Nach mir die Sintflut?

Daniel Mund
Chefredakteur
Fenster sollten schon bei der Montage eigentlich wie Möbel behandelt werden – schließlich erfreuen diese Elemente jahrzehntelang die Bewohner und es wäre doch schade, wenn das hohe Qualitätslevel aus der Produktion auf der Baustelle wieder zunichte gemacht wird.

Mit einer echten Montagezarge ist das möglich, denn dann kommen die Bauelemente erst „ins Loch“, wenn auch die Möbel geliefert werden. Am Markt haben sich aber auch Vorwandmontagezargen etabliert, die ganz andere Vorteile bieten: Mit Ihnen wird die Fenstermontage in der Dämmebene erleichtert. Hier gilt es also zu unterscheiden.

Aus den Augen aus dem Sinn?

Ganz offensichtlich nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht bis morgen“, ist jeder Anbieter oder der dafür beauftragte Subunternehmer darauf bedacht, die Ware schnell „ins Loch“ zu bringen und den Bau zu schließen.

Dem Bauherren ist das natürlich recht – so ist der Rohbau etwas geschützt vor Wind und Wetter. Außerdem winkt ja auch die Abnahme – wenn man denn daran gedacht hat, den Kunden mit dieser „Formalität“ in diesem führen Stadium zu konfrontieren und dieser auch noch bereit dazu ist. 

Was danach kommt? Es ist nicht die Sintflut, aber es sind Rohbauarbeiten, die beim Fensterlieferanten und auch beim Kunden offensichtlich völlig ausgeblendet werden. Da werden noch fleißig Mörtel-, Zementsäcke oder -Eimer ins Haus geschleppt. Der Putz kommt an die Wände, der Estrich wird eingebracht, der Dachstuhl ist vielleicht noch gar nicht montiert und auch Dämm- und Dichtstoffe in jeglichen Aggregatzuständen werden in dieser Phase von vielen Rohbau-Handwerkern verarbeitet. Ganz zu schweigen von den Feuchtigkeitsmengen, die noch für den Hausbau benötigt werden. 7 Tage Regenwetter und Schlamm auf der Zufahrt? Kein Problem, die Bude wird ja noch gereinigt…

Diese „Grauzone“ zwischen Einbauzeitpunkt und der Nutzungsphase kann sich durchaus über mehrere Monate hinziehen. Dabei werden die Elemente Einflüssen ausgesetzt, die nicht beeinflussbar und zudem auch noch schwer kontrollierbar sind.

Wenn der Kunde den Fensterbauer anschließend mit Bauschäden am Fenster konfrontiert, geht die Suche nach den Schuldigen los: 

  • Wer kommt für den Schaden auf? 
  • Wer reinigt die verdreckten Elemente? 
  • Woher kommen die Kratzer im Glas oder Rahmen? 
  • Warum haben die Beschlagsteile schon Rost angesetzt? etc.

Das es auch anders geht, beweisen Traditionen in anderen Regionen: In Südtirol beispielsweise. Dort kommt das hochwertige Fensterelement zeitgleich mit dem Möbelwagen. Vorher wurde der Rohbau durch Windfolien oder andere Provisorien mit der Montagezarge geschützt. Das Zargenelement dient bei der Montage des Fensters als konstante Rahmenkonstruktion und in der Werkstatt lassen sich Fenster oder Tür in Ruhe vorproduzieren und just in Time auf die Baustelle bringen. 

So werden Kunden glücklich

Bei genauerer Betrachtung bieten Lösungen mit Montagezargen eine Win-Win-Situation aller Baubeteiligten. Das Produkt ist beratungsintensiv, aber der Erfolg wird Ihnen Recht geben.

Vorwandmontage im Griff

Gleichzeitig präsentieren Bauzulieferer die Lösung bei einer Montage der Elemente in der Dämmebene. Oft werden diese Hilfskonstruktionen „Vorwandmontagezarge“ genannt. Man sollte sich aber durch die Wortähnlichkeit nicht täuschen lassen: Bei diesen Hilfskonstruktionen geht es im Wesentlichen darum, die Fensterelemente in Ebenen zu positionieren, die zwar energetisch sinnvoll sind, jedoch eine Befestigungsmöglichkeit nicht vorhanden ist. Schon seit einigen Jahren also haben die Anbieter die immer größer werdende Nachfrage nach der Montage in der Dämmebene erkannt, entsprechende Angebote entwickelt und verfeinert. 

Insgesamt wollen wir den Markt von „Montagezargen“, als auch von „Hilfskonstruktionen für die Montage“ beleuchten. In der nächsten Sonderausgabe "Montagepraxis" der GLASWELT, die zeitgleich mit unserer Septemberausgabe erscheint haben wir wesentliche Fragestellungen zu den am Markt erhältlichen Montagesystemen abgefragt. Sie einen Einblick und Anreiz, sich mit diesen Arten der Montage heute und in Zukunft intensiver auseinanderzusetzen.

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