GLASWELT Ausgabe: 10-2017

RC 3-Prüfung einer Aluminiumhaustür

Mit sportlichem Ehrgeiz

Mit vollem Körpereinsatz gelingt es Jacopo Amadio zwar einen Ansatz für seine Hebelwerkzeuge zu schaffen, aber die Tür bleibt für ihn geschlossen.

Mit vollem Körpereinsatz gelingt es Jacopo Amadio zwar einen Ansatz für seine Hebelwerkzeuge zu schaffen, aber die Tür bleibt für ihn geschlossen.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Irgendwann ist jedes Schloss, jede Tür oder jedes Fenster mit passendem Werkzeug zu knacken. Doch je mehr Widerstand die Elemente leisten, desto größer ist die Gefahr für den Einbrecher, auf frischer Tat ertappt zu werden. Eine Haustür, die die Prüfung zur Widerstandsklasse RC 3 bestanden hat, kann einiges aushalten, widersteht sie doch fünf Minuten lang Attacken mit Schraubendrehern und sogar Kuhfuß. Die GLASWELT durfte exklusiv der spannenden RC 3-Prüfung der Winnerdoor Aluminiumhaustür beiwohnen.

_ Ganz im Nordosten Italiens in der Provinz Treviso findet man das Prüfinstitut T2I. Der technische Direktor Alessandro Cibin und seine Mitarbeiter nehmen nicht nur Perlweine aus der Region unter die Lupe, auch Bauelemente werden getestet. Diesmal unterziehen Alberto Pampanin und Jacopo Amadio die Winnerdoor Aluminiumhaustür des norditalienischen Herstellers Mixall einer RC 3-Prüfung. Mit Mehrfachverriegelungen von Fuhr, Schließzylindern von BKS und Bandseitensicherung von BaSys ist die Tür mit diversen Produkten „made in Germany“ ausgestattet.

Suche nach Schwachstellen

Alessandro Sbarretti, technischer Geschäftsführer bei Mixall, ist recht nervös. Zwar hat die Tür allen internen Tests standgehalten, doch heute beim T2I zählt es. Er ist in Begleitung von Roberto Rocchesso erschienen, der für Fuhr in Norditalien in Sachen Verkauf und Anwendungsberatung unterwegs ist. Gemeinsam fiebern sie dem Test entgegen.

Zunächst führen Pampanin und Amadio an mehreren per Norm festgelegten Stellen der Tür einen Drucktest durch. Bis zu 12 Sekunden muss sie an diesen Stellen einem bis auf 600 kg wachsenden Druck standhalten, ohne dass danach das genormte Prüfwerkzeug zwischen Zarge und Tür angesetzt werden kann. Als diese erste Hürde gemeistert ist, wird Sbarretti etwas ruhiger. Nun wird ein Gewicht von 50 Kilogramm aus genau definierter Höhe und Abstand auf fünf fixierte Punkte der Tür fallen gelassen. Auch hier halten Bänder und Beschläge stand, das genormte Prüfwerkzeug findet keinen Ansatz, um die Tür aufzuhebeln. „Die statischen Prüfungen hat die Tür gut bestanden“, meint Amadio, bei T2I spezialisierter Techniker für die Klassifizierung von Fenstern und Türen. Die kritischen Punkte seien bei diesen Prüfungen meist auf der Bandseite unten und an der Schlossseite oben.

Der mechanische Prüfteil, bei dem die Tür den Angriffen mit den verschiedenen Werkzeugen standhalten muss, findet an einer neuen baugleichen Tür statt. Doch lässt Amadio die bereits belastete Tür auf dem Prüfstand. Er bewaffnet sich mit dem relevanten Werkzeug und macht sich daran, die Tür aufzuhebeln. „Hier versucht er die Schwachstellen der Tür auszumachen, damit er an der neuen Tür direkt dort ansetzen kann“, verrät Pampanin.

Amadio nimmt sich zunächst die Schlossseite vor. Schweißgebadet hat er nach ein paar Minuten tatsächlich Platz geschaffen, um den Kuhfuß anzusetzen. Doch trotz allen Körpereinsatzes gelingt es ihm nicht, die Tür aufzustemmen. Die Kombination aus Fuhr-Mehrfachverriegelung und BKS-Schließtechnik hält stand. Nach etwa 10 kräftezehrenden Minuten – in Pausen wird die Uhr gestoppt – widmet er sich der Bandseite. Mit sportlichem Ehrgeiz arbeitet er auch hier intensiv. Die Tür sieht mittlerweile sehr ramponiert aus, aber sie hält. Erst nach über 17 Minuten reiner Arbeitszeit gelingt der Durchbruch. Doch hat nicht die Bandseitensicherung von BaSys den Widerstand aufgegeben, sondern die Bänder eines italienischen Herstellers haben nach knapp 20 Minuten „schlapp“ gemacht. Somit hat Amadio den Schwachpunkt der Mixall-Tür ausgemacht. „Ich denke, es ist möglich, die Tür zu knacken, aber in fünf Minuten wird das verdammt eng“, so sein Fazit. Doch erst gönnt er sich eine Pause, um neue Kraft zu schöpfen. Sein Kollege Pampanin verrät, wie es weitergehen wird: „Jacopo wird gleich über die Bandseite ansetzen. Ich glaube aber nicht, dass er es schafft, einen Durchgang zu bekommen. Auf der Schlossseite ist definitiv kein Durchkommen.“

Als Amadio wiederkommt, wird der technische Geschäftsführer Sbarretti noch einmal nervös. Zumal sich Amadio für die Prüfung mittels eines Gabelstablers auf die ideale Arbeitshöhe bringen lässt. Doch obwohl der erfahrene Prüfer genau die Ansatzpunkte kennt, schafft er es nicht, die Tür zu knacken. Die Mixall Aluminiumhaustür hat somit erfolgreich die RC 3-Prüfung gemeistert. Sbarretti ist erleichtert: „Es ist sehr spannend, trotz aller Vortests“, und er verrät: „In Deutschland wird die RC 3-Winnerdoor mit Edelstahlbändern, auch verdeckt liegenden, von BaSys auf den Markt kommen.“ —

Camillo Kluge

  • Diese Werkzeuge werden bei der mechanischen RC 3-Prüfung eingesetzt.

  • Alberto Pampanin testet mit dem Prüfwerkzeug, ob die statische Prüfung einen Hebelansatz geliefert hat.

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