GLASWELT Ausgabe: 11-2015

Der Kommentar

Schätzt die Glasbranche ihre Kunden?

Paul Bastianen
Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Der Niederländer füllt im Wechsel mit anderen Branchenkennern diese Gastkolumne. Sein Fokus zielt auf die europäische und internationale Glasbr

Paul Bastianen

Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Der Niederländer füllt im Wechsel mit anderen Branchenkennern diese Gastkolumne. Sein Fokus zielt auf die europäische und internationale Glasbranche.

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Als vor Kurzem die falschen CO2-Angaben des VW Konzerns bei Dieselmotoren und die Manipulation der Fahrzeugsoftware aufgedeckt wurden, hat das weltweit einen Schock ausgelöst und dem Konzern an einem Tag den Verlust von 26 Milliarden Euro beschert. Doch diese Manipulation hat auch der Reputation der deutschen Industrie einen massiven Schlag versetzt. Denn das weltweit sehr hohe Ansehen und das Vertrauen in Produkte „Made in Germany“ wurden durch die VW Manipulationen in schweren Misskredit gebracht.

Ob in China, USA oder in den arabischen Ländern: Deutsche Autos waren bisher beliebte Statussymbole. Es bleibt zu hoffen, dass diese ihre Popularität künftig nicht einbüßen.

Für mich darf es nicht sein, dass die verantwortlichen Manager nur den schnellen Gewinn vor Augen haben. Es darf nicht sein, dass die Firmen in Deutschland ihre bisherigen langfristigen und erfolgreichen Strategien der hochwertigen Qualitätsprodukte aufgeben. Nachhaltiges agieren ist – oder besser war – doch immer die Stärke der deutschen Firmen, und zwar vom kleinen Handwerker bis hin zu den großen Konzernen, und diente der langfristigen Bestandssicherung.

Weiter stellt sich mir die Frage, respektieren mich Firmen als Kunde überhaupt noch, indem sie mir wissentlich Produkte verkaufen, die nicht halten, was sie versprechen?

Wenn Sie mich nun fragen, wie ich die Glasbranche in Sachen Kundenwertschätzung einordne, dann gibt es eine zweigeteilte Antwort: Zuerst zu den Glashütten, diese sind als die Basisglaserzeuger nicht Endverbraucher-orientiert, hier zählt nur die Tonnage, die Masse an verkauftem Basisglas. Hier vermisse ich den Respekt für den Verbraucher, dieser ist überhaupt nicht im Blick der Erzeuger. Das spiegelt sich auch in der Produktentwicklung wider.

Bei den Glasveredlern sieht das hingegen ganz anders aus. Hier steht der Kunde schon im Fokus. Das gilt gerade für Verarbeitungsbetriebe, die direkt am Endkunden sind. Diese Firmen wissen genau, was der Markt will und reagieren darauf, bieten passende Produkte und immer häufiger findet man auch sehr ansprechende Showrooms. Aber auch diesen Betrieben tut Marketingunterstützung bei der Kundenansprache gut. Hier sehe ich Kooperationen, wie den Flachglas MarkenKreis, Uniglas u. a. mit ihren Franchise-Produkten und Verkaufsunterstützung als gute Lösung für kleinere und mittlere Betriebe .

Gas geben müssen jedoch die B-to-B-Betriebe, wie ISO-Hersteller. Denn wenn sie Geld verdienen wollen, reicht es heute nicht mehr aus, nur Isolierglas-Produkte zum günstigen Preis bereitzustellen. Viele dieser Firmen müssen noch eine gute Portion Service dazupacken, um im harten Preiskampf mit Osteuropa nicht unterzugehen.

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