolierglas äußerst attraktiv, so die Entwickler von Lisec.
Die Marktreife des leichten 3-fach-ISO sei gegeben, denn schon heute lassen sich 3-fach-Aufbauten mit Dünnglas problemlos mit bestehenden Isolierglaslinien fertigen. Hierfür stelle das Unternehmen aber auch die entsprechende Anlagentechnik bereit. Das Dünnglas wird mit einer Lisec Flatbed Vorspannanlage gehärtet. Problem konventioneller Härteöfen ist der Rollentransport, der die optische Qualität der Scheiben stark beeinflusst. Die Lisec-Technologie hingegen basiert auf einem Hochkonvektions-Luftsystem zur Erwärmung des Glases. In der Heizzone des Ofens wird Luft über ohmsche Heizungen und in einem Kreislaufsystem erwärmt und an die Scheiben geführt. Der Vorteil: Das Konvektionssystem unterstützt gleichzeitig den Transport der Scheibe. So bleiben die Glasflächen während des gesamten Prozesses unberührt. Das Ergebnis ist eine hohe optische Qualität, auch bei extrem dünnen, oberflächenbehandelten oder beidseitig beschichteten Scheiben. Roller Waves und die Nachteile bisher bekannter Anlagen gehören damit der Vergangenheit an.
Vorgespanntes Dünnglas baut Krafteinwirkungen optimal ab und biegt sich unter hohem Druck oder Schlag ohne zu zerbrechen, so Lisec. Zudem seien die dünneren Scheiben naturgemäß leichter und weisen eine bessere Lichttransmission auf. Diese Eigenschaften machen das vorgespannte Dünnglas auch für 2-fach-ISO, etwa für Verbund- oder Kastenfenster, interessant.
Die Durchlaufzeiten von beschichtetem und unbeschichtetem Glas sind aufgrund der hohen Konvektion fast identisch. Dies kommt Anforderungen, bei denen 3-fach-Verglasungen deutlich an Bedeutung gewinnen, sehr entgegen.
Konstante Erwärmung gewährleistet
Das Glas wird in der Heizzone beidseitig gleichmäßig erwärmt und entspannt, dann in der Quench-Zone mit Kühlluft „abgeschreckt“. Die Kühlluftführung und das exakte Einhalten der Kühlkurvenparameter erzeugen die Spannung im Glas und sorgen für eine gleichmäßige Gefügestruktur mit noch nie da gewesener Dichte und Verspannung der Oberflächen, so Lisec. Bei nur 2 mm Glasdicke ist die dreifache Biegezugfestigkeit von 120 N/mm2 garantiert. Die Tests für Serienfertigung gehen sogar runter bis zu 0,9 mm Glasdicke.
Verarbeiter, die sich eine Flatbed-Anlage anschaffen möchten, sollten vorab allerdings genau wissen, welche Glasformate bei Ihnen in der Produktion am häufigsten gefahren werden. Hohe Serien von bestimmten Maßen erlauben die optimale Auslegung und Nutzung des Ofens und der beheizten Fläche. —
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