Freudentänze oder Damoklesschwerter?

Daniel Mund
Chefredakteur

Die Tischler in NRW sind mit ihrer Auftragslage vollkommen zufrieden, so eine Umfrage. Jetzt wurde von den großen Branchenverbänden (BF, VFF, FVSB, pro-K) die Herbstprognose veröffentlicht. Auch hier wird prophezeit: Wie in diesem Jahr werden auch im nächsten Jahr wieder deutlich mehr Fenster und Türen verkauft. Und der neue Präsident des Bundesverbandes Rollladen und Sonnenschutz, Heinrich Abletshauser, frohlockt: "Ob Komfort und Wertsteigerung für die eigene Immobilie, altersgerechtes Umbauen, hochwirksamer Einbruchschutz oder nachhaltige energetische Sanierung – es boomt auf allen Arbeitsfeldern.“ Goldene Zeiten, könnte man meinen. Aber keiner scheint sich so recht zu freuen, denn über allem schwebt immer ein Damoklesschwert...

Immerhin ist die Branche an der Preisfront "bedroht" durch Importprodukte. BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs bringt den Zwiespalt auf den Punkt: „Trotz guter Baukonjunktur und entsprechend positiver Entwicklung des Gesamtmarktes steigt der Wettbewerbsdruck, auch und gerade bei den Zulieferern.“

Auch die Tischler in NRW mit ihrer Rekordkonjunktur sind nicht in der Lage, aus "Goldenen Zeiten" einen Profit zu schlagen: Nur ein Viertel der Betriebe haben die Verkaufspreise erhöht - obwohl fast zwei Drittel der Befragten mitteilten, dass die Einkaufspreise gestiegen sind.

Und durch "Industrie 4.0" beziehungsweise dem "Internet der Dinge" werden sich noch tiefgreifendere Veränderungen ergeben. Von den knapp 6400 Fensterbauern, die es in Deutschland vermutlich noch gibt, werden in den nächsten Jahren wieder einige Hundert aufgeben - sei es, dass man sich umorientiert, anders "aufstellt" oder sei es, dass sich kein Nachfolger für das eigene Geschäft findet, der sich das noch "antun" möchte oder sei es, dass man schlicht Insolvenz anmelden muss.

Dazu kommen noch die Unwägbarkeiten, dass sich die europäische politische Landschaft deutlich verschieben könnte: Nach dem Brexit und dem überraschenden Wahlergebnis in den USA darf man ja eigentlich gar nichts mehr ausschließen, was die nächsten Wählerentscheidungen in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland angehen...

Aber mal andersherum gefragt: Gab es jemals eine Zeit, in der man völlig entspannt in die Zukunft schauen konnte?

Und birgt diese Situation nicht auch eine ganze Menge an Potenzial? Angela Hengsberger bringt es in ihrem Statement zur Fensterzukunft in der GLASWELT Dezemberausgabe zum Ausdruck: "Im Zeitalter von Internet of Things und Smart Home fragt sich der Benutzer: Warum kann ich eigentlich kein intelligentes Fenster haben? Eines, das während meiner Abwesenheit dafür sorgt, dass mich beim Betreten meines Hauses frische Luft empfängt. Eines, das meinen Energieverbrauch intelligent reduziert. Oder eines, das sich auf mein Kommando öffnet oder schließt."

Es muss ja nicht gleich alles auf einmal sein - aber nach all den Jahren, in denen ein Fenster simpel geöffnet oder gekippt wird, darf unsere konservative Branche durchaus auch einmal mit neuen Ideen glänzen. Wir begleiten Sie auf diesem Wege sehr gerne!

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

GLASWELT-Newsletter

Ja, ich möchte folgenden Newsletter abonnieren:

GLASWELT-Newsletter
» Weiter Informationen zum GLASWELT-Newsletter
Kommentare

Die Anforderungen an Produkte steigen stetig

Betrachtet man die Entwicklungen in der Rollladen- und Sonnenschutzbranche, so konnte man in... mehr

Alle Kommentare