GLASWELT Ausgabe:

Energy glas aus Wolfhagen

Den guten Ideen verpflichtet

Das Kleeblatt von Energy Glas (von links): Die vier Geschäftsführer Kai und Mirko Franke, ­Elmar Dohmann und Hans Franke entscheiden alles Wichtige einstimmig.

Der Auslöser der Firmengründung ist ein Solarthermie-Kollektor im 3-fach-Isolierglas, das im Brüstungsbereich eines Bauelements eingesetzt ist. Hier ein Prototyp auf dem Firmengelände.
Hans Franke, Geschäftsführer von Energy Glas (Quelle: Foto: Matthias Rehberger)

Ursprünglich wollte Hans Franke keine Firma aufbauen. Aber die Idee für ein neues Produkt sollte ihn seinen Arbeitsplatz kosten. Kurzentschlossen gründete er zusammen mit drei Partnern die Energy Glas GmbH, um die Idee selbst zu vermarkten.

„Wir wollten ein Standard-Isolierglas so weiterentwickeln, um damit auch warmes Wasser erzeugen zu können. Und das haben wir auch geschafft“, erläutert mir Hans Franke seine Idee bei unserem Treffen. „Dazu haben wir einen Solarthermie-Kollektor in ein 3-fach-Isolierglas eingebaut “, so der Geschäftsführer von Energy Glas.

Mit diesem System ist es möglich, über das Fenster nicht nur Energie einzusparen, sondern auch Energie zu gewinnen. Der Kollektor im 3-fach-ISO lässt sich in Brüstungsbereiche für Fenster einsetzen, wo er dann heißes Wasser erzeugt.

Erste Objekte wurden bereits damit ausgestattet. Das größte ist das Sport- und Kommunikationscenter Etteln bei Paderborn. Das komplette Heiz- und Duschwasser für die Sportler wird dort durch die Spe­zial­isoliergläser erwärmt. Die Kollektoren wurden von den Glasveredlern in Kunststofffenster eingebaut.

Hans Franke: „Wir haben auf den Kollektor vier Patente. Der Weg dahin war nicht ganz einfach, aber jetzt stehen wir vor der industriellen Fertigung. Neben dem Objekt in Etteln werden wir mit dem System in der zweiten Jahreshälfte noch weitere Gebäude im mittleren Objektbereich ausstatten.“

Ein Rotwein gab den Ausschlag

Die Idee für den Solarthermie-Kollektor kam bei einem Glas Rotwein. Der Glasfachmann erinnert sich: „Damals saßen wir beim Fraunhofer ISE in Freiburg zusammen und haben angeregt diskutiert und vor uns hin gesponnen. Dabei kam uns der Gedanke, Energie mit Isolierglas nicht nur über PV, sondern über die Solarthermie zu gewinnen. Und der Gedanke ließ mich nicht mehr los, ich wollte das in die Praxis umsetzen.“

Leider konnte der Glasfachmann diese Idee bei seinem damaligen Arbeitgeber nicht durch- und umsetzen. Ganz im Gegenteil, er verlor über diese Bemühungen hin seine Anstellung. Dann fiel der Entschluss, es selber zu versuchen: Zusammen mit seinen Söhnen Kai und Mirko sowie mit Elmar Dohmann machten die vier sich selbstständig.

„Die Firmengründung war nicht ohne Risiko und ein großer Schritt für ­alle, aber wir waren davon überzeugt, dass unsere Idee funktioniert und es klappt“, so Franke.

Und es hat geklappt. Als erstes wurde eine neue ISO-Produktion aufgebaut. Einen guten Standort fanden die vier Jungunternehmer in der ehemaligen Pommernkaserne in Wolfhagen in der Nähe von Kassel. Dort stimmten die Rahmenbedingungen und der verfügbare Platz.

Heute nach gut dreieinhalb Jahren liegt der Umsatz des Isolar-Partners bei rund 13 Mio. Euro. Die Firma beschäftigt über 80 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Und die Schaffung neuer Arbeitsplätze wurde unerwartet belohnt. Franke: „Wir haben im letzten Jahr den Hessischen Gründerpreis in der Kategorie ‚Schaffung von Arbeitsplätzen gewonnen‘. Das hat uns sehr gefreut.“

Bei der Arbeit lautet das Credo der Glasspezialisten „strikte Kundenorientierung“. Und hier sei bei den Fensterbauern neben einer hohen Produktqualität insbesondere die schnelle Lieferung gefragt. Wird künftig beispielsweise Isolierglas aus oder mit Sicherheitsgläsern nachgefragt, peilen die Glasprofis für das Jahr 2013 bei ISO mit ESG eine Lieferzeit von 5 bis 6 Tagen an (statt wie oft üblich 8 bis 10 Tage). Die schnelle Lieferung funktioniere dann auch über die Grenzen hinaus: Neben Deutschland sollen dann auch die Niederlande, Belgien und Luxemburg davon profitieren.

Diese schnelle Logistik könne durch eine sehr straffe interne Betriebsorganisation gewährleistet werden. Im kommenden Jahr wird bei der internen ­Orga­nisation die ESG-Anlage in die Isolierglas-Fertigung integriert.

„Wir setzen auf leichtes 3-fach-ISO“

Als neues Projekt steht bei den Wolfhagenern leichtes 3-fach-ISO auf der Agenda. Dafür wollen die Glasprofis dünnes ESG fertigen. Hans Franke: „Wir haben mit unseren Fensterbauer-Kunden immer wieder das Thema der zu schweren 3-fach-Isoliergläser diskutiert. Daraus haben wir dann mit drei führenden Partnerbetrieben aus dem Fensterbau gemeinsam eine Strategie für die Produktion leichter ISO-Einheiten entwickelt. Jetzt läuft die Realisierungsphase. Bei 3-fach-ISO aus dünneren Gläsern geht es um mehr als nur die spürbare Gewichtsentlastung um rund ein Drittel. Der g-Wert erhöht sich um ­etwa 1%, ebenso die Lichttransmission. Zudem verschlechtert sich der Schallschutz nicht.“

Weiter profitieren die Montage und die Logistik (mehr Ladekapazität, verringerte Bruchgefahr) von den leichteren 3-fach-Gläsern. Besteht das ISO aus vorgespannten Scheiben (ESG/TVG/ESG) erhöht dies nicht nur die Sicherheit, sondern auch die statische Belastbarkeit. Und das sei eine gute Basis für verklebte Fenstersysteme, da die Scheiben einfach stabiler seien.

Alles wird einstimmig entschieden

Im Unternehmen werden alle wichtigen Entscheidungen von den vier Gesellschaftern einstimmig getroffen. Das sei notwendig, so der Firmengründer, da alle vier verantwortlichen Geschäftsführer eine solche Entscheidung uneingeschränkt vertreten müssten: „Das ist bei uns schon eine Sache des gegenseitigen Respekts und Vertrauens. Wenn wir in der Diskussion nicht zu einen einstimmigen Ergebnis kommen, lassen wir die Entscheidung fallen. Das haben wir auch in unserem Gesellschaftervertrag so festgehalten.“

Die Glasspezialisten richten ihren Fokus heute auf hochwertige Glasprodukte und haben das Unternehmen nach ISO 9001 und nach 14001 zertifiziert. Von ihrer strategisch günstigen Lage in der Mitte Deutschlands versorgen sie nicht nur Kunden hierzulande, sondern auch in den Benelux-Ländern.

Für den Objektbau geht es aber noch weiter hinaus: So wurden Gläser bis nach Portugal, Dubai, Baku und Südafrika verschickt. „Und die Chinesen interessieren sich inzwischen auch schon für unsere Kollektoren und haben mich nach Peking eingeladen“, freut sich Hans Franke.

Auf meine, wie er die Gründung und Weiterentwicklung der Firma rückblickend bewerte, meint Hans Franke: „Wir haben die Selbstständigkeit keinen Tag bereut.“ —

http://www.energy-glas.de

Matthias Rehberger

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