GLASWELT Ausgabe: 02-2017

Wie smart war die BAU?

Mund: Drei Themen standen im Mittelpunkt auf der BAU in München: Die Digitalisierung des Bauens, sehr große und besonders schlanke Einheiten in Glas, Fenster und Fassade sowie smarte Bauelemente und -systeme, die immer mehr können und auf äußere Einflüsse reagieren. Um beim letzten Thema zu bleiben: Wie weit sind wir noch entfernt vom voll vernetzten Haus, das nicht mit dem Smartphone, sondern mit der eigenen Stimme kontrolliert werden wird?

Vögele: Ich habe in einer Woche BAU vor allem gelernt, dass der Begriff „Digitalisierung des Bauens“ sehr weit gefasst ist. Natürlich hat mich neben der Planungssoftware, BIM etc. vor allem das Thema vernetztes Haus interessiert. Klares Ergebnis für mich: Enttäuschung. Ein wenig Smart Home, viele verschiedene Lösungen, strategische Allianzen. Da waren Paketfächer, die per Smartphone von unterwegs geöffnet werden können noch die innovativsten Lösungen auf der BAU. So gesehen stellt sich mir eher die Frage, wer will in Zukunft das Thema Smart Home in der Breite beraten, verkaufen und montieren?

Rehberger: Hier möchte ich kurz auf einige intelligente Gläser eingehen, die ich auf der BAU gesehen habe: die Systeme von AGC, Merck und von Lightglass. Interessant ist, dass alle drei Anwendungen sowohl für den Einsatz in der Fassade als auch im Interieur konzipiert sind. Gerade in Innenräumen lassen sich diese Gläser auch als blickdichter Sichtschutz durch Verdunkelung einsetzen, bzw. bei Lightglass durch einen „Lichtschirm“, da dieses Glas selbst eine Lichtquelle darstellt. Als Füllung einer Haustür von Jeld-wen war das Lightglass-Exponat am Stand der Türenanbieters stark frequentiert. Von solchen Gläsern werden wir bald noch mehr hören, auch in Bezug auf das Smart Home.

Mund: Was die Bauelemente angeht, so zitiere ich gerne Siegenia-Chef Wieland Frank auf der BAU: „Der Smart Home Trend ist in der Branche angekommen.“ Allen Beteiligten ist bewusst, dass man quasi gezwungen ist mitzuspielen im Smart Home-Konzert. Zwar sind die Umsätze dabei immer noch äußerst dünn – manchmal sogar im homöopatischen Bereich. Aber den Playern ist klar, dass das Internet der Dinge im und am Haus stattfinden wird und die dazu gehörenden Produkte mindestens einen wichtigen und buchstäblichen Türöffner darstellen. Es wird also erkannt, das Smart Home als wichtiges Marketingwerkzeug zu nutzen. Und einen weiteren Aspekt habe ich auf der Messe erfahren: Mit Bausteinen für ein smartes Gebäude werden Anbieter in die Lage versetzt, beim Kunden im Gespräch zu bleiben. Nach dem Motto: Heute soll es nur einen Funksensor für ein Fensterelement sein – in ein paar Jahren wird dann vielleicht im gleichen Haus eine umfassende Komfortbedienung per Google Home oder Amazon Echo errichtet. Die Basis ist dann auf jeden Fall schon einmal vorhanden.

Zuletzt möchte ich noch aufmerksam machen auf einen ganz anderen Branchentreff, den „Windays“ in Biel in der Schweiz Ende März (mehr dazu auf S. 19). Dort diskutieren wir über Visionen und Strategien in Bezug auf das Hochpreisland Schweiz – schließlich sind dort nicht nur die osteuropäischen Länder die „Buhmänner“, sondern eben auch die Nachbarstaaten Deutschland und Österreich mit ihren vergleichsweise günstigen Produkten – es kommt halt immer auf die Sichtweise an. Wir berichten natürlich über den Diskussionsverlauf. Jetzt aber erstmal viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe und dem Top-Thema „mit Smart Home in die Zukunft?“.

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