GLASWELT Ausgabe: 10-2016

Im Gespräch mit MArkus Müllers von der Düsseldorfer R+S Innung

Auch Verbände müssen sich heute anpassen

Der Delegierte Markus Müllers von der Düsseldorfer R+S Innung arbeitet in der Geschäftsleitung von Rolladen Müllers in Mönchengladbach.

Der Delegierte Markus Müllers von der Düsseldorfer R+S Innung arbeitet in der Geschäftsleitung von Rolladen Müllers in Mönchengladbach.

Der Paukenschlag durch die Abstimmung über den Verbandsaustritt der Düsseldorfer Innungsversammlung zum 31.12.2017 war unüberhörbar, und das Echo hallt in der R+S Branche immer noch nach. GLASWELT hat mit dem Delegierten Markus Müllers gesprochen, um die Hintergründe dieser Entscheidung zu hinterfragen.

Glaswelt – Herr Müllers, schon die Einladung zur Innungsversammlung mit dem Tagesordnungspunkt „Abstimmung über den Verbandsaustritt“ sorgte im Vorfeld für viel Gesprächsstoff. Wie kam es zu dieser Abstimmung?

Markus Müllers – Das ganze geschah auf keinen Fall vollkommen überraschend. Schon seit 4 Jahren befassen wir uns im Vorstand der Düsseldorfer Innung und in Gesprächen mit unseren Mitgliedern sehr intensiv mit dem Thema der Leistungsfähigkeit unseres Bundesverbandes Rollladen + Sonnenschutz. Die jetzige Abstimmung über den Verbandsaustritt war also nur die Konsequenz aus den vielen Gesprächen und Diskussionen innerhalb unserer Innung und dem daraus resultierenden Stimmungsbild.

Glaswelt – Der Austrittstermin wurde mit dem 31.12.2017 festgelegt. Warum verbleibt ihre Innung noch über ein Jahr im BVRS?

Müllers – Zeitlich überzogene Aktionen bringen keinem was, ein finales Datum ist aber notwendig geworden, um nicht funktionierende Dinge im BVRS endlich einmal in Bewegung zu bringen und die Chance für Lösungen zu bieten.

Glaswelt – Das heißt im Klartext?

Müllers – Natürlich haben wir in der Vergangenheit auch viele Gespräche mit dem BVRS geführt, die aber leider nicht gefruchtet haben. Unser Hauptkritikpunkt ist dabei die Leistungsfähigkeit des TKZ (Technisches Kompetenzzentrum). War der BVRS vor einigen Jahren noch führend im Bereich der Technik tätig, so spielen wir heute aufgrund einer verfehlten Personalpolitik innerhalb des BVRS keine große Rolle mehr. Gleiches gilt für technische Anfragen unserer Mitgliedsbetriebe beim TKZ. In der derzeitigen Situation ist mit keinen Verbesserungen innerhalb des TKZ zu rechnen.

Glaswelt – Etwas zu kritisieren ist das eine, gibt es denn auch konkrete Vorschläge der Düsseldorfer Innung, was verbessert werden kann bzw. muss, um die jetzige Situation zu ihrer Zufriedenheit zu verbessern?

Müllers – Natürlich reicht es nicht, nur pauschal zu kritisieren, es müssen auch konkrete Lösungsansätze benannt werden. Wir haben im Vorfeld unserer Entscheidung natürlich auch festgestellt, dass die Probleme der Düsseldorfer Innung kein Einzelfall sind, es haben auch andere Innungen die gleiche oder ähnliche Wahrnehmungen. Es gab ja nicht nur unsere Gespräche mit dem BVRS, sondern parallel im August auch Gespräche mit dem LIV (Landesinnungsverband Nordrhein-Westfalen), in dem die Innungen Köln, Westfalen, Düsseldorf und Aachen vertreten sind. Aus dem Termin mit dem LIV resultiert ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, dessen Erfüllung bis zum 30.06.2017 unsere Bedingung darstellt, ob wir den BVRS Ende 2017 verlassen oder nicht.

Glaswelt – Maßnahmenkatalog, was dürfen wir uns da vorstellen?

Müllers – Es geht vor allem um die Qualifikation der Mitarbeiter des TKZ. Wenn unsere Innungs-Mitglieder mit ihrer Meisterqualifikation und jahrelangen Erfahrungen ein Problem haben, dann erwarten sie entsprechende Hilfestellungen oder Lösungsansätze. Das bedeutet im Klartext, das im TKZ Mitarbeiter sitzen müssen, die eine sofortige oder kurzfristige Hilfestellung bieten können. Bearbeitungszeiten von zwei Wochen von der Frage bis zur Antwort, oder aus Google kopierte Texte etc. können da nicht die Normalsituation sein. Letztlich laufen wir Gefahr, eigene Mitglieder zu verlieren, weil die Dienstleistung TKZ nicht funktioniert. Man kann sich heute fast jede Art von Dienstleistung auch an anderer Stelle besorgen. Wobei das im rechtlichen Bereich gar nicht notwendig ist, da Ingo Plück dort als Rechtsanwalt mit seinen Antworten und Tipps einen guten Job macht. Aber im Bereich der Technik ist unsere Anlaufstelle momentan das TKZ – und hier sind die Beratungsergebnisse bei Weitem nicht zufriedenstellend und bedürfen dringend der Verbesserung. Deshalb lautet unsere Forderung, geeignetes und qualifiziertes Personal neu einzustellen. Der jetzige Weg, Mitarbeiter einzustellen und dann zur Meisterschule zu schicken kann zwar den Titel korrigieren, aber es fehlt immer noch die praktische Erfahrung, die man beim BVRS nicht sammeln kann.

Glaswelt – Der Bundesverband mahnt in seiner Stellungnahme zu ihrer Entscheidung Geschlossenheit in den eigenen Reihen. Wie gehen Sie als Innung damit um?

Müllers – Wenn der BVRS das jetzt so anmahnt, dann hat er die Botschaft unseres Austritts nicht verstanden. Gerade weil wir die Reihen eigentlich gar nicht verlassen wollen, haben wir die Chance eingeräumt, die jetzigen Missstände bis zum 30. Juni des nächsten Jahres zu beseitigen. Es liegt also am BVRS selbst, ob die Reihen geschlossen bleiben. Natürlich wird es auch interessant sein zu verfolgen, ob sich andere Innungen unseren Gedanken anschließen, um den Druck auf den BVRS zu erhöhen – und damit schon lange geforderte Veränderungen einzuleiten. Das betrifft übrigens nicht nur das TKZ, sondern auch die Kommunikation innerhalb oder außerhalb des Verbandes. Ich nenne da als Stichwort nur mal Social Media und die Pressearbeit.—

Das Gespräch führte GLASWELT Redakteur Olaf Vögele in Mönchengladbach.

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