GLASWELT Ausgabe: 01-2014

Wer will welche Gläser?

Rehberger: Bei der energetischen Optimierung der Gebäudehülle kommt zunehmend auch 3-fach-Isolierglas zum Einsatz, das einen Marktanteil von über 60   % besitzt. Dieser Anteil könnte nach Aussage von BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs in Deutschland mutmaßlich noch viel höher sein, wenn 3-fach-ISO von den Fensterbauern aktiver verkauft würde (lesen Sie dazu den Beitrag auf Seite 50). Da stellt sich mir die Frage: Stimmt das? Und wenn ja, warum ist das so?

Mund: Klar, dass das 3-fach-ISO seitens der Glasindustrie propagiert wird und gleichzeitig bemängelt wird, dass die höhere Wertschöpfung sich nicht auch in zufriedenstellenden Preisaufschlägen niederschlägt. Die Glasindustrie hat ja immer noch mit Flachglas-Überkapazitäten zu kämpfen. Klar ist aber auch: Der Fensterbauer ist kein Fan von dicken, sehr schweren Isoliergläsern. Da kommen ihm Kunden doch gerade recht, die etwas von außenbeschlagenen Scheiben gehört haben und nach der Beratung dann doch lieber auf ein 2-fach-ISO zurückgreifen. Immerhin hat der Monteur auf der Baustelle dann auch fast ein Drittel weniger Gewicht zu schultern.

Rehberger: Das waren die Aussagen der Industrie und der Verarbeiter. Ich versetze mich einmal in die Lage des Kunden: So möchte ich viel natürliches Tageslicht im Gebäude, also große Glasflächen, dann Behaglichkeit vor den großen Fenstern, sprich eine gute Wärmedämmung, im Sommer keine Aufheizung und im Winter solare Gewinne. Ob die Verarbeiter diese Anforderungen mit 2-fach- oder 3-fach-ISO erfüllen können, spielt für den Verbraucher dabei keine Rolle.

Mund: Ich glaube, so viele Gedanken macht sich der Endkunde nicht. Zunächst will er doch „nur “ viel Fenster für wenig Geld. Und ein Fenster mit drei Scheiben ist vordergründig mehr Wert als eines mit zwei. Die wenigsten kennen doch die einzelnen Parameter, die die Qualität eines Fensters inklusive Glas bestimmen. g-Werte, Lichttransmissionsgrade, Warme Kante und Co sind wohl eher Diskussionsgrundlagen von Fachleuten als von Häuslebauern und Sanierern. Ich kann mir vorstellen, dass viele Händler dann eher nach simplen Argumenten greifen, um ihre Fenster an die Frau oder den Mann zu bringen.

Rehberger: Es gibt doch gute Argumente, die ich als Kunde leicht nachvollziehen kann. Wo eine hohe Wärmedämmung erforderlich ist, etwa an der Nordseite des Hauses, lohnt der Einsatz von hochdämmenden 3-fach-ISO. Auf der Südseite ist für gute Energiegewinne im Winter eine 2-fach-Verglasung sinnvoll (inklusive außenliegendem Sonnenschutz für den Sommer), dann kommt es dort auch zu keiner Außenkondensation nach kalten Nächten. Dazu lassen sich die Isoliergläser noch mit Sicherheitsglas anbieten. Das macht das Angebot für den Fensteranbieter dann rund.

Mund: Womit wir wieder bei Herrn Grönegräs und der Frage nach dem für ihn zu geringen 3-fach-ISO-Anteil wären: Offensichtlich gibt es auch im 3-fach-ISO-Zeitalter immer noch sinnvolle Anwendungen für die 2-fach-Variante. – Ihnen, liebe Leser, wünschen wir jetzt einen perfekten Jahresstart und viel Erfolg für die kommenden Monate.

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