Die Branche kümmert sich ums Tagesgeschäft – die Zukunft kommt später

Daniel Mund
Chefredakteur
Jetzt endlich brummt es wieder in den Fenster herstellenden Betrieben und auch auf den Baustellen: Alle Firmen, mit denen man in Kontakt kommt, bestätigen einen gesunden Auftragsbestand und eine ausgelastete Produktion. Und die meisten sind froh darüber, nach dem sich der Jahresstart eher verhalten gezeigt hatte. Klar ist, dass man jetzt mit dem Tagesgeschäft rund um die Uhr beschäftigt ist.

Schade aber, dass dann auch dabei die Zukunft ein wenig außer Sichtweite gerät. Die Betriebe sind damit beschäftigt, die Nachfrage zu befriedigen. Was aber, wenn diese Nachfrage irgendwann einmal wieder einbricht? Wenn Deutschland nicht mehr die Insel der Glückseligen mit hohen Beschäftigungszahlen, niedrigen Zinsen und günstigen Prognosen verkörpert?

Auf dem hiesigen Fenstermarkt kann man sich schon fast ungläubig die Augen reiben, wenn man sich vor Augen hält, welche Unternehmen sich gerade neu positionieren und sich offensichtlich für kommende Zeiten rüsten. Da kauft der AFG Konzern Wertbau im Osten der Bundesrepublik, um dort „günstiger“ produzieren zu können als im Heimatmarkt Schweiz. Die IFN-Gruppe, zu der auch Internorm gehört, verstärkt sich mit dem Fenster- und Türenhersteller Kastrup in Dänemark, um Schweden, Norwegen und auch England ins Visier zu nehmen. Und der größte Fensterhersteller Europas, die schwedische Inwido-Gruppe nimmt mit Vertriebsniederlassungen Kurs auf Österreich und mittel- oder langfristig auch auf Zentraleuropa. Auch in der 2. Reihe tut sich so einiges. Beispiel Aldra: Der Kunststofffensteranbieter kann jetzt durch Joint-Ventures seinen Kunden auch die Fenster-Werkstoff-Alternativen Holz und Metall zur Verfügung stellen.

Die Big Player am Markt sehen ihre Zukunft also darin, noch größer werden zu müssen. Klar ist auch, dass der Markt immer transparenter werden wird – dafür haben schon allein die Player aus dem Nachbarland Polen gesorgt. Der Preis muss künftig mehr denn je für ein vergleichbares Massen-Produkt unschlagbar sein.

Die Alternative heißt dazu: Sie haben ein unvergleichliches Produkt und/oder Sie bieten eine unvergleichliche Leistung an.

In diesem Zusammenhang wundert mich, dass mögliche Alleinstellungsmerkmale noch immer nicht voll ausgeschöpft werden. Ein Beispiel: Letze Woche fand in Stuttgart die SmartHome-Fachtagung und –Ausstellung statt. Die Veranstaltung richtete sich natürlich an die Planer, Wohnungsbaugesellschaften – aber eben auch an die Bauindustrie und an Handwerker. Immerhin bot die Veranstaltung eine praxisnahe Vermittlung und Darstellung des state-of-the-art im Gesamtthemenfeld SmartHome. Was mir dort aufgefallen ist: Das Thema ist in der Bauelementebranche noch nicht wirklich angekommen. In Stuttgart glänzte unsere Branche vor allem durch Abwesenheit. Dass in diesem Thema aber tatsächlich richtig viel Musik drin steckt, beweisen Unternehmen wie Rademacher, die auf der Veranstaltung mit einem 2. Platz bei den SmartHome-Produkt-Awards belohnt wurden.

Oder schauen Sie sich den Imagefilm von Inwido aus Schweden an: Denen ist schon jetzt klar, dass Ihre Produkte mehr sind als ein Fenster, sondern ein wesentlicher Bestandteil am „future home“.

Ich freue mich auf mehr solcher Glanzlichter, die durch ganz eigene Themen eine neue Richtung vorgeben und den Markt durch tolle Ideen bereichern, statt durch unschlagbare Preise überzeugen wollen.

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