GLASWELT Ausgabe: 08-2017

Im Interview mit Martin Öller von Loxone

Berührungsloses Wohnen


Der Miniserver ist das zentrale Gehirn, mit dessen Hilfe sich die Beleuchtung, die Heizung, der Sonnenschutz oder komplexe Systeme wie PV Anlagen ganz einfach steuern lassen.

Der Miniserver ist das zentrale Gehirn, mit dessen Hilfe sich die Beleuchtung, die Heizung, der Sonnenschutz oder komplexe Systeme wie PV Anlagen ganz einfach steuern lassen.

Der Grundgedanke von Loxone scheint einfach, wenn man sich mit den Pressemeldungen des Unternehmens aus dem österreichischen Kollerschlag befasst: Der Autopilot soll das Leben für die Hausbewohner so weit wie möglich vereinfachen und ihre Bedürfnisse mit der Jahreszeit, der Witterung, der eigenen Anwesenheit und dem eigenen Lebensstil in Einklang bringen. Erleben können soll man das Ganze im eigens erbauten Loxone Smart Home, in dem Gäste unweit der Zentrale übernachten können. Wir haben uns dort mit Martin Öller getroffen, um über das Leben im Smart Home zu sprechen.

Glaswelt – Herr Öller, Smart Home ist in aller Munde, was unterscheidet Ihr Smart Home von anderen Anbietern in der R+S Branche?

Martin Öller – Das ist relativ einfach zu beantworten. Unsere Kunden können selbstverständlich Rollläden und Sonnenschutz mit unserem Miniserver steuern, aber das ist nur ein kleiner Teilaspekt seines Leistungsvermögens, denn wir sind im Gegensatz zu anderen Systemen in der Lage, ein Haus in allen Bereichen der Haustechnik zu 100 % zu steuern und so das Leben für den Hausbewohner wirklich komplett zu automatisieren, wenn er das möchte. Unsere Mitbewerber in der R+S Branche decken nur einen kleinen Bereich unserer Leistungsmöglichkeiten ab.

Glaswelt – Es heißt, Ihr Smart Home Gästehaus hier in Kollerschlag läuft zu 100 % über Loxonekomponenten?

Öller – Wenn Sie so fragen, ja. Wir haben es geschafft in Zusammenarbeit mit den Herstellern der Haustechnik alle Komponenten in unser System einzubinden und können sie so auch entsprechend steuern. Aber es ist kein Gästehaus. Mit der Möglichkeit, dass selbstverständlich unsere Fachpartner, aber auch eventuelle Neukunden, Architekten, Bauherren, Journalisten oder andere interessierte Personenkreise übernachten können, soll das Erleben von Smart Home unter realen Lebensbedingungen angeboten werden. Später kommt z. B. eine interessierte Gruppe von Bauherren, die am Beispiel unseres lebenden Showhomes über die Möglichkeiten von Smart Home informiert werden wollen.

Glaswelt – Aufgefallen ist uns, dass es hier ausgesprochen wenig Lichtschalter oder Fernbedienungen gibt. Hat das einen Grund?

Öller – Für uns bedeutet Smart Home in erster Linie nicht das Steuern über eine App oder den Computer. Sehen Sie, das Smart Home kann seinen Bewohnern bis zu 50 000 Handgriffe und Denkprozesse im Jahr abnehmen. Natürlich kann man, wenn man nachts mal raus muss, den Lichtschalter suchen und selbst das Licht einschalten. Wir nutzen stattdessen einen Sensor in Fußhöhe für eine dezente Beleuchtung, die den Weg leitet bzw. auch die Badezimmerbeleuchtung schaltet und so andere nicht ihrer Nachtruhe beraubt. Überall da wo das System die Bewegung des Menschen erkennen und zuordnen kann, der User selbst Vorgaben oder Vorlieben bei der Beleuchtung, bei der Stellung des Sonnenschutzes oder der Temperatur der Heizung gemacht hat, nehmen wir ihm viele Handgriffe ab. Deshalb können wir das auch mit einer sehr reduzierten Anzahl von Tastern etc. gestalten. Das Wohnen soll so weitestgehend berührungslos möglich sein.

Glaswelt – Das heißt, der Bewohner ist bei der Steuerung seines Gebäudes raus?

Öller – Nein, überhaupt nicht. Der Hausbewohner hat jederzeit die Hoheit über die Steuerung seines Gebäudes, da er z. B. über unsere App jederzeit auf einfachste Art und Weise eingreifen kann. Hat er einen Handbefehl ausgeführt, findet das System nach einer festgelegten Zeit selbstständig in den Automatikmodus, wir nennen es Autopilot, zurück. Natürlich gibt es auch Taster, im Idealfall den „Touch“. Hier kann der Hausbewohner die verschiedenen Tastpunkte nach seinem Gusto belegen und so sehr einfach z. B. Licht, Sonnenschutz und Musik von nur einer Stelle aus steuern. Über ein Tablet hat er natürlich jederzeit den Überblick über Helligkeit, Temperatur etc. und kann so über verschiedene Modis wie Urlaubsschaltung, kurzzeitiger erhöhter Wärmebedarf etc. schnell und einfach gewünschte Parameter erreichen. Natürlich kann er auch auf Wunsch während seines Urlaubs vom Ausland aus auf das System zugreifen, um z. B. zu überprüfen, ob Bügeleisen oder Herd abgeschaltet sind. Wir nennen das 360-Grad-Smart Home.

Glaswelt – Das Thema Schnittstelle, wie gehen Sie damit, bzw. wie setzen Sie das um?

Öller – Wenn man ein Haus zu 100 % steuern will, muss man natürlich die entsprechende Kompatibilität zu der jeweiligen Haustechnik herstellen. Wir arbeiten hier sehr intensiv mit unseren Partnern zusammen, damit wir eben nicht nur die Temperatur am Thermostat feststellen und regeln können, sondern dieses auch mit allen anderen Gewerken im Haus sinnvoll verknüpfen können. Da wir im Prinzip fast alles steuern können, verfügen wir auch über den ganzheitlichen Ansatz, Smart Home komplett im Gebäude umzusetzen und sind so im Gegensatz zu anderen Herstellern keine Insellösung.

Glaswelt – Kommen wir zur Datensicherheit. Sie erwähnten eben den Zugriff von außen. Ist das nicht ein großes Sicherheitsrisiko?

Öller – Nein, für uns ist es ein sehr gut kalkulierbares Risiko, weil wir die Schnittstelle nach draußen entsprechend absichern können. Diese Funktion wird vom Kunden nur bei Bedarf genutzt. In der normalen Nutzung benötigt unser System im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern überhaupt keine Datenverbindung zu einem fremden Server der außerhalb des Gebäudes liegt. Alle Daten bleiben im Haus, also beim Kunden, niemand hat ohne den Willen des Kunden Zugriff darauf, auch wir nicht. Das ist unsere oberste Maxime und sorgt für eine sehr hohe Datensicherheit. Mit einer eigenen Infrastruktur für die Kommunikation schaffen wir einen weiteren wesentlichen Sicherheitsaspekt, um Smart Home wirklich sicher für mögliche Angriffe von außen zu machen.

Glaswelt – Energieeffizienz ist immer noch ein Dauerbrenner. Wie effektiv ist Ihr System?

Öller – Da wir bis zu 100 % in der Lage sind, die Haustechnik zu steuern, können wir alle Parameter und Szenarien optimal gestalten, um das Maximum an Energie einzusparen. Natürlich muss das auf die Hausbewohner abgestimmt sein, damit wir auch seine entsprechende Akzeptanz bekommen, wenn es zwischen Komfort wie z. B. Wärme und Energieeinsparung abzuwägen gilt. Für die Erstinbetriebnahme bieten wir eine Konfigurationsempfehlung, in die das Wissen von unseren rund 50 000 Loxone Smart Home Installationen eingeflossen ist. Dann ist es nur noch ein geringer Aufwand, um ein individuelles Smart Home einzurichten, das den spezifischen Bedürfnissen der Bewohner entspricht.

Glaswelt – Eine letzte Frage zur Entwicklung Ihres Unternehmens: Wo will Loxone hin?

Öller – Die Ziele sind klar definiert. Wir wollen, nachdem wir unseren Umsatz im letzten Jahr um 47 % von 29,5 Mio. auf 43,5 Mio. Euro gesteigert haben, bis 2020 weltweit zu den Marktführern gehören. Damit wollen wir vielen Menschen noch bessere Smart Home Systeme anbieten, die das Leben noch einfacher, sicherer und komfortabler machen. Natürlich nicht ohne Themen, wie natürliche Energiequellen, Energieeffizienz oder e-mobility etc. weiter voranzutreiben. —

Das Interview führte GLASWELT Redakteur Olaf Vögele im Loxone Smart Home in Kollerschlag.

  • CEO Martin Öller hat eine klare Vision, wenn es um Loxone und Smart Home geht: Man will bis 2020 weltweit zu den Marktführern in diesem Bereich gehören.

  • Die Zentrale im österreichischen Kollerschlag ist mit seinen „Loxonauten“ (Mitarbeitern) die Ideenschmiede des Unternehmens, das 2008 von Martin Öller und seinem Partner Thomas Moser gegründet wurde.

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