10 Jahre Wegfall des Meisterbriefes: Goldene Zeiten für Sachverständige!

Olaf Vögele
Redakteur
Sprechen wir hier von einem traurigen Tag für Vorzeigehandwerke oder über einen Meilenstein für neue florierende Unternehmen? Rot-Grün hat vor 10 Jahren die Meisterpflicht in Deutschland novelliert. Ziel war es, einen einfacheren Marktzugang zu schaffen. Die Wahrheit ist sehr ernüchternd, denn außer einem steigenden Preisdruck auf die Handwerker und Lohndumping ist wenig passiert, was die Maßnahme der damaligen Regierung rechtfertigen könnte.

Was ist eigentlich ein Handwerker im Sinne der zulassungsfreien Berufe in der Anlage B? Früher war es jemand der sein Handwerk beherrschte, weil er es gelernt hat. Heute wird man „per Order di Mufti“ zum Handwerker erklärt und kann dann ohne jede Prüfung und Kenntnisse Parkett oder Fliesen verlegen, Rollläden montieren oder Markisen aufhängen.

Das ZDF hat in seiner Sendung ZDFzoom in der letzten Woche das Thema Meisterbrief aufgegriffen und dabei sehr umfangreich beleuchtet. Äußerst interessant sind dabei vor allem die Äußerungen von Politikern, für die das Ganze ein großer Erfolg sei - Realitätsnähe sieht da sicher anders aus.

Was bleibt, ist das Jammern der Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften, Verbänden und Innungen um den Wegfall des Meisterbriefes, und die zaghaften bzw. unsinnigen Versuche ihn zurückzugewinnen. Ein wenig scheinheilig ist da sicher auch das Verhalten der Kammern, denn hier werden wenigstens viele Millionen Euro Zwangsbeiträge von den neuen Betrieben kassiert, die gleich in den drei Gewerken Fliesen, Parkett und Rollladenbau eingetragen werden. Eine Quelle, die den Innungen in den allermeisten Fällen verschlossen bleibt.

Aber Jammern alleine reicht nicht. Denn 10 Jahre ist es nun her, und in dieser nicht unerheblichen Zeitspanne hat man es kaum geschafft, in den zulassungsfreien Gewerken sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, um die bessere Qualifikation dieser Fachbetriebe nach außen in Richtung Verbraucher zu kommunizieren. Auch die Ausbildungsquote in diesen Berufen rauscht immer weiter nach unten. Es ist also an der Zeit etwas zu unternehmen, um nicht noch weiter unter Druck zu geraten.

Freuen können sich auf der anderen Seite die Sachverständigen, ihres Zeichens im wahrsten Sinne des Wortes zum größten Teil Meister ihres Faches. Sie haben durch den vielen Murks mehr als je zuvor zu tun und setzen dabei ihren Sachverstand und ihr meisterliches Wissen ein, um zu analysieren und Lösungen zu finden, damit durch Unkenntnis entstandene Fehler beseitigt werden können. Schade, dass wir den Meister erst dann einsetzen, wenn dass Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Sinnvoller wäre es doch sicher bereits bei der Planung und Beratung auf ihr kompetentes Wissen zurückgreifen zu können.

Aber so sind es wenigstens für einen kleinen Teil der Meister goldene Zeiten gewesen ... und werden es weiterhin auch sein!

Zum Filmbeitrag auf ZDFzoom: http://bit.ly/1nSmuQW

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