GLASWELT Ausgabe: 10-2019

Wollen wir überhaupt Smarthome verkaufen?

Egal wie sich die Fachhändler drehen und winden, an IoT und damit auch an Smarthome geht kein Weg vorbei. Die Frage lautet: Spielen Sie in Zukunft noch mit.

Egal wie sich die Fachhändler drehen und winden, an IoT und damit auch an Smarthome geht kein Weg vorbei. Die Frage lautet: Spielen Sie in Zukunft noch mit.

Provokante These oder Wahrheit? Sagen wir mal 90:10, denn roundabout 10 % der Fachbetriebe im Bereich Fenster und Sonnenschutz beschäftigen sich durchaus intensiver mit dem Thema Smarthome und bieten ihren Kunden entsprechende Lösungen an. Die anderen 90 % haben gerade keine Zeit oder keine Lust, sich mit Smarthome zu befassen. Argumente? Zu viel andere Aufträge, zu viel Arbeit, Angst vor dem Support und zu wenig Marge. Die einfache Frage lautet hier, ist das der richtige Weg für die Zukunft?

_ Jeder Unternehmer ist natürlich darin frei zu entscheiden, was er verkaufen will und was nicht. Und gerade die Fenster- und Sonnenschutzbranche befindet sich in einem beklagenswerten Dilemma. Man hat viel zu viel zu tun und leidet erheblich unter dem Fachkräftemangel. In der Konsequenz werden sehr oft Zeitgründe vorgeschoben, warum man sich nicht mit neuen Technologien wie Smarthome befassen will.

Warum können es andere besser?

Besser und klarer formuliert müsste es lauten: Warum machen es andere besser? Die Heizung- und Sanitärbranche hat die Zeichen der Zeit schon viel länger erkannt und nutzt die Steuerungssysteme, um ihre Heizungen so effektiv und komfortabel wie möglich zu machen. Technischer Support für den Kunden wird hier vollkommen angstfrei gesehen und zumeist in Verbindung mit Wartungsverträgen geleistet. Zugegeben gibt es hier ein paar gesetzliche Anforderungen die es einzuhalten gilt, um z. B. definierte Grenzwerte zu erreichen, aber selbst der traditionsreiche Schornsteinfeger ist schon lange nicht mehr nur der „Man in Black“, sondern ein hochausgebildeter Techniker, der es versteht mit den vielen unterschiedlichen Steuerungssystemen umzugehen, wenn er z. B. seine jährliche Feuerstättenschau durchführt. Auch die Elektriker sind dem Thema aufgeschlossen, ob nun Smarthome oder Gebäudeautomation ist da vollkommen gleich, letztlich läuft es früher oder später auf das Gleiche hinaus. Mittlerweile bilden sich aus IT-Unternehmen neue Unternehmenszweige, die Beratung und Planung von Smarthome-Objekten bei Kunden übernehmen, den Bauherren bei der Durchführung der Arbeiten durch Handwerker unterstützen, die Abnahme begleiten und später auch die Programmierung der Systeme übernehmen und den Support leisten. Und das Beste, sie bekommen diese Dienstleistungen gut bezahlt, steuern mitunter die Auftragsvergabe mit und entscheiden, welche Produkte an welchem Ort eingebaut werden.

Hierfür gibt es sogar zusätzliche Provisionen von den anderen Unternehmern. Laufen wir also Gefahr, dass hier z. B. Planungsaufgaben des Sonnenschutzgewerks mit entschieden werden, weil der Bauherr die Person seines Vertrauens gefunden hat. Man könnte zu der Ansicht kommen, es sei durchaus möglich.

Da hilft auch kein Meister und kein Klagen

Die Dinge haben sich in der Weltgeschichte schon immer verändert. Gerade die aktuelle Klimadebatte um die CO2 Reduktion zeigt deutlich, wie wenig die Sonnenschutzindustrie ihre Möglichkeiten nutzt, die durch eine mehr als 10 Jahre alte Studie bestehen. 111 Mio. Tonnen CO2 können demnach jährlich bei der Nutzung von Sonnenschutz eingespart werden.

Mit den Möglichkeiten die Smarthome heute bietet, dürften es etliche Tonnen mehr sein. Was ist beim aktuellen Klimapaket herausgekommen? Für den Sonnenschutz überhaupt nichts. Vielleicht liegt es auch daran, dass in den Köpfen der Politiker Rollläden und Sonnenschutz nur als temporäre Lösungen wahrgenommen werden, denen man deshalb keine Bedeutung bei der CO2 Reduktion beimisst.

Oder andere Bereiche wie die Heizungsindustrie machen einfach die bessere Lobbyarbeit und sind deshalb auch erfolgreicher, wenn es darum geht Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Für die R+S Branche besteht die große Gefahr den Zug zu verpassen, wenn man sich z. B. aufgrund einer sinkenden Auftragslage erst dann dem Thema Smarthome zuwendet. Die Technik lässt sich nicht aufhalten und auch die mögliche Rückkehr der Meisterpflicht wird daran nichts ändern. Smarthome wird sich weiterentwickeln und im Rahmen der Digitalisierung zu einer feste Säule in unserer Welt werden. Diskussionen über die Marge beim Vertrieb von Smarthome sind da nicht unbedingt zielführend, wenn man mittel- oder langfristig plant. Auch die Angst vor Kunden-Support ist da vollkommen unbegründet. Macht es nicht das Handwerk selbst, werden diese Aufgaben andere lösen und übernehmen. Wie schnell Paradigmenwechsel erfolgen können, zeigt sich momentan in der Autoindustrie. Was sich niemand hätte vorstellen können, findet jetzt mit rasender Geschwindigkeit statt. Und die einst weltweit so hochgelobte deutsche Autoindustrie hat es kalt erwischt. Im Gegensatz zur Verbrennungstechnologie von Motoren, haben wir mit Smarthome gesteuertem Sonnenschutz alle Trümpfe in der Hand. Nutzen wir sie.—

Olaf Vögele

  • Komfort spielt heute eine wesentliche Rolle beim Hausbesitzer. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, die Smarthome beim Steuern der Haustechnik bietet.

  • Auch die Apple Watch rückt immer mehr ins Zentrum der Bedienmöglichkeiten. Ihr Vorteil gegenüber dem Handy: Die Watch ist immer am Mann oder der Frau.

Foto: Getty Images / simonkr

Foto: Getty Images / Prykhodov

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