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Heft 05-2012

Ausgabe:

Interview mit Ulrich Sieberath

„Quo vadis ISO“

Im Gespräch mit der GLASWELT erläutert Ulrich Sieberath, Leiter des ift Rosenheim, wie er aus Sicht des Fensterbauers die aktuelle und mittelfristige Entwicklung im Isolierglas-Segment einschätzt.

GLASWELT – Sehr geehrter Herr Sieberath, sind aus Ihrer Sicht 3-fach-Verglasungen inzwischen ausgereift und welche Probleme können auftreten?

Ulrich Sieberath – 3-fach-Verglasungen gelten heute als Stand der Technik, um die geforderten U-Werte im Sinne der EnEV oder der KfW-Förderung wirtschaftlich zu erreichen. Bei vielen Herstellern von Isolierverglasung macht 3-fach-ISO deshalb heute schon 70 bis 80 Prozent der Produktion aus. Eine ganze Reihe von Isolierglasverarbeitern haben deshalb in moderne Produktionsanlagen investiert, die eine schnelle und rationelle Fertigung ermöglichen. Gleichzeitig kann mit moderner Fertigungstechnik ein unerwünschter Höhenversatz der drei Glasscheiben vermieden werden, wie dies in der Vergangenheit häufiger auftrat.

Allerdings haben sich die Anforderungen an das Qualitätsmanagement von Isolierglasherstellern deutlich erhöht, beispielsweise bei der Ausführung des Randverbunds, der Berücksichtigung von Klimalasten sowie der Qualität der Beschichtung und der optischen Eigenschaften. Deshalb hat das ift Rosenheim geeignete Kriterien für die Güteüberwachung der Gütegemeinschaft Mehrscheiben-Isolierglas (GMI) und der ift-Zertifizierungsstelle erarbeitet, sodass der Fensterbauer sich bei Isolierglasherstellern mit dem RAL-Gütezeichen bzw. dem Q-Zert Zeichen des ift Rosenheim auf die Qualität verlassen kann. Bezüglich den Anforderungen an die Absturzsicherheit wurden in einem Forschungsprojekt wichtige Grundlagen für die Bewertung von 3-fach-Glas erarbeitet (Anmerk. der Red.: Mehr zur Absturzsicherung auf den Seiten 22 bis 24).

Der Sachverständigenausschuss des DiBt hat die Ergebnisse des ift-Forschungsberichts aufgegriffen. Die Änderungen wurden in der Bauregelliste A, Teil 2, Anlage 20, zum Bauprodukt Nr. 2.43 bzw. Teil 3, Nr. 2.12 veröffentlicht. Damit ist eine Absturzsicherung von 3-fach-Isolierglas auch mit einem Scheibenaufbau möglich, bei dem die mittlere Scheibe des Verbund-Sicherheitsglases aus Floatglas besteht. Fensterbauer und Glaser können somit die einfachen Nachweisverfahren gemäß TRAV auch für 3-fach-ISO nutzen.

GLASWELT – Wie problematisch ist das höhere Scheibengewicht?

Sieberath – Die Frage der hohen Glas- bzw. Fenstergewichte ist nicht neu. Wir kennen diese Schwierigkeit schon lange bei der Verwendung von Sonderverglasungen, beispielsweise bei Schallschutz-, Brandschutz- oder Sicherheitsgläsern, wie sie im Objektbau häufig vorkommen.

Die Beschlags- und Profilhersteller haben sich auf das höhere Glasgewicht eingestellt und bieten heute geeignete Produkte mit den entsprechenden Nachweisen und Angaben zur maximalen Größe an, die der Fensterhersteller natürlich kennen und beachten muss. Die erfolgreichen Montagebetriebe haben sich in den letzten Jahren deutlich professionalisiert und investieren in entsprechende Hebegeräte und die Weiterbildung der Mitarbeiter. Dies können wir an der stetig steigenden Teilnehmerzahl zur Qualifikation zur ift-Montagefachkraft bzw. den Seminaren der RAL-Gütesicherung feststellen.

Im Wohnungsbau haben wir es oft mit „normalen“ Fensterabmessungen zu tun, bei denen das höhere Glasgewicht unproblematisch ist. Trotzdem nehmen wir die Hinweise aus der Praxis ernst und haben gemeinsam mit dem Bundesverband Flachglas das Forschungsprojekt „Flächengewicht Mehrscheiben-Isolierglas“ gestartet, in dem wir untersuchen mit welchen Scheibenaufbauten (siehe Bild oben) und technischen Maßnahmen das Flächengewicht von Mehrscheiben-Isolierglas reduziert werden kann und welche Auswirkungen sich hieraus ergeben (siehe Infokasten unten).

GLASWELT – Welche Trends bei Isolierglas und darüber hinaus sehen Sie?

Sieberath – An der Optimierung der Beschichtungen wird intensiv gearbeitet, um den tendenziell schlechteren Gesamtenergiedurchlassgrad von 3-fach-Gläsern und damit die solare Effizienz zu verbessern. Auch die weitere Verbesserung des U-Werts durch den Scheibenaufbau und die Beschichtungen ist eine wichtige Zielsetzung. Durch die geschickte Kombination von Glasaufbau und Beschichtung sind heute 3-fach-Isoliergläser mit einem g-Werte von bis zu 64 Prozent und Ug-Werten von 0,6 W/m2K möglich und das ohne eine teure Kryptonfüllung. Damit erreicht 3-fach-ISO bereits heute Wärmedämmwerte, die für die Vakuumverglasung als zukünftiger Zielwert angenommen werden. Damit wird das 3-fach-Isolierglas sicher auf absehbare Zeit das Standardprodukt bei Wärmeschutzgläsern bleiben. Weitere Entwicklungen werden im Bereich der Funktionsgläser vorangetrieben, bei denen der zusätzliche Scheibenzwischenraum für Sonnenschutz- oder Lichtlenkungssysteme genutzt wird. Auch die Entwicklung der Dünnschichttechnologie für Photovoltaiksysteme wird uns in Zukunft noch spannende Produkte und Anwendungen bringen. —

Die Fragen stellte Matthias Rehberger, Chefredakteur der GLASWELT.


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Weitere Artikel zum Thema:

  1. Teil: „Quo vadis ISO“
  2. Teil: Forschungsprojekt: Leichte Mehrfach-Isoliergläser
 

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