GW – Frau Herwarth, Frau Lazaridou, der R+T Innovationspreis hat sich über mehr als drei Jahrzehnte zu einer festen Größe in der Branche entwickelt. Was macht seine Strahlkraft aus und wie lange sind Sie beide bereits Teil dieses Projekts?
Annabell Herwarth – Ich begleite den Innovationspreis seit 2020 und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von der Innovationskraft unserer Branche. Die R+T ist und bleibt eine Innovationsplattform: Über 80 Prozent der Unternehmen entwickeln ihre Neuheiten zur R+T und stellen sie auf der Messe dem Weltpublikum vor. Der R+T Innovationspreis hebt diese Tatsache zusätzlich hervor. Die ausgezeichneten Innovationen können schon ab dem ersten Tag der R+T und allen anderen Tagen live und in Farbe an den Ständen der ausstellenden Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft werden. Diese Kombination aus Auszeichnung und direkter Erlebbarkeit ist einzigartig.
Chrisoula Lazaridou – Ich bin seit 2022 dabei und durfte bereits den R+T Innovationspreis 2024 mitgestalten. Das war ein Rekordjahr: Noch nie hatten wir so zahlreiche Einreichungen wie bei der letzten Ausgabe. 125 Produkte von 79 Firmen wurden eingereicht. Diese Zahlen sprechen für sich und zeigen, wie wichtig der Preis für die Branche geworden ist.
GW – Die Jury setzt sich aus 20 renommierten Branchenexperten zusammen. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit und worauf legt die Jury bei der Bewertung besonderen Wert?
Herwarth – Die Diskussionen in der Jury sind definitiv ein Highlight. Wir haben Branchenexperten, Verbandsvertreter und Fachredakteure, die alle unterschiedliche Perspektiven mitbringen. Wenn diese Köpfe zusammenkommen und über Innovationen debattieren, entstehen unglaublich spannende Gespräche. Manchmal wird intensiv diskutiert, welche Innovation das größere Marktpotenzial hat oder welche Lösung den größeren Nutzen für die Anwender bietet. Die Jury bewertet sehr detailliert und unabhängig nach klaren Kriterien. Prämiert werden Innovationen, die durch ihre Innovationsqualität, Nutzerfreundlichkeit und ihr Marktpotential überzeugen. Auf der Website stellen sich übrigens alle Jurymitglieder mit sehr persönlichen Fragen vor. Man erfährt dort nicht nur, was sie fachlich motiviert, sondern auch, welche Innovation der letzten 100 Jahre sie gerne erfunden hätten. Diese Einblicke zeigen: Unsere Jury besteht aus Menschen, die mit Leidenschaft und Expertise dabei sind.
GW – Wie gestaltet sich der Weg von der Einreichung bis zur Auszeichnung konkret?
Lazaridou – Teilnehmen können alle ausstellenden Unternehmen der R+T 2027. Das eingereichte Produkt darf frühestens seit der letzten R+T 2024 erstmals am Markt verfügbar gewesen sein. Eine vollständige Serienreife ist zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht erforderlich. Wir wollen bewusst auch Prototypen und Konzepten eine Chance geben, die kurz vor der Markteinführung stehen. Das Bewertungsverfahren ist zweistufig: In der Vorjurierung trifft unsere Kernjury eine erste Auswahl und nominiert die überzeugendsten Innovationen in insgesamt zehn Kategorien. Diese reichen von Toren, Sonnenschutz und Antrieben bis hin zu Gebäudeautomation, Smart Home und App-basierten Lösungen. Auch Arbeitshilfen, Outdoor-Lösungen sowie Sonderlösungen haben ihre eigene Kategorie. Pro Kategorie sind mehrere Auszeichnungen möglich, und die Jury kann zusätzlich Sonderpreise vergeben. Die nominierten Unternehmen reichen für die finale Jurierung ein Video ein, das den USP ihrer Innovation hervorhebt. Auf dieser Basis entscheidet unsere breit aufgestellte Jury dann über die Gewinner.
GW – Vor welchen Herausforderungen steht die Branche aktuell und welche Impulse erwarten Sie von den diesjährigen Einreichungen?
Herwarth – Die Branche sieht sich mit vielen Themen konfrontiert und stellt sich darauf ein: Energieeffizienz, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Smart-Home-Integration und serielles Bauen, um nur einige Schlagworte zu nennen. Wir erwarten Innovationen, die die Branche nachhaltig voranbringen. Von material- und energieeffizienten Lösungen über intelligente digitale Services bis hin zu herausragendem Design. Wir sind gespannt auf Lösungen, die diese Themen aufgreifen und neue Vorteile für die Anwender bieten. Der Nutzen einer Bewerbung ist für die Unternehmen dabei enorm: Maximale Sichtbarkeit! Ausgezeichnete Produkte werden ab dem Start auf der R+T prominent präsentiert, in der Fachpresse vorgestellt und auf unseren Kommunikationskanälen inszeniert. Die Auszeichnung ist zudem ein starkes Marketinginstrument. Gewinner dürfen das Logo des R+T Innovationspreises für ihre Kommunikation nutzen. Das schafft Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern und unterstreicht die Innovationskraft des Unternehmens.
GW – Was raten Sie Unternehmen, die sich bewerben möchten?
Lazaridou – Die Bewerbungsphase läuft bereits seit Februar 2026, Anmeldeschluss ist der 11. September 2026. Die Preisverleihung findet dann am 14. Februar 2027 statt, am Vorabend des ersten Messetages. Das ist traditionell ein festlicher Auftakt der R+T und ein Networking-Event der besonderen Art. Mein Tipp: Nehmen Sie sich Zeit für die Bewerbung und arbeiten Sie den USP Ihrer Innovation klar heraus. Was macht Ihr Produkt einzigartig? Welchen konkreten Nutzen bietet es? Je präziser Sie das darstellen können, desto besser. Reichen Sie Ihre Neuheiten ein und nutzen Sie die große Bühne der R+T – Sie haben nichts zu verlieren!
GW – Welche Momente aus den vergangenen Jahren sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Herwarth – Besonders beeindruckend finde ich jedes Mal die Bandbreite an Innovationen: Die Gewinner reichen von etablierten Marktführern und innovativen Mittelständlern bis hin zu Newcomern der Branche. Das zeigt, dass gute Ideen überall entstehen können. Sehr spannend ist für uns auch der Tag der Deadline. Manche Unternehmen reichen tatsächlich noch in den letzten Minuten Innovationen ein. So bleibt es bis zum Schluss spannend, wie viele Innovationen im jeweiligen Jahr tatsächlich am Start sind.
Lazaridou – Für mich war die Preisverleihung 2024 ein besonderer Moment - die Atmosphäre im Saal, wenn die Gewinner verkündet werden. Man sieht die Freude und den Stolz in den Gesichtern. Das ist sehr emotional und zeigt, wie wichtig dieser Preis für die Unternehmen ist. Das ist auch über den gesamten Messeverlauf spürbar.
Das Gespräch führte der Ressortleiter Sonnenschutz Olaf Vögele.