GLASWELT Ausgabe: 05-2019

Interview mit Alex Caestecker

Vakuum-ISO – The next generation


Fineo von AGC besteht aus zwei Floatscheiben, die durch einen 0,1 mm Vakuum-SZR voneinander getrennt sind.

Fineo von AGC besteht aus zwei Floatscheiben, die durch einen 0,1 mm Vakuum-SZR voneinander getrennt sind.

Im April, kurz vor dem Start der Vakuum-Glas-Fertigung von AGC in Belgien, sprach die GLASWELT mit Alex Caestecker, der als Marketingmanager diesen Glastyp betreut. Erfahren Sie, warum er das Fineo-Vakuum-Glas für einen Quantensprung in der Entwicklung hält, welche Vorteile es bietet und weshalb es auch beim schrägen oder horizontalen Einbau seinen Ug-Wert beibehält.

_ Wie AGC jetzt mitteilt, wurde der Bau der Produktionsanlagen für das Vakuum-Isolierglas „Fineo“ am belgischen Standort in Lodelinsart erfolgreich abgeschlossen. Alle Produktionsanlagen sind installiert, getestet und mit dem ERP-System verbunden. Aktuell laufen die letzten Feinabstimmungen der Produktionsparameter und die nötigen Qualitätskontrollen.

Im Juni startet AGC Interpane dann die Vermarktung des Vakuum-Isolierglases in Deutschland, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Derzeit werden bereits die ersten Kontakte mit Herstellern von Profilen und mit Fensterbauern verhandelt. Mit der Auslieferung der ersten Vakuum-Isoliergläser sei vor Sommerbeginn zu rechnen.

Fineo besteht aus zwei mindestens 3 mm dicken Glasscheiben, die jeweils eine hochisolierende Beschichtung erhalten und durch eine Vakuumschicht von 0,1 mm voneinander getrennt sind.

Es dämme mit einem Ug-Wert 0,4 bis 0,7 W/(m²K) besser bzw. ebenso gut wie ein 3-fach-Isolierglas, wiege aber allein beim Glasanteil ein Drittel weniger, was deutlich filigranere Beschläge ermöglicht. Verglichen mit einem herkömmlichen 3-fach-ISO mit zwei Low-E-Beschichtungen gelangten 15 Prozent mehr Tageslicht in den Raum und der Schallschutz verbessert sich um 3 Dezibel (RW + Ctr nach EN 12758), so AGC.

Die Unterschiede zu anderen Vakuum-Gläsern

Die größte Besonderheit von Fineo gegenüber herkömmlichen Vakuum-Isoliergläsern ist seine Konstruktion: Es besitzt keine Evakuierungsöffnung und keine Dichtungen, sondern eine nicht-organische Versiegelung wird während des Produktionsprozesses aufgebracht, der Wärmedämmwert bleibt darum auch nach Jahrzehnten konstant, so AGC. Selbst bei horizontalem oder schrägem Einbau in Dachfenstern bleibe der Ug-Wert unverändert. Im Winter lassen sich gegenüber einem herkömmlichen 3-fach-ISO durch den besseren g-Wert rund 30 Prozent höhere solare Energiegewinne erzielen und somit die Heizkosten senken.

Das VIG kann monolithisch auch in bestehende Fenster- oder Fassadenprofil verbaut werden, vorausgesetzt, das Profil ist in gutem Zustand, was es insbesondere für denkmalgeschützte Gebäude interessant mache.

Die maximale Liefergröße des Vakuum-Isolierglases von AGC (www.agc-glass.eu) beträgt zu Produktionsbeginn 1,5 × 2,5 m bzw. 1,6 × 2,4 m.

Nachgefragt bei Alex Caestecker, Marketingmanager von Fineo

Glaswelt – Was unterscheidet denn Fineo technisch von anderen Vakuum-Isoliergläsern?

Alex Caestecker – Unsere Vakuum-Isolierlgas-Einheit basiert auf einer ganz neuen Technologie, sie kommt ohne Evakuierungsöffnung aus. Darüber hinaus braucht es keine Dichtungen, denn seine nicht-organische Versiegelung wird während des Produktionsprozesses appliziert. Dieser Rand ist schmal und konstant 5 bis 6 mm breit und dabei sehr sauber, auch optisch.

Glaswelt – Welche Produktionskapazitäten sind für den Anfang sowie für später geplant?

Caestecker – Die genauen Produktionskapazitäten können wir nicht verraten, wir starten jedoch behutsam und bauen die Kapazität bis September maximal aus. Letztlich wird die Kapazität langfristig davon abhängen, wie der Markt das Produkt annimmt. Das betrifft die Nachfrage aus dem Neubau sowie die Modernisierer und Renovierer (Stichwort Denkmalschutz). Auch die Nachrüstung von Glas in bestehende Fensterrahmen sowie auch bei Kastenfenstern ist möglich.

Glaswelt – Wofür sind die Vakuum-Gläser vorrangig gedacht, eher für die Modernisierung oder für den Neubau?

Caestecker – Für beide Märkte. Für den Denkmalschutz und Retrofit wird das Produkt monolithisch in bestehende Rahmen verbaut – hier sind die Gläser sofort verfügbar. Und für Modernisierer ist interessant, dass Fineo als „Einzelscheibe“ zusammen mit einem zweiten Glas zu einer 2-fach-ISO-Einheit aufgebaut werden kann. Sind besondere Glaseigenschaften erforderlich, kann Fineo als Glaskomponente in ein Standard-ISO integriert werden. Mit dieser Maßnahme lassen sich bestehende Rahmen viel länger nutzen.

Für den Neubau wird es wahrscheinlich etwas dauern, bis die großen Fenster- und Fassadenhersteller das Produkt adaptiert und entwickelt haben, darum ist hier eine Anlaufphase zu erwarten. Das Potenzial ist auch hier riesig!

Glaswelt – In welchen Formaten sind die Vakuum-Gläser erhältlich?

Caestecker – Das reicht heute bis maximal 1,5 × 2,5 m oder 1,6 × 2,4 m. Aber wir haben selbstverständlich bereits größere Formate im Blick.

Glaswelt – Aus welchen Glastypen werden die Fineo-Einheiten aufgebaut?

Caestecker – Aktuell gibt es Fineo aus Floatglas mit der Wärmedämmbeschichtung iplus 1.0 oder aus unbeschichtetem Floatglas. Ab Anfang 2020 werden wir es auch mit der Sonnenschutzbeschichtung Stopray Vision-72 anbieten. Für den Denkmalschutz kann Fineo nachträglich übrigens auch mit einer Scheibe aus Gussglas zusammenlaminiert werden, um im Denkmalschutz die perfekte „klassische“ Ästhetik zu gewährleisten.

Glaswelt – Sind die Fenster auch für den Horizontal- oder Schrägeinbau geeignet?

Caestecker – Selbstverständlich. Und im Gegensatz zu herkömmlichem Isolierglas bleibt der Ug-Wert durch das Vakuum auch beim Schrägeinbau in Dachfenster oder in Überkopfverglasung konstant, da es keine Konvektion im SZR gibt.

Glaswelt – Wie lässt sich Fineo recyclen?

Caestecker – Das Produkt ist zu 100 Prozent bleifrei und kann komplett recycelt werden. —

Das Interview führte Matthias Rehberger.

  • Alex Caestecker, Marketingmanager für das Vakuum-Isolierglas Fineo

  • Der Start des Aufbaus der Produktionsanlagen lag zu Beginn des Jahres, inzwischen ist er abgeschlossen.

Foto: Matthias Rehberger

Foto: AGC Glass Europe

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