GLASWELT Ausgabe: 09-2019

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche

Präventionsmaßnahmen zeigen Wirkung

Nachdem die Zahlen 2015 ihren Höchststand erreicht hatten, verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) seither einen kontinuierlichen Rückgang. Im Jahr 2018 wurden erstmals wieder unter 100 000 Fälle erfasst – und die Schadenssummen sinken ebenfalls deutlich. Was allerdings nicht besser wird: Die Aufklärungsrate nach einem Einbruch.

  1. Teil: Präventionsmaßnahmen zeigen Wirkung
  2. Teil: Für den Einbruchschutz werben

_ Zunächst ein paar Fakten: Insgesamt wurden im letzten Jahr 97 504 Fälle einschließlich der Einbruchsversuche registriert, 2017 waren es noch 116 540. Die Einbrecher verursachten im vergangenen Jahr einen Schaden (nur Diebesgut/Beute) von 260,7Mio. Euro (2017: 302 Mio. Euro). Eingebrochen wurde meist über leicht erreichbare Fenster und Wohnungs- bzw. Fenstertüren.

Dass viele Einbrüche durch richtiges Verhalten und die richtige Sicherungstechnik verhindert werden können, belegt der hohe Versuchsanteil beim Wohnungseinbruch: So blieben im letzten Jahr 45 Prozent der Einbruchsdelikte im Versuchsstadium stecken. Über den Zeitraum der zurückliegenden zehn Jahre ist der Anteil vollendeter Fälle stetig gesunken, wie die steigenden Versuchszahlen zeigen. Dies kann durchaus auf Verbesserungen von Präventionsmaßnahmen im privaten Bereich zurückgeführt werden. Gleichzeitig bestärkt es die Polizei darin, ihre Präventionsaktivitäten fortzuführen und die Bevölkerung weiterhin für das Thema Einbruchschutz zu sensibilisieren.

Bei der Aufklärungsquote kann die Polizei allerdings keine Erfolge verbuchen: Diese lag immer noch bei vergleichsweise niedrigen 18 Prozent.

Wo machen es Bewohner den Einbrechern am leichtesten?

Grundsätzlich haben die bekannten Schwachstellen aus den sogenannten Kölner Studien Bestand: Besonders in Mehrfamilienhäusern bleibt die Wohnungsabschlusstür das vorrangige Ziel von Einbrechern. Erst danach folgen Fenstertüren und Fenster, besonders wenn sie sich im Erdgeschoss befinden.

In Einfamilienhäusern werden weiterhin die meisten Einbrüche über die Terrassentür und danach über die Fenster begangen. Dabei ist nach wie vor das Aufhebeln über die Öffnungsseite die mit Abstand beliebteste Einstiegsmethode der Einbrecher.

Ein leichter Anstieg ist bei den Hauseingangstüren festgestellt worden. Daneben scheint der Zugang über den Keller für die meisten Täter immer unattraktiver zu werden, wenn man die letzte Kölner Studie heranzieht.

Wie häufig wird das Fensterglas eingeschlagen?

„Bei der Auswertung der Studie gab es einige Fälle, bei denen Fenster- oder Fenstertürglas eingeschlagen wurde, nachdem der Modus Operandi des Aufhebelns fehlgeschlagen hatte,“ sagte uns Kriminalkommissarin Ewa Bedkowski im Interview zur Beurteilung der letzten „Kölner Studie“. Sie empfahl: Die Investition in einbruchhemmendes Glas loht sich, denn Täter scheinen nicht immer von einem ersten Einbruchsversuch abgeschreckt zu sein und suchen gezielt Schwachstellen. Sicherlich achten Wohnungsinhaber und -besitzer auf finanziell verträgliche Lösungen für den Einbruchschutz. Bei Nachrüstprodukten muss hierbei die Investition in einbruchhemmendes Glas nicht auf dem ersten Platz stehen, sollte aber bei einer umfassenden Sicherung nicht gänzlich vernachlässigt werden.

„Einbrecher kommen nachts…“: Irrtum!

Einbrecher kommen oft tagsüber, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist, nämlich zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. In der dunklen Jahreszeit nutzen Einbrecher oft die frühe Dämmerung aus. Wertet man die Einbruchshäufigkeiten aus, so könnte man sagen, dass donnerstags bis samstags Einbrecher besonders aktiv sind.

Ich kaufe mir am besten eine Alarmanlage oder?

Mechanische Sicherungen sollten auch in Sicherungsplanungen an oberster Stelle stehen. Sie sind die wesentliche Voraussetzung für einen wirksamen Einbruchschutz. Einbruchmeldeanlagen dagegen verhindern keinen Einbruch, sondern melden ihn nur. Dennoch gilt auch hier: Für Einbrecher wird das Risiko entdeckt zu werden, wesentlich erhöht.

Ist ein gekipptes Fenster immer eine Einladung für den Einbrecher?

Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster. Das hat in der Vergangenheit immer so gegolten. Denn ein gekipptes Fenster kann in der Regel einem Einbrecher keinerlei Hindernis bieten. In den meisten Fällen zahlt hier auch nicht die Versicherung. Es gibt aber auch Beschlagsentwicklungen, die eine Kippstellung der Fenster in Zusammenhang mit einer RC2 Widerstandsklasse möglich machen (die GLASWELT hat darüber mehrfach berichtet).

Nachrüsten lohnt sich nicht?

Im Verhältnis ist die Nachrüstung eher eine kleine Investition, wenn man dadurch verhindern kann, dass ungebetene Gäste das Haus betreten. Es gilt natürlich immer abzuwägen, ob eine Nachrüstlösung bei den Bestandsfenstern lohnenswert ist. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich die Nachrüstung bezuschussen zu lassen (KfW-Zuschuss für „Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz“).

Für mehr Einbruchschutz gibt es Geld vom Staat

Wer sein Zuhause effektiv schützen will, profitiert generell von den Möglichkeiten der staatlichen Förderung für den Einbau einbruchhemmender Produkte: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert sowohl Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz als auch bauliche Maßnahmen zum Einbruchschutz im Rahmen bestehender KfW-Produkte zur Barrierereduzierung oder zur energetischen Sanierung in bestehenden Wohngebäuden. —

Daniel Mund

  • Die Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt – offensichtlich greifen Präventionsmaßnahmen im privaten Bereich.

Grafik: Daniel Mund / GLASWELT; Quelle: PKS 2018

Gestaltung: Infografik.biz; Daten: PKS 2018

Gestaltung: Infografik.biz; Daten: PKS 2018

Literatur

  1. Teil: Präventionsmaßnahmen zeigen Wirkung
  2. Teil: Für den Einbruchschutz werben
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