GLASWELT Ausgabe: 09-2016

KunSt im öffentlichen Raum

Sonnenschutz mit Botschaften

Die Architekten entwarfen für die West Bank Station einen zweigeschossigen Bahnhof. Zum Schutz gegen die Sonne wurde er mit Metallgewebe verkleidet.

Die Architekten entwarfen für die West Bank Station einen zweigeschossigen Bahnhof. Zum Schutz gegen die Sonne wurde er mit Metallgewebe verkleidet.

_ 3,5 Millionen Einwohner leben in der Region der Twin Cities genannten Städte Saint Paul und Minneapolis und gehören damit zu den 20 größten Metropolregionen der Vereinigten Staaten. Der Bundesstaat Minnesota entwickelte deshalb ein umfassendes regionales Schnellbahnkonzept, dessen Kernelement der Verkehrsknotenpunkt West Bank Station in Saint Paul bildet. Die AECOM Architekten aus Los Angeles entwarfen für diesen Standort einen zweigeschossigen Bahnhof, der zum Schutz gegen die Sonne großflächig mit Metallgewebe der Typen Omega 1510 und 1550 von GKD – Gebrüder Kufferath AG aus Düren verkleidet wurde.

Multifunktionaler Sonnenschutz

Bei der Gestaltung der Bahnhöfe wurden die Schwerpunkte nicht nur auf Funktionalität und Ästhetik, sondern auch auf Kunst im öffentlichen Raum gelegt. Das Metallgewebe vor dem großflächig verglasten Bahnhof reflektiert die Sonneneinstrahlung und soll verhindern, dass sich das zweigeschossige Gebäude im Sommer unangenehm aufheizt. Die Transparenz erlaubt dennoch ungehinderte Sicht nach außen und durch die Innenbeleuchtung des Gebäudes auch von außen nach innen. Die hierdurch gegebene Sichtbarkeit soll den Passagieren ein Gefühl subjektiver Sicherheit vermitteln. Zugleich schafft der hohe Lichtdurchlass der gewebten Struktur eine angenehme, tageslichtdurchflutete Atmosphäre. Trotz seiner filigranen Anmutung widersteht das robuste Edelstahlgewebe dabei dauerhaft den hier oftmals herrschenden widrigen Witterungsbedingungen mit Wind, Regen, Schnee oder Frost. Auch vor dem gerade an öffentlichen Haltestellen weit verbreiteten Vandalismus bietet die Textur wirksamen Schutz.

Kunst im öffentlichen Raum

GKD realisierte die künstlerische Ideen der in den USA sehr bekannten Künstlerin, Kritikerin und Kunstdozentin Nancy Blum mittels Etching (Ätzen) des Gewebetyps Omega 1510. Auf Basis der entworfenen Muster fertigte man eine Maske, die alle Flächen, die nicht verändert werden sollten, sorgsam abdeckte. Mit einem Strahlmittel modifizierte der Gewebespezialist anschließend die metallische Oberfläche exakt nach der künstlerischen Vorgabe. Die so entstandenen Muster waren ohne weitere spezielle Behandlung sofort dauerhaft witterungs- und UV-beständig. Auch der Tageslichtdurchlass blieb unverändert hoch. Je nach Lichteinfall und Blickwinkel wirken die so vier applizierten Motive transparent oder blickdicht. Ihre besondere Wirkung erzielen sie jedoch durch die nahtlose Integration in das Gebäude. Nancy Blum erweiterte diese per Etching aufgetragenen Muster um eine dritte Dimension, indem sie teils auf den so behandelten Paneelen, teils aber auch auf unbehandelten Gewebebahnen, scherenschnittartige Abbildungen der für die Region typischen Zugvögeln montieren ließ. Diese großformatigen Motive aus Edelstahl verknüpfen das Kommen und Gehen der verschiedenen Immigrantengruppen mit dem der Zugvögel, die auf ihrem Weg dem Lauf des Mississippis folgen. So entsteht im Zusammenspiel mit den Ethno-Mustern ein fast poetisch anmutendes Abbild des dynamischen Miteinanders in dieser so traditionsreichen Region.—

www.gkd.de

  • Etching und applizierte Edelstahlvögel verwandeln die schimmernde Fassade in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk, das die Einwanderungsgeschichte der Region widerspiegeln soll.

  • Außen angebrachte Strahler setzen gezielte Lichteffekte, die sich je nach Position des Betrachters verändern und so das transparente Gewebe unvermutet opak wirken lassen.

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