GLASWELT Ausgabe: 07-2019

Aktuelle B+L Türenstudie

Die Entwicklung im Türenmarkt ist abgekoppelt vom Innenausbau

Innentüren sind ein attraktives Marktsegment für Verarbeiter und Monteure. Wo hierzulande die aktuellen Trends liegen, wollte die GLASWELT von den Marktforschern von B+L aus Bonn wissen. Diese haben in den letzten Monaten verschiedene Untersuchungen zum Innentürenmarkt durchgeführt. Nachfolgend finden Sie eine Reihe von Ergebnissen und Details aus der Studie „Outlook Innentüren 2019“.

  1. Teil: Die Entwicklung im Türenmarkt ist abgekoppelt vom Innenausbau
  2. Teil: Neue B+L Studie: Innentüren 2019
  3. Teil: Der Autor

_ Im ersten Quartal 2019 hat sich der Innentürenabsatz in Deutschland sehr gut entwickelt. Für die Türenbranche ist dieser Trend schon fast zur Normalität geworden.

Aus Sicht des Handels ist das Innentürensortiment in den letzten fünf Jahren zu einem der stabilsten Wachstumsträger geworden. Besonders erstaunlich ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund, dass der Absatz der Innentüren zu einem überwiegenden Teil von der Renovierung und dem Austausch von Türen abhängig ist. Genau diese Renovierung ist in vielen Produktbereichen in den letzten Jahren jedoch stark rückläufig gewesen.

Wird die größte Renovierungszielgruppe für immer verschwinden?

Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Hauptursache dieser rückläufigen Entwicklung der Renovierung in der Kombination der folgenden Punkte liegt: Zum einen verschiebt sich die Nachfrage der Renovierung sehr stark von den jungen Altersgruppen (Haushaltsgründer, Haus-Erstkäufer) hin zu den Renovierern über 55 Jahre. Gleichzeitig verlagern die Handwerksbetriebe ihre Tätigkeit immer mehr zum stark wachsenden Neubausegment. In der stark normierten Bauumgebung des Neubaus treten deutlich weniger zeitverzögernde Probleme auf und die Qualifikation an die Einbauleistung ist deutlich geringer als bei der Renovierung.

Das Dramatische an dieser Konstellation ist, dass die über 50-Jährigen die Renovierungen überwiegend von Profihandwerkern erledigen lassen wollen. Da diese ihr Tätigkeitsfeld aber immer stärker in den Neubau verlagern, stehen für die Renovierung immer weniger Handwerksbetriebe zur Verfügung. Damit entscheiden sich die Renovierwilligen immer häufiger, ihre Renovierung aufzuschieben. Allerdings betrifft diese Situation die Innentüren anscheinend nicht so stark wie andere Produktbereiche.

Da die Normierung bei Innentüren in den Achtzigerjahren abgeschlossen war, sind die meisten heute zu renovierenden Türen (im Durchschnitt nach circa 22 Jahren) schon DIN-Norm-Türen, sodass kaum bauliche Anpassungen beim Austausch vorgenommen werden müssen. Somit ist die notwendige Qualifikationsanforderung für den Innentüreneinbau deutlich geringer als zum Beispiel beim Fenstereinbau.

Zum anderen haben der Handel und die Industrie in den vergangenen Jahren mit sehr großem Aufwand die Monteure geschult, sodass anscheinend ausreichende Kapazitäten in diesem Segment zur Verfügung stehen. Lediglich in Süddeutschland spiegeln die deutlich höheren Einbaukosten eine Verarbeiterknappheit wider.

Die Entwicklung der Baugenehmigungen in den letzten zwei Jahren zeigt eine starke Verschiebung hin zum Mehrfamilienhausbau und zum Gewerbebau. Das ist die Ursache für die starke Zunahme der Funktionstüren am Gesamtmarkt Innentüren.

Wohnungen werden kleiner, was heißt das für Türen?

Seit 1997 hat sich der Anteil der kleinen Wohnungen mit ein und zwei Räumen um 4,1 Prozentpunkte von 8,4 auf 12,6 Prozent stark vergrößert. Im Gegensatz dazu sind Wohnungen mit drei bis fünf Räumen von 71,6 um 7,5 Prozentpunkte auf 64,1 Prozent gesunken.

Die Entwicklung der Wohnungsgrößen wirkt sich direkt auf die Anzahl der benötigten Wohntüren im Neubau aus und führt seit 2005 zu einer Abnahme der durchschnittlichen Menge der Innentüren pro Wohnung im Mehrfamilienhausbau. Da hier vielfach die Standardtür in Weiß (Lack oder CPL) zum Einsatz kommt, wird diese Veränderung der Kommissionsgrößen zum großen Teil über die Großhandelslager abgefangen. Das heißt die Kommissionen auf der Herstellerseite haben sich weniger stark verkleinert. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Der Grund dafür ist unter anderem der anhaltende Trend zu Wohnungen im Mehrfamilienhaus.

Wird der Wettbewerb härter? Wendepunkt im Türenabsatz in 2020 erwartet

In den aktuellen Prognosen der B+L gehen wir davon aus, dass der Innentürenabsatz in Deutschland 2020 mengenmäßig seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen wird.

Auch wenn immer wieder gesagt wird, dass in Deutschland viel zu wenig renoviert wird und wir einen erheblichen Renovierungsstau haben, ist diese Renovierung bei den Innentüren in den vergangenen Jahren sehr analog zu den ca. 22 bis 25 Jahren zuvor eingebauten Türen verlaufen.

Da die Genehmigungszahlen im Neubau eine Trendumkehr andeuten, ergibt sich in unseren Prognosemodellen der oben erwähnte Wendepunkt im Türenabsatz in 2020. Wir gehen jedoch nicht von einem starken Rückgang, sondern von einem vorerst weiterhin hohen Niveau aus.

Die aktuellen Kapazitätsausweitungen könnten jedoch vor diesem Hintergrund zu einer sich verschärfenden Wettbewerbssituation führen.

Onlinevertrieb gewinnt stärker als erwartet

Der Onlinehandel gewinnt auch bei den Innentüren an Bedeutung. Dies gilt sowohl für die Pure Online Player als auch für die Onlineshops der traditionellen Handelsstufen. Überrascht hat uns in der aktuellen Studie nur, wie schnell der Onlinehandel zunimmt. Die Entwicklung des Onlinehandels bei Innentüren 2018 und die Prognose bis 2021 nimmt schon disruptive Züge an.

Nur die Briten renovieren mehr

Alle zwei Jahre befragt die B+L über 1000 Renovierer in Deutschland, um die Motive, die Art der Renovierung, Produkteinsätze, die Profiquote etc. zu untersuchen. In 2018 haben wir zum ersten Mal die gleiche Untersuchung in Österreich, der Schweiz, Frankreich und UK durchgeführt, um Unterschiede zwischen den Ländern zu sehen. Insgesamt renovieren z. B. die Briten viel häufiger als der Rest der untersuchten Länder (bei der Bauqualität vielleicht auch keine Überraschung). Aber die britischen Renovierer sind auch jünger.

Da wir alle Produktgruppen des Wohnbaus untersucht haben, sind die Innentüren nur ein kleiner Teil der Studie. Auch die Fensteraustausch- und die Fassadenrenovierung sind im Detail untersucht worden. In Frankreich wurden bei rund 17 Prozent aller Renoviermaßnahmen die Innentüren getauscht. Bei den Briten waren bei jeder vierten Renovierung auch die Türen mit dabei.—

  • Entwicklung Wohnungsbestand nach Anzahl der Räume von 2011 bis 2017

  • Die Häufigkeit der Renoviermaßnahmen im Ländervergleich 2018

Quelle: destatis / B+L Grafik

B+L

Literatur

  1. Teil: Die Entwicklung im Türenmarkt ist abgekoppelt vom Innenausbau
  2. Teil: Neue B+L Studie: Innentüren 2019
  3. Teil: Der Autor
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