GLASWELT Ausgabe: 10-2015

Der Kommentar

Die Zukunft kommt später …

Daniel Mund
ist Chefredakteur der GLASWELT und kümmert sich um das Ressort Fenster und Bauelemente. Er hat eine Schreinerlehre absolviert und konstruierte als Diplom-Bauingenieur Ein- und Mehrfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien und wickelt

Daniel Mund

ist Chefredakteur der GLASWELT und kümmert sich um das Ressort Fenster und Bauelemente. Er hat eine Schreinerlehre absolviert und konstruierte als Diplom-Bauingenieur Ein- und Mehrfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien und wickelte diese als Bauleiter ab.

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Jetzt endlich brummt es wieder in den Fenster herstellenden Betrieben und auch auf den Baustellen: Die Firmen bestätigen einen gesunden Auftragsbestand und eine ausgelastete Produktion. Und die meisten sind froh darüber, nach dem sich der Jahresstart eher verhalten gezeigt hatte. Klar ist, dass man jetzt mit dem Tagesgeschäft rund um die Uhr beschäftigt ist. Schade aber, dass dann auch dabei die Zukunft ein wenig außer Sichtweite gerät.

Was geschieht aber, wenn diese Nachfrage einmal wieder einbricht? Wenn Deutschland nicht mehr die Insel der Glückseligen mit hohen Beschäftigungszahlen, niedrigen Zinsen, hoher Binnennachfrage und günstigen Prognosen ist?

Auf dem hiesigen Fenstermarkt kann man sich schon fast ungläubig die Augen reiben, wenn man sieht, welche Unternehmen sich gerade neu positionieren und sich offensichtlich für kommende Zeiten rüsten. Da übernimmt der AFG Konzern Wertbau im Osten der Bundesrepublik, um dort „günstiger“ produzieren zu können als im Heimatmarkt Schweiz. Die IFN-Gruppe, zu der auch Internorm gehört, verstärkt sich mit dem Hersteller Kastrup in Dänemark, um Schweden, Norwegen und auch England ins Visier zu nehmen. Und der größte Fensterhersteller Europas, die schwedische Inwido-Gruppe nimmt mit Vertriebsniederlassungen Kurs auf Österreich und mittel- oder langfristig auch auf Zentraleuropa. Auch in der 2. Reihe tut sich so einiges. Beispiel Aldra: Der Anbieter kann jetzt durch Joint-Ventures auch die Fenster-Werkstoff-Alternativen Holz und Metall zur Verfügung stellen.

Die Big Player am Markt sehen ihre Zukunft also darin, noch größer werden zu müssen. Klar ist auch, dass der Markt noch transparenter werden wird – dafür haben schon allein die Player aus dem Nachbarland Polen gesorgt. Der Preis muss künftig mehr denn je für ein vergleichbares Massen-Produkt unschlagbar sein.

Die Alternative heißt dazu: Sie haben ein unvergleichliches Produkt und/oder Sie bieten eine unvergleichliche Leistung an.

In diesem Zusammenhang wundert mich, dass mögliche Alleinstellungsmerkmale noch immer nicht voll ausgeschöpft werden. Ein Beispiel: Mitte September fand in Stuttgart die SmartHome-Fachtagung statt mit Fokus auf Planer und Wohnungsbaugesellschaften – aber eben auch auf die Bauindustrie und Handwerker – für eine praxisnahe Vermittlung des state-of-the-art im Gesamtthemenfeld SmartHome. Unsere Branche glänzte dabei vor allem durch Abwesenheit. Aber: Das Komfortthema lässt sich nicht aufhalten – hier steckt tatsächlich richtig viel Musik drin. Schauen Sie sich doch einfach mal den Imagefilm von Inwido aus Schweden an: Denen ist schon jetzt klar, dass ihre Produkte mehr sind als Fenster, sondern ein wesentlicher Bestandteil am „future home“. Ich freue mich auf mehr solcher Glanzlichter, die durch ganz eigene Themen eine neue Richtung vorgeben und den Markt durch tolle Ideen bereichern, statt durch unschlagbare Preise überzeugen zu wollen.

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