GLASWELT Ausgabe: 11-2019

Erweiterung der Niederlassung „Les Cauquillous“ von Laboratoires Pierre Fabre

Harmonisch eingegliederte Fassade


Eine Besonderheit des Gebäudes ist die 1370 m2 große Ganzglasfassade von Wicona mit einer Gesamtlänge von 190 m und einer Maximalhöhe von 12 m.

Eine Besonderheit des Gebäudes ist die 1370 m 2 große Ganzglasfassade von Wicona mit einer Gesamtlänge von 190 m und einer Maximalhöhe von 12 m.

Im südfranzösischen Ort Lavaur befindet sich eine Niederlassung des Pharmakonzerns Laboratoires Pierre Fabre. Da das Gebäude im Laufe der Zeit zu klein wurde, beschloss der Konzern eine Erweiterung. Das Ergebnis ist ein besonderer Neubau mit einer ganz speziellen Fassade. Hier erfahren Sie, welchen Anteil Profile von Wicona daran haben.

  1. Teil: Harmonisch eingegliederte Fassade
  2. Teil: Bautafel
  3. Teil: „Recycling-Profile sind die Zukunft im Fassadenbau“

_ Mit der Planung des Erweiterungsbaus wurde das Büro Raynal Architecture beauftragt. „Unser Neubau sollte das Bestandsgebäude um 5000 m2 erweitern und Großraumbüroflächen für 200 Personen bieten. Gleichzeitig sollte dabei die harmonische Einbettung des Firmensitzes in seine Umgebung erhalten bleiben“, erläutert Aurélien Gaffard, ein Vertreter von Raynal Architecture. „Das Gebäude liegt am Hang eines Waldrandes und gleichzeitig in einer Naturlandschaft, die von den schönsten Mittelmeergärten inspiriert ist. Hier besteht eine ganz besondere Beziehung zwischen Landschaft und Natur, die wir unbedingt bewahren wollen.“

Anstatt das Gebäude in die Höhe zu erweitern, wurde auf Vorschlag von Raynal Architecture ein neues Gebäude mit einfachen und klaren Linien errichtet, welches sich zu dem bestehenden Gebäude hin erstreckt.

Eine begrünte Dachterrasse gewährleistet die nahtlose und natürliche Integration des neuen Baukörpers in die Umgebung.

Fließende Transparenz im Gelände

Um die Auswirkungen auf den Standort und auf das für Les Cauquillous vorhandene Erstgebäude, mit seinen runden und futuristischen Formen, zu minimieren, schmiegt sich ein Teil des Neubaus in das Gelände ein.

Durch das Zusammenspiel von Baukörper und Dach entsteht eine gleichmäßige, um 20 % geneigte Schräge, die dank ihrer Dynamik das Gebäude mit der Landschaft verschmelzen lässt und einen nahtlosen Übergang zum Geländeboden bildet.

Aufgrund des lehmigen und so weniger tragfähigen Bodens galt es, für die Einbindung des Erweiterungsbaus zahlreiche technische Herausforderungen zu bewältigen. Zur Aufnahme des Erddrucks wurde eine Bohrpfahlwand bis in 12 m Tiefe als Stützbauwerk eingebracht und mit einem Kopfträger gekrönt, der wiederum im oberen Bereich durch Erd-Anker gegen Umfallen gesichert ist. Zur Absicherung dieser Wand, auf der die Lasten des Neubaus ruhen, wurden unter das bestehende Gebäude 45 m lange Pfähle eingelassen.

Ganzglasfassade Wictec 50 SG im Einsatz

Die Besonderheit dieses Erweiterungsbaus ist die 1370 m2 große Ganzglasfassade von Wicona mit einer Gesamtlänge von 190 m und einer Maximalhöhe von 12 m. Diese technische Lösung wurde vor allem deswegen gewählt, weil sie eine harmonische Eingliederung in das bereits bestehende Gebäude ermöglicht hat und somit das Gesamtbild abrundet.

Das vom Fassaden-Unternehmen Carré Aluminium vorgeschlagene Wictec 50 SG Fassadensystem eignet sich insbesondere auch für großflächige Fassaden mit viel Glas. Dank seines cleveren Structural-Glazing-Klemmprinzips mit bündig montierten und durch eine Silikonfuge getrennten Glaselementen, bot dieses System hier eine passende Lösung für die Gestaltung der gesamten Fassade.

Neben der architektonischen Ganzglaswirkung zeichnet sich das Wictec 50 SG Fassadensystem durch seine Fähigkeit aus, die folgende Besonderheiten miteinander zu vereinen: große Flächen, unsichtbare Tragkonstruktion, gute Wärmedämmung (Uw 1,3/ (m2K)) und hohe Widerstandsfähigkeit. Zudem entspricht die Wictec 50 SG Ganzglasfassade den französischen Erdbebenvorschriften und verfügt über die Europäische Technische Zulassung (ETA-Nummer 12/0551), was bei diesem Projekt relevant war.

Fassadengewicht als Herausforderung

Die Herausforderung bei der Planung und Umsetzung der Gebäudehülle lag vor allem im Volumen und Gewicht der Vorhangfassaden. Die 1,90 m langen und 4 m hohen Glaselemente mit Lastabtragungen von bis zu 400 kg erforderten anspruchsvolle Montagearbeiten.

Diese wurden mit dem Wicona-System durch die in die Pfosten-Riegel-Konstruktion integrierten Klemmverbindungen erleichtert, die durch die Viertelumdrehung einer patentierten Vorrichtung eine Verriegelung des Ganzen ermöglichten.

Für mehr Transparenz wurden die tragenden Säulen von der Fassade gelöst, um dadurch den Eindruck regelmäßiger und einheitlicher Pfosten zu erwecken, jeglichen „Verdeckungseffekt“ zu vermeiden und somit an Leichtigkeit zu gewinnen.

Infolge dieser Grundentscheidung der Planer galt es große konstruktive Herausforderungen zu überwinden, wobei es vor allem wichtig war, die Decken freitragend auszuführen. Hier galt es die Fassadenteile im Dach, die sich nicht mit den Spannbetonhohlplatten ausführen ließen mit Ergänzungselementen umzusetzen. Dazu wurde eine mit Beton abgedeckte Stahlwanne verbaut.

Mittels eines Hybrid-Systems, das mit Metallkonsolen ausgestattet ist und in Zusammenarbeit mit Carré Aluminium entwickelt wurde, konnte die Fassade befestigt werden. Um eine harmonische und einheitliche Gesamtkonstruktion zu schaffen, wurde der Auswahl der Pfosten (16 × 6 mm) besondere Sorgfalt beigemessen.

Die Fassade zeichnet sich zudem durch die perfekte Integration von 19 motorisch betriebenen und ferngesteuerten Wicline 90SG Parallel-Ausstell-Flügeln (L x H: 1500 × 3000 mm) aus, die eine effiziente Belüftung des Gebäudes ermöglichen.

Die Eingangsöffnungen sind mit Wicstyle 65 Türen von Wicona in Zweiflügelausführung ausgestattet.

Nachhaltigkeit als Planungsziel

Der mit dem französischen HQE-Nachhaltigkeitszertifikat als „außergewöhnlich“ ausgezeichnete Erweiterungsbau trägt zur Optimierung des Energiemanagements bei.

Die wesentlichen Punkte die dazu beitragen sind die Deckenschräge, die begrünte Bedachung – ausgerüstet mit einem neuartigen Wurzelbewässerungssystem – sowie der visuelle Komfort und der Tageslichteintrag durch die großflächigen Fassadengläser.—

www.wicona.de

  • Viel Tageslicht erlauben die 1,90 m langen und 4 m hohen Glaselemente mit Lastabtragungen bis 400 kg.

  • Durch das Zusammenspiel von Baukörper und Dach entsteht eine gleichmäßige, um 20 % geneigte Schräge, die das Gebäude mit der Landschaft verschmelzen lässt.

Foto: Vincent Boutin

Foto: Vincent Boutin

Literatur

  1. Teil: Harmonisch eingegliederte Fassade
  2. Teil: Bautafel
  3. Teil: „Recycling-Profile sind die Zukunft im Fassadenbau“
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