GLASWELT Ausgabe: 01-2014

Der Kommentar

Welche Stellschrauben sind die richtigen?

Der Schreinermeister arbeitete im Betrieb der Familie und als Projektmanager für Holz-, Holz-Alu- und Kunststoff-Fenstersysteme sowie Fassadenprojekte. Seit 2009 leitet er die Stahlmann-Consulting GmbH und betreut nationale und internationale Kunden.

Der Schreinermeister arbeitete im Betrieb der Familie und als Projektmanager für Holz-, Holz-Alu- und Kunststoff-Fenstersysteme sowie Fassadenprojekte. Seit 2009 leitet er die Stahlmann-Consulting GmbH und betreut nationale und internationale Kunden. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Gastkommentar: glaswelt@glaswelt.de

Drei Ereignisse der letzen Wochen haben politische Weichen gestellt: Die neue EnEV ist beschlossen und wird im Mai in Kraft treten, die Energiewende und deren Anreize wurden heftig diskutiert und in den Koalitionsvertrag niedergeschrieben. Und: Die Innenminister der Länder haben sich getroffen und über eine Abwrackprämie von Fenstern diskutiert – Zeit darüber zu reden, welche Auswirkungen diese Weichenstellungen auf das Konsumgut Fenster hat. Die Stimmen der Lobbyisten waren schon zu hören – vor allem im Nachgang: Eine Festschreibung einer Austauschpflicht von Fenstern in der EnEV – nein. Abwrackprämie für Fenster, wenn diese sicherheitstechnisch aufgerüstet werden – ja. Es ist in der Tat sinnvoll, die Nachfrage bei energetischen Maßnahmen im Bereich Fenster durch steuerliche Anreize zu steigern. Dies würde keine sprunghafte Nachfrage generieren, wie es zum Beispiel bei einer Abwrackprämie von Einscheibenfenstern der Fall wäre – was zur Folge hätte, dass Unternehmen die anstehenden Kapazitäten in einem geschlossenen Zeitfenster abarbeiten müssten. Diejenigen, die finanziell die Lobbyarbeit unterstützen, haben eine gute, bis sehr gute Auslastung. Eigentlich wären diese Firmen dazu gezwungen, ihre Kapazitäten noch weiter und vor allem nur kurzfristig zu erhöhen, wenn sie nicht Mengenanteile an die Unternehmen mit freien Kapazitäten verlieren wollen. Also tritt man lieber auf die „Lobby “ -Bremse, bevor man „den anderen “ etwas vom Kuchen zugesteht und kollegial teilt. Eine Abwrackprämie für Fenster bei Investition in höhere Sicherheitsstandards ist da schon einfacher – auch wenn der Verwaltungsaufwand nicht im Verhältnis stehen würde. Die Menge der zu produzierenden Fenstereinheiten würde nicht wesentlich steigen, aber der Mehrwert am Fenster für die Ausführung für mehr Sicherheit. Im Produktionsprozess lassen sich die verbesserten Maßnahmen einfach integrieren. Somit profitieren die Unternehmen, welche einen hohen Gesamtmengenanteil am Markt haben – ohne das Risiko einer Kapazitätserweiterung. Deshalb wäre es von den Lobbyisten töricht, diesen Vorschlag der Innenminister nicht zu unterstützen. Aber: solch eine Maßnahme greift zu kurz. Welche Zielgruppe würde profitieren? Diejenigen die Werte zu schützen haben. Und diese Zielgruppe investiert sowieso – egal ob der Staat noch einige Euro dazugibt. Bei einem Austausch der Elemente würde zugleich ein Energie-Einsparpotenzial mit einhergehen. Das könnte man auch als indirekte Subvention ansehen. Diejenigen, die nicht an Einbruchsicherungsmaßnahmen interessiert sind oder diese beantragen könnten, würden ihre energetische Sanierung durch den Fenstertausch nicht bezuschusst bekommen. Nachhaltige Subventionsmaßnahmen sehen anders aus. Das mit den politischen Vereinbarungen die Energieeinsparung leidet und sich das damit direkt auf den Fenstermarkt auswirkt, ist unbestritten – die Chance zur Steigerung der Nachfrage nach Fenstern wurde allerdings an anderer Stelle vertan.

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