GLASWELT Ausgabe: 11-2019

Planungsunsicherheit durch Normen-Hickhack

Mund: Mit Rosenheim verbinden im Herbst viele die Fenstertage – und die sind auch schon wieder passé. Ein paar Dinge sind mir in diesem Jahr aufgefallen. Beispielsweise die emotionale Verabschiedung des Institutsleiters Prof. Sieberath, der starke Teilnehmerschwund am zweiten Tag und die eindringliche Anklage des scheidenden Professors, dass es in der Normung einfach nicht voran geht. Und er hat recht, viele Normen befinden sich gerade im Schwebezustand: Die DIN 1946-6 verharrt in einer intensiven Einspruchsphase, mit einer Veröffentlichung der Produktnorm EN 14351-2 für Innentüren im EU-Amtsblatt und damit der Harmonisierung der Norm ist 2019 nicht zu rechnen und das jahrelange Hickhack um die Novellierung der DIN 18008 ist uns allen noch im Kopf. Eine klare Normensprache ist aber für das wirtschaftliche Handeln der Unternehmen unerlässlich!

Vögele: Als interessantes Beispiel könnte man auch die Neufassung der EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ anführen. Hier wird die Besonnungsdauer als Faktor in die Berechnungen einbezogen, aber der komplette solare Eintrag unterschlagen. Das zeigt, dass die falschen Leute an der Norm gearbeitet haben, respektive die Experten aus dem Bereich Sonnenschutz nicht dabei waren. Im Ergebnis wird es Probleme in der Praxis geben, wenn die Norm so wie vom Referenten Dr. Jan de Boer (IBP) in Rosenheim auf Nachfrage beantwortet, umgesetzt wird. Auch das Hin und Her der 18008 ist noch nicht beendet. In der Sonnenschutzbranche arbeiten wir mit zwei Normenständen innerhalb einer Norm – unfassbar! Für die Unternehmen bedeutet das im Ergebnis in vielen Fällen Planungsunsicherheit und zusätzliche Kosten. Die Frage die sich stellt: Machen die Verbände in diesem Umfeld ein guten Job?

Mund: Pauschal kann man keinen Sündenbock ausmachen. Viele Schwebezustände bei den Normen sind auch politisch motiviert. Bei der DIN 18008-Hängepartie hat man gesehen, wie einzelne Verbände den Normungsprozess lahm legen können. Der Zwist zwischen Bundesverband Flachglas auf der einen und VFF, Tischler Schreiner Deutschland und andere auf der anderen Seite scheint hier jetzt jedenfalls beigelegt – das Verbändepapier soll dabei Norm-Lücken schließen, indem es konkrete Handlungsempfehlungen und Hilfestellungen bietet. Das Echo darauf aus der Branche klang allerdings eher ernüchternd. Wie dein Urteil ausfällt in Sachen Schuldzuweisung, kann ich mir fast schon denken.

Vögele: Ja, kann man denken, muss man aber nicht unbedingt kommunizieren. Wichtig für die Zukunft ist, dass egal ob Normen oder Richtlinien mehr an einem Strang gezogen werden muss, um diese besser miteinander abzustimmen. Auslöffeln muss die Suppe sonst der Anwender, und der hat schon genug damit zu tun. Generell zeigt sich hier aber wieder, wie wichtig das Thema Aus- und Weiterbildung wird, um der Entwicklung der anerkannten Regeln der Technik als handwerklicher Betrieb auch folgen zu können. Und genau hier kommt die GLASWELT ins Spiel. Mit unserer Berichterstattung zu diesen Themen wollen wir Ihnen helfen, Ihr Wissen zu erweitern. Also, viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe.

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