GLASWELT Ausgabe: 05-2019

Schallschutz mit Glas

Göttliche Stille – Glas macht sie möglich


Der Schallschutz wird eine immer wichtigere Anforderung bei der Gebäudeplanung sowie bei der Sanierung.

Der Schallschutz wird eine immer wichtigere Anforderung bei der Gebäudeplanung sowie bei der Sanierung.

Die Nachfrage nach schalldämmenden Fenstern, Türen und Fassadenflächen steigt. Gründe dafür sind der Bauherrenwunsch nach mehr Komfort sowie verschärfte Regelwerke. Wie sich Fenster und Fassadenkonstruktionen mit Schallschutzgläsern optimieren lassen, erläutert Jürgen Künsting von Saint-Gobain.

  1. Teil: Göttliche Stille – Glas macht sie möglich
  2. Teil: Der Autor

_ Macht man sich erst einmal bewusst, woher der Begriff „Lärm“ kommt, nämlich von dem frühneuhochdeutschen Wort lerma(n), larman = Lärm, Geschrei, ist es nicht verwunderlich, dass „Lärm“ als extrem störend wahrgenommen wird, Stress verursachen und der Gesundheit schaden kann.

Nach den Landesbauordnungen darf die Gesundheit nicht durch bauliche Anforderungen beeinträchtigt werden. Und die Praxis zeigt, dass die Schallschutzmaßnahmen über die Mindestanforderungen hinausgehen sollten – auch um das subjektive Wohlbefinden zu erhöhen – beim Wohnen und am Arbeitsplatz

Dem baulichen Schallschutz, also den Anforderungen an Fenster- und Fassadenkonstruktionen, kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Planung von Schallschutzmaßnahmen stützt sich auf Normen, wie z. B. die DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“, mit deren Hilfe durch Berechnungen oder Messungen das erforderliche Schalldämmmaß von Fenstern ermittelt werden kann.

Im privaten Baurecht muss der Bauunternehmer mindestens die Vorgaben der „Allgemein anerkannten Regeln der Technik (AaRdT)“ beachten.

Wer Gebäude plant oder Baumaßnahmen durchführt, sollte seine besondere Aufmerksamkeit auf Fenster, Türen und Fassadenflächen richten. Denn wie auch bei der Wärmedämmung bilden beim Schallschutz die planerische Vorleistung und spätere Ausführung wesentliche Fundamente für einen angepassten Lärmschutz.

Da Fenster die größten „Schwachstellen“ im Schallschutzverbund eines Hauses sind, müssen sie mit großer Sorgfalt geplant und ausgeführt werden.

Zu beachten ist dabei, dass der angestrebte Schallschutz nicht allein durch das Isolierglas erreicht werden kann. Maßgeblich ist das gesamte Bauteil mit Rahmen, Verglasung, Rollladenkasten, Lüftungselementen, Anschlussfugen und fachgerechtem Auf- und Einbau.

Ein Fenster mit üblicher Verglasung erreicht einen Schalldämmwert von etwa 28 bis 30 dB, ein Schallschutzfenster mit spezieller Schallschutzverglasung und fachgerechtem Baukörperanschluss bringt es auf bis zu 45 dB.

Der geforderte Schallschutz eines Fensters kann mit Prüfverfahren nachgewiesen werden. Da die messtechnische Kontrolle der schallmindernden Wirkung relativ schwierig ist, führen die Messungen bauakustische Prüfstellen im Labor durch. Auch hierfür gibt es mit der DIN EN ISO 140-1 eine entsprechende Norm.

Aufbau und Einsatz von Glas als Schallschutzelement

Schallschutzverglasungen erreichen ihre schalldämmende Wirkung durch unterschiedlichste Einflussfaktoren. Eine Einzelschreibe mit 8 mm z. B. weist einen niedrigeren Schalldämmwert auf (Rw von 33 dB) als eine Scheibe mit 15 mm (Rw von 37 dB).

Eine dicke Glasscheibe dämpft aufgrund ihrer Masse tiefe Frequenzen am besten. Im Isolierglas kommen weitere Einflüsse hinzu. Je größer der Scheibenabstand (und damit der Scheibenzwischenraum), desto mehr verschiebt sich die Doppelscheibenresonanz hin zu tiefen Frequenzen, was vom menschlichen Ohr meist angenehmer wahrgenommen wird, als hohe Frequenzen.

Weiche Zwischenschichten erhöhen die Schalldämmung im gesamten Frequenzbereich. Die Schallschutzgläser etwa von Saint-Gobain Glass erreichen ihre guten Schalldämmwerte mit differenzierten Glasdicken, asymmetrischen Aufbauten und vergrößerten Scheibenzwischenräumen.

So verfügt etwa das Lärmschutzglas Stadip Silence über eine hochleistungsfähige und im Glas integrierte Folie mit einem zäh-elastischen Kern. Die „Silence Folie“ wirkt wie ein Dämpfer, der das Mitschwingen der Glasscheiben minimiert und für eine bessere Schalldämmung im höheren Frequenzbereich sorgt. Stadip Silence reduziert beispielsweise auch die empfundene Lautstärke von prasselndem Regen oder Hagel auf der Scheibe. Darüber hinaus ist es als Glaslaminat im Bruchfall auch splitterbindend.

Mit den Schallschutzlösungen von Saint-Gobain Glass können individuelle Anforderungen mit Blick auf die gewünschte Schalldämmung am Einsatzort berücksichtigt werden.

Das VSG bietet hohen akustischen Komfort und zudem kann mindestens eine Scheibe im Glasaufbau mit Sonnenschutz- oder Wärmedämmeigenschaften versehen werden. Es ist außerdem auch als Absturzsicherung, Überkopfverglasung und einbruchhemmende Verglasung einsetzbar wie konventionelles VSG.

Aktuelle Isoliergläser sind heute multifunktional zu verwenden. Selbst Schalldämmwerte von 30 bis über 50 dB lassen sich mit den unterschiedlichsten Funktionen kombinieren. —

  • Fenster mit Standardglas erreichen Schalldämmwerte von 28 bis 30 dB, ein Schallschutzfenster mit spezieller Verglasung bringt es auf bis zu 45 dB.

  • Eine dicke Glasscheibe dämpft aufgrund ihrer Masse tiefe Frequenzen am besten. Eine 8 mm dicke Monoscheibe hat einen Schalldämmwert R w von 33 dB …

  • … eine dickere Scheibe z. B. mit einer Dicke von 15 mm erreicht hingegen einen R w von 37 dB. Man spricht hier von dem Masse-Feder-Prinzip.

  • Weiche Zwischenschichten bei Verbundgläsern ermöglichen es, die Schalldämmung im gesamten Frequenzbereich zu erhöhen.

Foto: ClimaPlusSecurit

Foto: ClimaPlusSecurit

Foto: ClimaPlusSecurit

Foto: ClimaPlusSecurit

Literatur

  1. Teil: Göttliche Stille – Glas macht sie möglich
  2. Teil: Der Autor
  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

GLASWELT-Newsletter

Ja, ich möchte folgenden Newsletter abonnieren:

GLASWELT-Newsletter
» Weiter Informationen zum GLASWELT-Newsletter
Kommentare

Ich habe keine Zeit …

Die Wirtschaft floriert, die Auftragsbücher sind voll und Handwerker ein rares Gut. Sogar von... mehr

Alle Kommentare