GLASWELT Ausgabe: 04-2017

Sicher auf Stelzen

Was ungewöhnlich aussieht, hat auch seinen Sinn: Die Stahlstützen, auf denen die Bodenplatte ruht, rettete die Bewohner vor dem Jahrhunderthochwasser.

Was ungewöhnlich aussieht, hat auch seinen Sinn: Die Stahlstützen, auf denen die Bodenplatte ruht, rettete die Bewohner vor dem Jahrhunderthochwasser.

  1. Teil: Sicher auf Stelzen
  2. Teil: Häuser des Jahres

_ Ein Haus, das Bezug auf die Boots- und Fischerhäuser nimmt – wie ein Blick in den Innenraum zeigt – stellt sich in die Tradition des ländlichen Bauens am Wasser. Leichtigkeit, geringe Höhenentwicklung des Baukörpers und Betonung der Horizontalen bestimmen den Entwurf.

Das Haus ist als Holzkonstruktion errichtet, überwiegend aus heimischen Weißtanne-Beständen, und zum Schutz gegen jährliche Hochwasser aufgeständert. Die natürliche Geländeoberfläche bleibt weitestgehend erhalten. Lediglich zur Pfahleinbringung und für den unterirdischen Technikraum sind punktuelle Eingriffe in den Baugrund erforderlich gewesen.

Die Architektur ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Sie muss sich gerade am Tegernsee an festgelegte Richtlinien halten. Im Fall der Bauherrin, selbst Architektin, und ihrer Familie hat sie sich zudem als rettend erwiesen: Direkt am See in Bad Wiessee, zwischen Yacht-Club und Strandbad, baute die Münchnerin ein recht ungewöhnliches Wohnhaus. Zunächst musste sie aber das Bauamt davon überzeugen, dass sie nicht das darauf bereits genehmigte, konventionelle Einfamilienhaus, sondern ein Haus auf Stelzen bauen wollte. Sie nahm sich den renommierten Bregenzer Architekten Dietrich Untertrifaller zur Seite und plante ein Wohnhaus auf Stelzen. „Weil das Gebäude so nahe am See liegt, sollte es einen Bootshaus-Charakter haben“, sagt die Bauherrin.

Jetzt ruht die Bodenplatte aus Holz auf Stahlstützen. Die Entscheidung, die Höhe der Bodenplatte von 727 m ü. NN sogar um einen Meter zu überschreiten, erwies sich als richtig: In einer Katastrophen-Nacht hatte der Tegernsee seinen bislang höchsten Stand mit 727,53 m ü. NN.

Rund um das Haus verläuft ein Holzsteg, der sich auf der Seeseite zur Terrasse verbreitert. Das Satteldach überdeckt diese „Wohnplattform” vollständig und beschattet mit großen Überständen an Trauf- und Giebelseiten die Fassaden des Baukörpers.

Das eingeschossige Haus ist in fünf Raumgruppen gegliedert, die sich jeweils als „Körper” nach außen abzeichnen: Werkstatt, Kinderzimmer, Wohnraum, Elternbereich, Garage. Ihre Fassaden bestehen aus vertikaler Massivholzschalung mit unbehandelter Oberfläche und raumhohen Fenstern mit Holzrahmen. Dazwischen liegen zurückgesetzte Fassadenteile, deren großzügige Verglasungen der zentralen Diele natürliches Licht spenden.—

  • Das Haus lebt dank der Weißtanne-Ausstrahlung von seiner warmen Atmosphäre.

  • Der umlaufende Steg verbreitert sich von den Austritten zu windgeschützten Nischen.

Literatur

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  2. Teil: Häuser des Jahres
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