GLASWELT Ausgabe: 09-2019

Es darf nicht nur schwarz-weiss gedacht werden

Die richtige Kombination macht es aus


Auch wenn man erst mal vom Einbrecher angeleuchtet wird, haben nicht alle Schutzmaßnahmen versagt. Kamerasysteme mit integrierten Alarmsirenen sorgen für Aufzeichnungen und weitere Abschreckung.

Auch wenn man erst mal vom Einbrecher angeleuchtet wird, haben nicht alle Schutzmaßnahmen versagt. Kamerasysteme mit integrierten Alarmsirenen sorgen für Aufzeichnungen und weitere Abschreckung.

Geht es nach der Kriminalpolizei, steht der mechanische Einbruchschutz ganz vorne. Das bedeutet bei dieser Sichtweise, dass der Rollladen nicht die erste Wahl bei der Beratung in den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen ist. Wesentliche Faktoren sind hier die nur temporäre Nutzung der Rollläden. Smarthome-Steuerungen oder Zeitschaltuhren, die eine Nutzungsdauer der Rollläden erhöhen bzw. sicherstellen, wie auch andere Smarthome-Systeme, werden da immer noch sehr zurückhaltend betrachtet.

_ Betrachten wir einmal die Sichtweise der Polizei in Bezug auf Fahrzeugeinbrüche, können wir eine ganz andere Beurteilungslage feststellen. Hier geht es vorrangig darum, den Einblick ins Fahrzeug zu kompensieren, indem darauf hingewiesen wird, dass keine wertvollen Gegenstände wie Handys etc. im Innenraum sichtbar sein sollen. Angesichts dieser Betrachtungslage erschließt sich nicht schlüssig, warum bei Häusern und Wohnungen dem Umstand, hier durch Rollläden einen Sichtschutz bieten zu können, nicht mehr Rechnung von der Polizei getragen wird.

Smarthome ist sicher

Die elektronischen Helferlein haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt und mittlerweile eine Funktionsreife erlangt, die eine sichere Nutzung der auf dem Markt erhältlichen Systeme zulässt. Natürlich könnte an dieser Stelle gleich ein Einspruch erfolgen, wenn man die Pressemeldungen betrachtet, die sich mit der Unsicherheit von Smarthome-Systemen beschäftigen. „Smarthome-System gehackt“, „WLAN geknackt“ oder so ähnlich lauten da die Meldungen, die über die Ticker laufen. „Schlüssel an der Tür stecken lassen“ oder „Fenster gekippt“ wäre das Pendant dazu, wenn man bei Smarthome-Systemen bei der Erstinstallation nicht die System-Passwörter im Auslieferungszustand ändert, obwohl man dazu aufgefordert wird. Die Lifehacker, die auf Veranstaltungen ihr Können feil bieten und damit teilweise Angst und Schrecken verbreiten, stürzen sich natürlich genau auf die Steuerungseinheiten, bei denen die Türen ganz weit offenstehen, um zu beweisen, wie unsicher Smarthome ist.

Werden die Systeme mit ordentlichen Passwörtern versehen und möglicherweise die SSID (Kennung) des WLAN verborgen, sieht die Sache gleich ganz anders aus und sorgt damit für ein sicheres Betriebssystem.

Es ist hier nicht anders als mit der persönlichen Brieftasche, die im Regelfall niemand auf dem Tisch liegen lässt, sondern sicher verwahrt wird. Hier geht es also nur darum, sorgsam mit Daten umzugehen und keine Türen im System offenstehen zu lassen. Richtig angewendet bestehen bei Smarthome-Systemen also keine Sicherheitsbedenken bei der täglichen Nutzung. Bisher sind auch keine Einbruchsversuche bei der Polizei bekannt, wo über das Steuerungssystem eingebrochen worden ist.

Betrachten wir die positive Seite der Smarthome-Steuerungen, so kann man als den ersten wichtigen Punkt die Überwachung von Fenstern und Türen sehen. Was nutzt die beste RC 2- oder RC 3-Ausführung, wenn Fenster oder Türen nicht geschlossen sind? Und genau hier liegt der Vorteil solcher elektronischen Systeme, die beim Verlassen des Hauses sicher auf offene Fenster hinweisen und je nach Tageszeit und Programmierung den Sichtschutz runterfahren, die Beleuchtung einschalten oder Rollläden schließen.

In Kombination mit Videoüberwachungskameras, Bewegungsmeldern und Beleuchtung kann dem Einbrecher das Leben sehr ungemütlich und damit deutlich gemacht werden, dass er bereits erfasst wurde.

Hier gilt die Präventionsstufe, dass der Einbrecher das Fenster oder die Tür, die er angreifen will, gar nicht erst erreicht. Sicher immer mit dem Backup des mechanischen Einbruchschutzes, aber bei genauer Betrachtung ist es doch wie mit der Krankenversicherung: Wir schließen sie ab, möchten sie aber eigentlich gar nicht in Anspruch nehmen.

So gesehen geht es darum, den mechanischen und elektronischen Einbruchschutz geschickt miteinander zu kombinieren. Dabei muss das Ganze natürlich auch unter finanziellen Aspekten bzw. unter den Aspekten einer Mietwohnung betrachtet werden, bei der eine Nachrüstung von mechanischem Einbruchschutz durch neue Fenster etc. nicht so ohne Weiteres möglich ist.

Viel Entwicklungspotenzial

Der Einbruchschutz wird auch bei leicht zurückgehenden Einbruchzahlen zukünftig ein wichtiges Thema bei den Hausbewohnern bleiben. Maßnahmen können hier auf verschiedenste Art und Weise durchgeführt werden. Selbstverständlich ist ein ganzheitliches, mechanisches und elektronisches Planungskonzept durch einen Fachbetrieb die beste Voraussetzung, um ein sicheres Gebäude zu erreichen. Dem gegenüber steht natürlich der Geldbeutel des Kunden oder besser gesagt die Bereitschaft, eine entsprechende Summe für das Thema Sicherheit zu investieren. Deshalb gilt es, genau hier bereits in der Planungsphase den Kunden abzuholen und ihm die Vorteile aller möglichen Ausführungsvarianten nahezubringen.

Denkbar sind hier deshalb auch zeitlich gestaffelte modulare Schritte bei der Ausführung, die schon zu Beginn der Arbeiten die Voraussetzungen schaffen, das Gebäude nach und nach je nach Erfordernis und Budget aufzurüsten. Gerade in Bezug auf mögliche Nachrüstungen mit Smarthome sicherlich eine interessante Variante, um über eine planbare Zeitachse ein sicheres Gebäude zu schaffen. Letztlich liegt es an der Beratungskompetenz der einzelnen Fachbetriebe, wie auf die Kundenwünsche und die zur Verfügung stehenden Budgets der Kunden bezogen ein möglichst sicheres Gebäude geschaffen werden kann.—

Olaf Vögele

  • Die Videoüberwachung per weit sichtbarer Kamera ist ein wichtiger Abschreckungsfaktor für den Einbrecher.

  • Smarthome entkräftigt vor allem die wesentliche Argumentation der Polizei, Rollläden seien nur ein temporärer Einbruchschutz.

Foto: Getty Images / zorpink

Foto: BVRS

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