GLASWELT Ausgabe: 06-2019

Wenn Nicht-Fachleute mitbestimmen wollen

Vögele: BER – Der Neubau des Berliner Flughafens, man mag es kaum mehr hören, was da alles an Schlamperei ans Tageslicht kommt. „Bild erklärt das Dübel-Problem“, titelte die Bild-Zeitung Mitte April dieses Jahres als herauskam, dass im Brandschutzbereich falsche Dübel für die Kabelverlegung verwendet wurden. Da fragt man sich doch, wie kann in unserem so reglementierten Land so etwas passiert? Oder ist das „nur“ ein Einzelfall, Matthias?

Rehberger: Der Berliner Flughafen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Bauprojekte aus dem Ruder laufen können, wenn das die Politiker in die Hand nehmen. Berlin ist kein Einzelfall. Auch wenn dann nach der „Übernahme“ die Kosten steigen, dürfen bei der Sicherheit keine Kompromisse gemacht werden. Das betrifft neben der Planung auch die eingesetzten Bauprodukte und natürlich die Montage.

Vögele: Wie sieht es denn da im Bereich der DIN 18008 aus? Da ging es doch auch drunter und drüber. Haben sich da jetzt die Fachleute durchgesetzt oder die Lobbyisten?

Rehberger: Ich möchte hier nicht unterscheiden, wer Fachleute und wer Lobbyisten sind. Jedenfalls scheint mir bei der Debatte teilweise das Ziel aus den Augen verloren gegangen zu sein, nämlich die Sicherheit der Gebäudenutzer. Eine verbesserte Sicherheit sowie europaweit gültige Regeln sind oder waren die Ziele der Novellierung der DIN 18008. Um hier ein paar Euro einzusparen, und mehr sind es nicht, wurden diese Ziele verwässert. Ich denke der Kunde würde mehr zahlen, wenn man ihm das richtig kommuniziert. Was meinst Du?

Vögele: Ich sehe das wie bei den Autos. Der Kunde zahlt hier gerne für die Sicherheit durch Assistenzsysteme, zusätzliche Airbags etc. Hier wird allerdings der Mehrwert auch aktiv verkauft, was so den Umsatz und damit den Deckungsbeitrag deutlich erhöhen kann. Es zeigt damit deutlich, dass man Sicherheit verkaufen kann, wenn man es dann auch rüberbringen kann. Aus Sachverständigensicht sind die Nicht-Fachleute das größere Problem. Hier werden klare Beratungs- und Planungsfehler gemacht, die nachher nicht mehr zu „heilen“ sind. Es braucht vor allem bessere Aus- und Weiterbildung und nicht ein „Das machen wir schon immer so“. Ist es denn ein Problem, einen Mehrwert bei Glas zu verkaufen?

Rehberger: Der Markt ist übersättigt. Bei Standard-Isolierglas machen die Hersteller kaum Gewinn, da sie teils keine Preiserhöhungen an die Fensterbauer weitergeben (können), wobei sie Isolierglas für den Fensterbau vielfach gar nicht vermarkten. Ich höre immer wieder, dass auch die Fensterbauer die Gläser kaum vermarkten und hier schließt sich für mich der Kreis zur Debatte zur DIN 18008: Warum vermarktet die Fensterbranche nicht einfach ihre hochwertigen Produkte, inklusive teurer Sicherheitsgläser, sondern setzt auf billige Preise? Gegenüber Anbietern aus Osteuropa wird man auf Dauer den Kürzeren ziehen. Gute Produkte, guter Service sowie eine aktive Vermarktung auf allen Kanälen bringt bestimmt mehr, als eine hitzige Debatte um ein paar Euro mehr beim Sicherheitsglas. Und der Kunde freut sich über die verbesserte Sicherheit im Haus. Ihnen viel Spaß mit der neuen GLASWELT.

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