Artikelsammlung zu ausgewählten Themen (wie z. B. zur EnEV oder zum CE-Zeichen).
Alle GLASWELT-Dossiers finden Sie hier
Meistgeklickte Artikel der letzten 7 Tage.
Leserbriefe
Reaktionen auf die kontroverse Diskussion "Eine Fuge ist eine Fuge, oder?"In der Maiausgabe 2011 der GLASWELT haben wir zwei Fachleuten (Rüdiger Müller, PfB Rosenheim und Wilfried Berger, baufachforum.de) die gleichen Fragen zur Bauanschlussfuge gestellt - die Antworten können unterschiedlicher kaum ausfallen. Den Bericht (hier geht es zum Artikel) nahmen der Sachverständige Karl Standecker und die Fenstermacher Willi Holzweber und Peter Volz zum Anlass, uns einen Leserbrief zuzusenden. Karl Standecker, Standecker Bautechnik, Öbv Sachverständiger und Fensterbauer schreibt uns:
Experten, die ihre Meinung auf der Grundlage ihrer Eitelkeit verbreiten, bewegen sich auf Glatteis. Der fachlich fundierte Leser wird die getroffenen Aussagen erst mit Blick auf das Eigeninteresse der Experten überdenken und erst im zweiten Schritt die sachlichen Aussagen bewerten. Frage 1: Welche Bedeutung hat für Sie für die Bauanschlussfuge das Prinzip „Innen dichter als außen“? Ist das Prinzip immer zwingend anzuwenden? Herr Berger hat hierzu eine nachvollziehbar begründete Antwort gegeben, welche jedoch durch die persönliche Meinungsmitteilung im letzten Satz an Wirkung verliert. Herrn Müllers Aussagen wirken auf mich wegen fehlender sachlicher Begründung realitätsfremd. Weder die Fachliteratur noch die landläufige Meinung kennt die Anforderung, dass Leibungen ausgeputzt werden müssen. Glattstrich wäre hier das Schlagwort, so dieser überhaupt nötig ist. Die geschilderte Erkenntnis der Zunahme von Holzfeuchte bis zur Fasersättigung auf Grund einer korrekt geplanten und ausgeführten Abdichtung ist nicht nachvollziehbar und widerspricht jeglichen bauphysikalischen Grundlagen und Praxiserfahrungen. Ihr geschilderter Fugenaufbau mit beidseitiger Versiegelung und Flachleiste innen mag am Prüfstand funktionieren, die Realität zeigt an jeder so aufgebauten Fugenabdichtung (Wartungsfugen) spätestens nach 2 Jahren Fugenabrisse und somit bauphysikalisch riskante Undichtigkeiten. Die getroffene Aussage, Leibungen können im Altbau auf Grund des Bauablaufes nicht verputzt werden, lege ich unter der Rubrik „Märchen“ ab Frage 2: Sind PU-Schäume alleine in der Lage, eine Baukörper-Anschlussfuge gleichzeitig zu dämmen und abzudichten? Lassen sich damit Anschlüsse herstellen, die den allgemeinen anerkannten Regeln der Technik genügen? Herr Müller beruft sich auf Untersuchungen die prinzipiell die Anforderung „dämmen und abzudichten“ erfüllen. Ich gebe ihm Recht, am Prüfstand ja! Auf längere Zeit im Bauwerk – ein klares Nein! Bei Demontagen von Altbaufenstern wird man feststellen, dass weit über zwei Drittel aller geschäumter Fugen zumeist zur Leibung abgerissen sind. In ca. 70% aller Altbaufugen zeigt sich bei der Demontage, dass Fugen in der Tiefe meist nur bis zur Hälfte geschäumt sind. Verstärkt konnte man in den letzten Jahren Insektennester und Veralgung in der Schaumfuge am Übergang „Fensterbank-Seitenteil zur Fuge“ bis zu 15cm Höhe in der Fuge vorfinden. Ich denke, er stellt hier Prüfstanderfahrungen realen Langzeiterfahrungen gleich. Wir reden bei Fenstern von einer Nutzungsdauer von ca. 30 Jahren. Da genügt es nicht wenn der Schaum lt. Prüfstand die Gewährleistungszeit übersteht und die nächsten 25 Jahre versottet. Frage 3: Wie beurteilen Sie Schadensfälle im Vergleich zu früher? Hat sich bei den Ursachen und den daraus resultierenden Wirkungen etwas geändert? Nehmen Tauwasserprobleme im Baukörperanschluss zu? Herr Berger trifft mit seiner Aussage den Nagel auf dem Kopf! Bei seiner Aufzählung „Planer, Bauleiter und Handwerker“ fehlt noch die Industrie. Die Antwort des Herrn Müller verwundert dagegen doch sehr. Seine Aussage, dass die Schimmelbildung in den letzten Jahren gerade bei Gebäuden mit Bauanschlüssen nach allgemein anerkannter Regel der Technik zugenommen hat, verweist dann doch in die eingangs beschriebene Eitelkeit des Experten. Verstärkte Schimmelbildung gibt es nicht erst die letzten Jahre, historisch betrachtet bildet zum einen die Bautechnik zum anderen die gesellschaftliche Situation die Grundlage dafür. Gebäude aus den 40er/50er Jahren des letzten Jahrhunderts hatten auf Grund der Baumaterialien und der vorhandenen Bautechnik relativ viele Räume mit Schimmel. Meist wurde nur die Küche beheizt und am Abend die restlichen Räume über geöffnete Türen „überschlagen“. Der durch damals große Familien produzierte „Dampf“ wurde so an die kalten Außenwände transportiert und zeigte sich durch graue Wände. Besser wurde es erst Ende der 60er Jahre als Zentralheizungen verbaut wurden und der Liter Öl 15 Pfennige gekostet hat – es wurde mehr und großzügig beheizt. Eine Häufung von Schimmel in Gebäuden kann man ab der Mitte der 1980er Jahre feststellen. Der Hintergrund ist bei den steigenden energetischen Kosten zu festzuhalten. Die Gebäude wurden wieder sparsamer beheizt. Dies war auch die Zeit in der eine Art „Rosenheimer Prüf- und Richtlinien Marathon“ entstand. Die von ihm angesprochene fehlende Verbraucheraufklärung ist nicht korrekt, ein falsches Wohnverhalten der betroffenen Verbraucher und falsche Aufklärung durch so genannte „Alte Hasen Handwerker“ die nicht dazugelernt haben, wäre treffend. Ihre Äußerung zu Theoretikern, Thermografen und sonstiges sehe ich so: „da kommen welche und nehmen uns die Prüfungen im Labor weg“ – einfach nur Eitel! Ihre Frage nach der Zukunft für das Handwerk sehe ich gerade durch ihre Aussagen gefährdet. Die Anforderungen der Zeit können mit einem 1970er Meisterwissen nicht mehr gerecht werden. Frage 4: Die Montage ist im Vergleich zu früher deutlich aufwendiger und komplizierter geworden. Ist dies gerechtfertigt oder könnte man mit weniger Aufwand das Gleiche erreichen? Herrn Müllers Bemerkung zum Montageleitfaden gibt die Meinung einiger „Alten Hasen“ im Fensterbauer-Handwerk wieder: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ Der Seitenzuwachs des Leitfadens bestätigt die Aktualität des Leitfadens! Ihre Aussage zur Abdichtung und Dämmung mit Schaum alleine ohne weitere bauphysikalischen Einwirkungen zu entgegnen zeugt von „Prüfstanderfahrungen“, jedoch weit entfernt von Praxiserfahrungen. Die Weiterentwicklung von Baumaterialien fordert eine Weiterentwicklung und Anpassung der Montageleistung.
Die Fenstermacher Willi Holzweber und Peter Volz schreiben uns:Sehr geehrter Herr Mund, Die Fragen waren exzellent. Die Antworten des Herrn Berger dagegen weniger. Die Arroganz, die dieser Herr an den Tag gelegt hat, macht uns fassungslos. Mit welcher Berechtigung behauptet er, dass Handwerker, die nicht seiner Meinung sind, in diesem Markt nichts zu suchen haben, oder wer seine Theorie nicht begreift, sollte den Beruf wechseln. Unsere persönliche Meinung über Herrn Berger ist folgende: Herr Berger hat als Schreiner sein Handwerk nicht verstanden, hat dann die Seiten gewechselt und versucht nun dem Rest der Zunft den Schneid abzukaufen, indem er ihnen die Fachkompetenz abspricht. Schäbig! Wie erfrischend waren da die klaren Antworten des Herrn Müller. Hier spricht ein Mann mit Sachverstand. Er hat deutlich die Misere erkannt, die man uns Handwerkern mit den zurzeit gültigen Richtlinien auferlegt hat. Wir Handwerker stehen mit einem Fuß entweder in der Insolvenz oder im Gefängnis. Wer kann denn im Altbaubereich eine den Regeln entsprechende Montage garantieren? Wie kriegen wir eine Membrane an einem alten Gemäuer so dicht, dass keine „stecknadelgroßen“ Leckagen entstehen. Sollen wir die Laibung vorher glatt verputzen, dem Kunden erzählen, dass sie in den nächsten Wochen auf Fenster in ihrer Wohnung verzichten müssen, da der Putz erst austrocknen muss? Es ist ja nicht nur das Montieren der Fenster, was heute Probleme macht. Vielmehr ist es die Tatsache, dass eine korrekte Montage eine korrekte Lüftung voraussetzt. Hier haben wir Handwerker, außer einem Hinweis, keine Einflussmöglichkeiten. Nun bereitet man die RAL 1949-6 vor, die uns Handwerkern noch einmal ein Bein stellt. Hier verlangt man von uns, dass man den Kunden darauf hinweist, dass ein Lüftungssystem im Fenster eingebaut werden muss. Verweigert der Kunde den Einbau, so muss er eine Erklärung unterschreiben, dass er immer vorschriftsmäßig lüftet - und zwar über die ganze Lebensdauer der Fenster. Wo bleibt eigentlich die Vernunft? Ich glaube - und das tun viele meiner Kollegen auch - dass das Ganze durch die Industrie initiiert wird, von deren Lobby zur Politik gebracht und von der abgesegnet wird. Der Handwerker muss schauen wo er bleibt! Mit freundlichen Grüßen PS: Bei der langjährigen Erfahrung im Bereich Fenstermontage konnten wir nach der Demontage bis heute nicht feststellen, dass eine Hinterschäumung zu einer Rissbildung geführt hat. Auch konnten wir nicht feststellen, dass Feuchtigkeit in den Anschlussfugen entstanden ist, es sei denn, die Fenster waren angefault oder wiesen sonstige Schäden auf, das das Eindringen von Wasser in den Fugenbereich begünstigt hat. Reaktion auf unser Duotorial "Highlights oder Hochlichter"Sehr geehrter Herr Rehberger, ich lese die Glaswelt online sehr aufmerksam und mit großem Interesse. Ihr Disput über die Versuche von Herrn Ramsauer, Englische Begriffe in der deutschen Sprache zu reduzieren, trifft bei mir ein Herzensthema. Ich bemühe mich selber, denglische Begriffe so weit als möglich auszulassen. In der öffentlichen Diskussion und bei solchen im Privatumfeld fällt mir allerdings immer ein Fehler auf: Um englische Begriffe, oder solche die als englisch verstanden werden (kennen Sie ein englisches „Handy“?), zu vermeiden, wird der Begriff oft stumpf wörtlich übersetzt. Auch Ihre Überschrift bezeugt das. Warum sind wir nicht in der Lage, in unserer Sprache, die so viel differenzierter und feingliedriger ist als das Englische, sinnvolle Begriffe zu finden? Sollten unsere Bemühungen nicht dahin gehen, sinnvolle Begriffe zu entwickeln? Zugegeben, mir fällt seit Jahren kein entsprechender Ausdruck für Highlight ein. Aber ich halte die deutsche Sprache für stark genug, eigenständige Begriffe zu finden. Auch der „kindergarden“ fand Einzug in die englische Sprache. Auf der anderen Seite, und da bin ich voll bei Ihnen, lässt sich nicht jeder Fachbegriff, der aus einer anderen Sprache kommt, eindeutschen. Structural Glazing ist ein gutes Beispiel, weil „geklebte Glasfassaden“ dann doch etwas zu platt klingt und auch einen falschen Eindruck hinterlässt. „Strukturfassaden“ treffen auch nicht wirklich. Sie schreiben, jeder hat seine persönliche Schmerzgrenze bei den Begrifflichkeiten. Das ist sicher richtig. Aber wenn ich durch die Stadt laufe und an jedem Laden ein „Sale“ lese, weil das Marketing „Schlussverkauf“ oder „Aktionsverkauf“ oder einfach „billig“ nicht schreiben kann und will, dann ist meine Schmerzgrenze überschritten. Nebenbei bemerkt: Wussten Sie, dass genau gegenüber von Rabat in Marokko die Stadt Salé liegt? Hat das einen Zusammenhang? Ich bin schon der Meinung, dass wir uns nichts vergeben, immer wieder hinzusehen, welche Begriffe eindeutig nicht übersetzbar sind, die müssen dann übernommen werden, und welche absolut vermeidbar sind. Diese sollte man vermeiden. Ein „O‘zapfd iis“ läßt sich nur sehr schwer stimmungsvoll übersetzen. „Es ist angezapft“ klingt sehr seltsam. Und auch Herr Ramsauer spricht in der Öffentlichkeit zwar bayerisch gefärbt, aber keinen Dialekt. Machen Sie weiter in dem Bemühen, eine klare und verständliche Sprache zu schreiben! Nehmen Sie sich weiter die Zeit – sofern irgendwie möglich – zu überlegen, einen Angliszismus doch in unserer Sprache auszudrücken. Aber lassen Sie bitte einen Laptop einen Laptop und keinen Klapprechner. Die Klappfahrräder waren auch nicht die hohe Qualität. Mit freundlichen Grüßen / Kind Regards An die GLASWELT geschriebene Leserbriefe:Leserreaktion zum Leserbrief in der GLASWELT 05/2010 "Hightech-Fenster verschleudert" In vielen Punkten kann ich dem Leserbrief ja zustimmen - nur das die Energiebilanz von Holz- und Kunststofffenster nahe beieinander liegen sollen, veranlasst mich nun doch zu diesem kurzen Statement: In Zeiten, wo Nachhaltigkeit ein zentrales Thema in jedem Wirtschaftszweig ist, erscheint es mir geradezu lächerlich, weshalb Kunststoffenster tatsächlich in einen ernsthaften Zusammenhang mit einem ökologischen Anspruch gebracht werden sollten. Wir reden hier als Basismaterial von dem endlichen Rohstoff schlechthin, der zur Herstellung von Kunststoff unwiederbringlich verbraucht wird. Das bedeutet, es werden wertvolle Rohstoffe geradezu vergeudet, um ein vom technischen Anspruch her in der Masse gesehen doch relativ unkompliziertes Produkt herzustellen. Für den Werkstoff Kunststoff gibt es doch wirklich Einsatzgebiete, wo die gesamte Bandbreite der Eigenschaften wirklich sinnvoll genutzt werden kann. An dieser Tatsache ändert auch eine gigantische Lobby nichts, die mit beträchtlichen Marketingaufwand versucht das Gegenteil zu suggerieren. Aber auch das häufig als optimal dargestellte Holz/Alu Fenster wird einer ernsthaften Überlegung in dieser Richtung nicht standhalten. Glaubt denn wirklich jemand, daß eine mit immensen Energieaufwand und endlichen Bauxit-Rohstoff hergestellte Aluminiumschale noch irgendeine sinnvolle Energiebilanz zulässt? Kurz gesagt sehe ich bei ernsthafter Betrachtung weder die Notwendigkeit noch einen echten Vorteil in einer Substitution des Rahmenmaterials HOLZ für den Lochfensterbau - und mit Blick auf z.B. modifizierte Hölzer (Belmadur, Accoya) gleichwohl noch weniger. In diesem Sinne: GÖNNEN SIE SICH HOLZ SCHON ZU LEBZEITEN ! Freundliche Grüße aus dem Barnim: Ralf Schindler, Planung + Verkauf, HFBB Holzfensterbau Bernau GmbH, schindler@hfbb.de Glaswelt-Leserbrief zum Beitrag „Eine Frage des Werkstoffs?“ aus GLASWELT 04/2010, Seite 17. Normalerweise müssten die Holzfensterfreaks jubeln, wenn Sie diese Antworten zum Thema Fenstermaterial lesen. Leider fällt bei genauerem Hinschauen auf, dass die Antworten von Herrn Dupp weniger fachlich fundiert, sondern mehr Verkaufs- und Marketingcharakter haben. Wenn dann produktspezifische Nachteile zu Vorteile bei dem Thema „Pflege“ umgewandelt werden, ist das sehr verwunderlich. Peter Musch Hier noch das Interview mit Alexander Dupp aus dem Heft 04/10 |
|
