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Heft 05-2012

Ausgabe:

Worauf man bei der Auswahl achten sollte

Gibt es den perfekten Heber?

Baustelleneinsatz eines Vakuummanipulators zusammen mit einem Minikran

Findet man den optimalen Vakuumsauger zum Montieren von Glas- und Bauelementen und wenn ja, wie sieht er aus? Dazu befragte die GLASWELT Holger Schadwinkel, Geschäftsführer des Hebespezialisten Wirth. Seine Antwort: Wenn der Anwender genau definieren kann, was das Gerät leisten muss, dann ja. Welche Kriterien man vor dem Kauf beachten sollte, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Den optimalen Vakuumsauger, der alle Baustellenanforderungen gleichermaßen abdeckt, gibt es nicht. Wenn Betriebe erstmals in ein solches Hebegeräte investieren wollen, sollten sie sich zuerst überlegen, wie etwa 80 Prozent ihrer Anwendungsfälle aussehen und ein entsprechendes Anforderungsprofil erstellen. Oft kann man dann auf Standard-Geräte zurückgreifen, da es heute eine breite Palette an Geräten gibt, mit denen sich die meisten Anforderungen umsetzen lassen.

Werden die Anforderungen spezieller, sollte sich der Betrieb bei einem seriösen Hersteller eine maßgeschneiderte Anwendung fertigen lassen. Kompetente Anbieter (die nicht nur Maschinen von der Stange im Portfolio haben) realisieren diese innerhalb von 4 bis 6 Wochen.

Generell sollten bei der Auswahl – noch vor dem Preis – vor allem sicherheitstechnische und ergonomische Aspekte im Vordergrund stehen. Das gilt für Standard- ebenso wie für Spezialgeräte.

Die Anforderung der DIN EN 13155 nach Vakuumhebern mit Redundanz (doppelter Sicherheit) ist praktisch nur mit 2-Kreis-Systemen realisierbar. 1-Kreis-Systeme mit zusätzlichen Sicherheitsgurten erfüllen bei der Baustellenmontage nicht die gesetzlichen „Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 2111“.

Ein 2-Kreis-System allein macht aber einen Vakuumheber noch nicht sicher. Es gibt auf dem Markt leider viele (vor allem nichteuropäische) Geräte, deren angegebenen Tragfähigkeiten nicht so ermittelt bzw. berechnet worden sind, wie es die DIN EN 13155 fordert. In solch einem Fall überträgt der Hersteller dem Nutzer, sprich der Montagefirma, die Verantwortung zur Ermittlung des maßgebenden Reibbeiwert zwischen Sauger und Glas. Dieser, für die Tragfähigkeit für Lastrichtungen parallel zur Saugeroberfläche maßgebenden Reibbeiwert, ist dann unter realistischen Bedingungen d.h. unter Berücksichtigung von z.B. Feuchtigkeit oder Nässe auf den Gläsern selbst zu ermitteln und die Tragfähigkeit des eigenen Geräts dann entsprechend abzumindern. Dabei legt die DIN EN 13155 eindeutig fest, dass dies Aufgabe des Herstellers ist.

Es ist jedem Verwender von Vakuumhebern anzuraten, den Lieferanten nach diesem Reibbeiwert zu fragen, der bei der Berechnung der Tragfähigkeit des Geräts zugrunde liegt. Vorsicht: Liegt dieser bei μ = 1,0 oder in der Nähe dieses Werts, dann wurde er nicht nach DIN EN 13155 ermittelt. Das Gerät entspricht damit nicht der Norm.

Akkus: Besser 12V oder 24V?

In vielen Fällen müssen Scheiben, Fenster- und Türelemente auf der Baustelle gedreht oder geschwenkt werden. Viele Vakuumheber sind mit solchen Funktionen ausgestattet. Lasten bis 500 oder 600 kg lassen sich i.d.R. noch manuell positionieren; darüber hinaus sollte der verantwortungsbewusste Unternehmer in Geräte mit elektrisch bzw. elektro-hydraulisch angetriebenen Positioniereinrichtungen investieren.

Bei diesen Geräten ist die Kapazität der eingesetzten Akkus zu berücksichtigen: 24V-Systeme reduzieren gegenüber 12V-Systemen die Stromstärke erheblich und verdoppeln bei gleicher Kapazität der Akkus so die Nutzungszeit bis zum nächsten Ladevorgang. Besteht ein 24V-System aus zwei in Reihe geschalteten 12V-Akkus, so erhöht sich die Sicherheit des Geräts deutlich.

Denn bei einem sogenannten „Zusammenbruch“ verlieren immer nur einzelne Akku-Zellen einen Großteil ihrer Kapazität, ihre Leitfähigkeit bleibt aber erhalten. Selbst wenn zwei oder drei Zellen eines Akkus „zusammenbrechen“, stehen im 24V-System immer noch 70 bis 85 Prozent der Spannung zur Verfügung. Das reicht aus, die Vakuumpumpen (mit verminderter Leistung) und das Alarmsystem des Hebers zu betreiben und die Last sicher auf den Boden zu bringen.

Brechen in einem 12V-System drei Zellen zusammen, bleiben nur 50 Prozent der Spannung übrig und die Vakuumpumpe bleibt stehen.

Auch für den Totalausfall der Energieversorgung müssen die Vakuumheber vorbereitet sein: d.h. bricht ein Batteriekabel und die Vakuumpumpen fallen aus, muss ein Alarmton ertönen.

Dies durch ein zweites Akkusystem zu realisieren macht nur Sinn, wenn dieses gleichzeitig mit den Hauptakkus mitgeladen wird. Besser sind dort von Kondensatoren gespeiste Lösungen, deren Kapazität ausreicht, um einen minutenlangen schrillen Warnton zu erzeugen.

Auf Flexibilität achten

Gerade wenn der Unternehmer in Geräte für seine Standard-Anwendungen investiert, sollte die Flexibilität des Gerätes im Vordergrund stehen.

An Vakuumheber sind bei verschiedenen Anwendungen unterschiedliche Anforderungen zu stellen. Montiert man Gläser und Fenster ausschließlich vertikal („normale“ Fassadenmontage) so ist die Größe des Vakuumhebers im Verhältnis zur Größe des Bauelements und damit die Verteilung der Vakuumsauger auf die Oberfläche i.d.R. weniger wichtig. Anders sieht dies bei der Verglasung von Wintergärten aus, bei der eine Schwenkfunktion nötig ist.

Will man Vakuumheber mit Schwenkfunktion zur Montage geneigter oder horizontal liegender Elemente einsetzen, muss auch die Anordnung der Sauger z.B. durch die Verwendung von Verlängerungsarmen flexibel gestaltbar und damit an Größe und Form des zu hebenden Elements anpassbar sein. Sind die Sauger bzw. Verlängerungsarme ohne Werkzeug, etwa über selbstsichernde Rast- oder Steckbolzen verstellbar, erhöht dies den Nutzwert für den Monteur.

Betriebe, die oft Terrassentüren montieren, benötigen aufgrund des Versatzes der beiden Scheibenebenen meist Hebegeräte, bei denen sich der Abstand zwischen der Oberfläche der Sauger und der Unterseite des Hebergrundrahmens auf ein Maß von 4 bis 5 cm vergrößern lässt.

Nicht jeder Vakuumheber kann durch die Anordnung von Saugererhöhungen dafür angepasst werden. Zudem ist darauf zu achten, dass die Statik des Grundrahmens für das größere Kraftmoment, das aus einer solcher Saugererhöhung resultiert, ausreicht.

Sinnvoll ist die Möglichkeit der werkzeuglosen Trennung einzelner Sauger von der Vakuumversorgung des Geräts. Ob dies durch spezielle Absperrhähne oder einfach durch selbstschließende Schnellkupplungen erfolgt ist eine Sache des Geschmacks – und natürlich des Preises.

Werden die Sauger des Geräts neu angeordnet oder ihre Anzahl vermindert, reduziert sich schnell die Tragfähigkeit des Hebers. Hier ist man als Nutzer verpflichtet, die Hinweise des Herstellers zu entsprechenden Reduzierungen der Tragfähigkeit zu beachten. Die neu gesetzten Sauger müssen gewährleisten, die neu verteilte Last zu tragen.

Ist eine solche Anpassung in der Betriebsanleitung des Herstellers nicht vorgesehen, wird der Nutzer bei solchen Änderungen rechtlich zum „Hersteller“ der Maschine. Damit kann er nicht mehr den Produzenten oder den Lieferanten der Originalmaschine für Fehler haftbar machen.

Erschwerte Montagebedingungen

Sind Gebäude eingerüstet beträgt der Abstand zwischen Gerüst und Fassade in etwa 30 cm. Dieser geringe Abstand wird bei der Montage von Gläsern oder Fenstern oft zum Knackpunkt. Die Gesamtstärke von Vakuumheber, inklusive Kranarm, dessen drehbare Lagerung die Drehfunktion des Hebers gewährleistet, liegt meist zwischen 20 und 25 cm. Das ist eindeutig zu viel, um damit noch Gläser und Bauelemente zwischen dem Gerüst und der Fassade zu montieren.

Es gibt Geräte bei denen sich der Kranarm entfernen lässt, um die Bauhöhe zu reduzieren. Dadurch verlieren sie aber auch ihre Drehfunktion.

Allerdings sind auch flache Heber für den Einsatz unter sehr begrenzten Raumbedingungen erhältlich, die sich auch nach dem Entfernen des Kranarms noch drehen lassen.

Für die Montage von Gläsern oder Fenstern unter Dachvorsprüngen, Balkonen o.ä. eignen sich (modular aufgebaute) Geräte, die sich mit einer motorisch betriebenen Gegengewichtsanlage ausstatten lassen. Hierbei wird der Kranarm demontiert und die Gegengewichtsanlage (mit derselben Schraube) befestigt. Die Länge des Auslegers und damit die Anzahl der Gegengewichte wird individuell für den Anwendungsfall ausgelegt. Somit ist die Montage geneigter, überhängender Fassaden möglich.

Für solche Anforderungen kommen meist Spezialanfertigungen zum Einsatz. Diese sind entweder fest montiert auf selbstfahrenden Kettenfahrwerken oder abnehmbar (und steif) an einen Minikran angeschlossen. Solche Geräte sind in der Lage, die angesaugten Lasten gleich um mehrere Achsen zu drehen. Angetrieben werden die Bewegungen über hydraulische oder elektrische Positioniereinrichtungen. Die Steuerung erfolgt je nach Hersteller über das Hydrauliksystem des Fahrwerks oder über Funkfernsteuerungen.

Montage gebogener Scheiben

Sollen z.B. einfach- oder doppelt gekrümmte Biegegläser horizontal montiert werden, stellt dies zuerst Anforderungen an die Sauger und – je nach Krümmungsradien – an den Rahmen, auf dem die Sauger befestigt sind.

Anders sieht es bei der vertikalen Montage gebogener Scheiben aus. Bei solchen Gläsern liegt der Schwerpunkt i.d.R. innerhalb des Krümmungsradius. Dies führt bei gebogenen (schweren) Scheiben dazu, dass der Kranhaken sich entweder über der Scheibe oder innerhalb des Krümmungsradius befindet. In beiden Fällen kann die Scheibe nicht in eine Laibung montiert werden.

Bei der Verwendung eines konventionellen Krans ist auch hier ein Vakuumheber mit Gegengewichtsanlage und motorisch verfahrbaren Gegengewichten eine passende Lösung. Alternativ lassen sich biegesteif an einem Hebezeug (z.B. Teleskopstapler) befestigte Sonderkonstruktionen mit angepassten Saugerrahmen einsetzen. —

http://www.wirth-gmbh.com


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Vakuumheber (40%)Sauger (32%)Heber (32%)

Weitere Artikel zum Thema:

  1. Teil: Gibt es den perfekten Heber?
  2. Teil: Was tun, wenn es eng wird?
 

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