„Man kann das beste Schiff der Welt haben, aber wenn der Kapitän nicht weiß, wohin er will, wird er nur herumtreiben und niemals ankommen“, zitierte Kommunikationsexpertin Elke Rock auf der Bühne Arnold Schwarzenegger. Diese Botschaft unterstreicht die zentrale Rolle bewusster Kommunikation im Geschäftsleben.
Kennen Sie die 7-38-55-Regel?
Rock betonte den Wert nonverbaler Kommunikation: „Bevor ihr überhaupt ein Wort gesprochen habt, ist vollkommen klar, wie kompetent ihr seid, wie sicher ihr auftretet, wie vertrauensvoll ihr wirkt“, erklärte die Kommunikationsexpertin. Eindrucksvoll auch ihre Erläuterung zur 7-38-55-Regel: 55 % der Kommunikationswirkung entfallen auf die Körpersprache, 38 % auf die Stimme und nur 7 % auf den Inhalt. Praktische Tipps rundeten den Vortrag ab: bewusste Gestik, sichtbare Handflächen als Zeichen der Offenheit und die richtige Körperhaltung: „Vergrößerst du den Abstand zwischen dem Ohrläppchen und dem Schulterblatt – desto dominanter wirkst du.“
25 Jahre Branchentreff
Ein emotionaler Höhepunkt war die Würdigung von Peter Schober, dem Initiator des Fenster-Türen-Treffs durch die Veranstaltungsleiterin Julia Bachinger. Über zwei Jahrzehnte hatte er die Veranstaltung geprägt und von anfangs 100 auf heute teilweise über 300 Teilnehmer ausgebaut. „Jeder Fest hat seine Highlights gehabt“, erinnerte er sich an 25 Jahre Veranstaltungsgeschichte. Besonders im Gedächtnis blieb ihm der Profiler Thomas Müller vom BKA, der den Briefbombenattentäter Fuchs überführt hatte: „Der Bursche ist auf der Bühne gestanden und hat die Leute gefesselt von der ersten Sekunde weg.“
Einbruchsprävention aus Tätersicht
Einen ungewöhnlichen Blickwinkel bot Patricia Rosenauer vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Ihre Studie mit 42 inhaftierten Einbrechern offenbarte überraschende Erkenntnisse: „Die meisten Täter vermeiden bewusst die Konfrontation mit Bewohnern. Anwesenheit führt fast immer zum sofortigen Abbruch.“ Die Forscherin unterschied drei Tätertypen: Gelegenheitseinbrecher in sozialer Notlage, Beziehungstäter mit persönlichen Motiven und professionelle Täter, die systematisch vorgehen.
Weitere Bühnenhighlights
Die Podiumsdiskussion zur Funktionalität von Türen und Fenstern brachte wichtige Impulse für universelles Design. Peter Spitaler vom Studio für Universal Design betonte: „Für die einen ist es einfach, von einem Raum in den anderen zu gehen, andere haben eine echte Aufgabe dabei. Das müssen wir unterstützen und vereinfachen.“
Sachverständiger Herbert Tschirk warnte vor der zunehmenden Komplexität der Normenlandschaft: „Wir haben 1961 ungefähr 200 Normen gehabt. Heute haben wir 3.000 bis 5.000.“ Seine Botschaft war klar: „Das Zeug muss einfach funktionieren. Und die Normen präzisieren das nur.“
Bernd Saß vom ift präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zur schalltechnischen Bewertung kritischer Einbausituationen. Seine Untersuchungen zeigten, dass bei professionellen Einbauverfahren auch anspruchsvolle Schalldämmwerte erreicht werden können.
Den Abschluss bildete die Diskussionsrunde der Plattform Fenster Österreich. Manfred Gaulhofer betonte die Besonderheit des Verbunds: „Obwohl die beteiligten Firmen einen permanenten, Wettbewerb haben, haben wir erkannt, dass es Dinge gibt, die man gemeinsam tun sollte.“ Thomas Walluschnig von Internorm ergänzte: „Wir übernehmen Verantwortung für diese Koordination und versuchen auch, diesen Kompromiss zwischen den beteiligten Gewerken umzusetzen.“
Woher stammt die Eisbildung an der Regenschutzschiene?
Am zweiten FTT-Tag standen zwei zentrale Themenbereiche im Fokus: die Analyse typischer Mängel und Schäden bei der Ausführung von Fenstern und Türen sowie aktuelle Forschungsergebnisse zur Kastenfenstersanierung. Die Experten der HFA und der TU Wien präsentierten praxisrelevante Erkenntnisse.
Karin Hauer und Martin Wieser von der HFA eröffneten den Tag mit einer Analyse typischer Schadensfälle. Ihre Botschaft war klar: Viele Probleme lassen sich durch bessere Koordination und frühzeitige Planung vermeiden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel war ein EFH, das nach einer thermischen Sanierung mit Holzfenstern ausgestattet wurde. Während im Erdgeschoss alles einwandfrei funktionierte, kam es im obersten Geschoss regelmäßig zu massiver Eisbildung an der Regenschutzschiene. Die Ursachenanalyse zeigte: Das Problem lag an mangelnder Dichtigkeit der Mitteldichtung bei den sichtbaren Beschlägen. „Mit einem Plättchenpapier lässt sich der Anpressdruck der Dichtungen gut prüfen“, erklärte Hauer. „Während die Überschlagdichtung einwandfrei funktionierte, war der Anpressdruck der Mitteldichtung unten viel zu gering.“
Das Estrich-Dilemma
Ein weiterer Fall verdeutlichte die Problematik unterschiedlicher Gewerke-Empfehlungen: Nach dem Betonieren eines Estrichs entstanden an beschichteten Holz-Aluminium-Fenstern massive Verfärbungen und Beschädigungen. Der Grund: Das Estrich-Gewerk empfahl, vier Tage nicht zu lüften, während die Beschichtungshersteller sofortiges Ablüften forderten. Die Lösung liegt im Detail: „Man darf lüften, muss aber Zugluft vermeiden“, betonte Wieser. Gekippte Fenster sind erlaubt, Durchzug jedoch unbedingt zu vermeiden. Der Estrich-Verband hat dazu ein technisches Merkblatt veröffentlicht, das eine koordinierte Vorgehensweise empfiehlt.
Kastenfenster: Tradition trifft moderne Technik
Ein weiterer Schwerpunkt am zweiten Veranstaltungstages waren Forschungsergebnisse zur Kastenfenstersanierung. Die Relevanz des Themas unterstrich Roman Meixner von der HFA mit beeindruckenden Zahlen: „Österreichweit finden wir schätzungsweise zweieinhalb Millionen Kastenfenster, europaweit dürften es bis zu 15 Millionen sein.“ Oft werden diese bewährten Systeme gegen moderne Isolierglasfenster ausgetauscht, obwohl eine fachgerechte Sanierung sowohl aus technischer als auch aus ressourcentechnischer Sicht oft die bessere Lösung wäre.
Im Referat über die Luftdichtheit ebendieser Kastenfenstern stellten Meixner und Alexander Stenitzer (beide HFA) gemeinsam mit Assoc.-Prof. Dr. techn. Matthias Schuß (TU Wien) die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „ErKA – Ertüchtigung von Kastenfenstern“ vor. Das Kastenfenster war auch Thema im Folgevortrag von Michael Truskaller (HFA), der sich im selben Forschungsprojekt die Verleimung, V-Fuge und Beschichtung der Eckverbindungen in Punkto Wasseraufnahme und Feuchteschutz genauer angesehen hat.
Bernhard Elias (GKFP) referierte zum Schluss noch über die Stolpersteine bei der Kunststofffenster-Fertigung, insbesondere im Hinblick auf durchgängige Gütesicherung mit der CE-Kennzeichnung. Wohin die rechtliche Reise für die Branche in Europa geht, zeigte im Abschlussvortrag der Veranstaltung Frank Koos (Generalsekretär bei EuroWindoor AISBL). Er zeigte die Herausforderungen im Kontext der geplanten Europäischen Gesetzgebung auf.