Zum Auftakt der von Chrsitian Mettlach und Wolfgang Häußler (Geschäftsführer FVHF) moderierten Veranstaltung präsentierte Prof. Ulrich Knaack (TU Delft) aktuelle Forschungsansätze aus seinem internationalen Netzwerk rund um die TU Delft und die TU Darmstadt. Dabei ordnete er die Entwicklung von Fassaden in den vergangenen Jahren ein und beleuchtete zentrale Aspekte wie Energieeffizienz und Energiegewinnung, graue Energie sowie den CO₂-Fußabdruck.
Anschließend rückte die Begrünung von Gebäudehüllen in den Fokus. Clemens Belke (Bundesverband GebäudeGrün) stellte wandgebundene Begrünungssysteme als Bestandteil aktiver Fassadenkonzepte vor. Unter dem Motto „Lasst die Fassade grünen“ verdeutlichte er deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten sowie die gute Kombinierbarkeit mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF).
Julia Larikova (TU München) zeigte, wie Fassaden gezielt als Habitate weiterentwickelt werden können. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Multispeziesfassaden, die digitale Planung mit additiver Fertigung verknüpfen: 3D-gedruckte keramische Elemente schaffen integrierte Lebensräume und beeinflussen zugleich das Mikroklima positiv. Ein entsprechendes Pilotprojekt ist derzeit in München in Planung.
Textile Fassaden für den Klimaschutz
Im Fokus des Beitrags von Prof. Dr.-Ing. Christina Eisenbarth (TU Darmstadt) stand die Frage, wie sich Fassadenflächen – insbesondere im Bestand und in dicht bebauten Innenstädten – aktiv für die Klimaanpassung nutzen lassen. Mit „HydroSKIN“ stellte sie ein textiles Fassadensystem vor, das Regenwasser aufnimmt, speichert und gezielt zur Kühlung oder Versorgung des Gebäudes einsetzt.
Damit wird die Fassade zu einem aktiven Element im Umgang mit Hitzeperioden und Starkregen – an der Schnittstelle von Klimaschutz und Klimafolgenanpassung. Ein Prototyp wurde bereits am Demonstrator-Hochhaus D1244 in Stuttgart realisiert und befindet sich aktuell im Testbetrieb.
So sieht klima- und kreislaufgerechter Fassadenbau aus
Prof. Dr.-Ing. Lucio Blandini (Leiter ILEK, Universität Stuttgart) stellte die Frage, wie künftig ressourcen-, klima- und kreislaufgerecht gebaut werden kann. Dabei zeigte er, welche Rolle Leichtbau-Prinzipien insbesondere für die Gebäudehülle spielen – mit dem Ziel, Materialeinsatz und Energiebedarf nachhaltig zu reduzieren.
Sein Ansatz verknüpft materialübergreifende Forschung eng mit der praktischen Umsetzung. Anhand internationaler Projekte wie dem Al Wasl Tower in Dubai verdeutlichte er, wie parametrisch entwickelte Fassaden, integrierte Verschattungssysteme und konstruktive Lösungen auf komplexe Anforderungen wie Sonnenschutz oder hohe Windlasten reagieren können.
Mediashots / Wicona
Im Zentrum des Vortrags von Dr.-Ing. Boris Reyher, Managing Director bei schlaich bergermann partner, stand der Einsatz von Infraleichtbeton.
Dieses Material ermöglicht tragende und zugleich wärmedämmende Konstruktionen mit reduzierten Schichtaufbauten.
Glasfassaden und gelebte Fassadenbau-Praxis
Prof. Dr.-Ing. Michael Engelmann (TU Dresden) gab Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Glasfassadenforschung. Unter dem Titel „Die vier Elemente“ strukturierte er zentrale Themenbereiche: die Dekarbonisierung der Glasproduktion durch alternative Brennstoffe und Recyclingmaterialien (Erde), optimierte Wärmeschutzsysteme durch Gasfüllungen (Luft) sowie fluidbasierte Konzepte im SZR (Wasser). Ergänzt wurden diese Ansätze durch Aspekte wie Glasverbünde und Anforderungen an den Feuerwiderstand (Feuer).
Zum Abschluss präsentierte Susanne Di Iulio, Regional Director beim Fassadenbauer Staticus, internationale Referenzprojekte. Vorgestellt wurde u.a. das VIA Vika Gebäude in Oslo, das mit einer Closed-Cavity-Fassade von Wicona realisiert wurde.
Interessierte können den Fachdialog als vollständigen Mitschnitt auf YouTube abrufen unter: https://www.youtube.com/live/Q4KhNEbgjrw
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