GLASWELT Ausgabe: 12-2017

Konzerthaus La Grande Seine

Die Perle an der Seine


Die wabenförmigen Wände wurden aus 1700 individuell gewellten Nadelholzstücken zusammengefügt und diese Geometrie prägt das Innere des „Auditoriums“ mit seiner Bühne im Zentrum und den umlaufenden Rängen.

Die wabenförmigen Wände wurden aus 1700 individuell gewellten Nadelholzstücken zusammengefügt und diese Geometrie prägt das Innere des „Auditoriums“ mit seiner Bühne im Zentrum und den umlaufenden Rängen.

_ Wo früher Autos auf den Fließbändern unter lautem Getöse zusammengeschweißt wurden, kann man heute fette Beats oder wohlklingende Sonaten vernehmen: Die Architekten Jean de Gastines und Shigeru Ban haben dieses Mega-Ei entworfen und es westlich von Paris auf der Ile Segun in den Sand gebaut, auf der von 1929 bis 1992 das Renault-Werk beheimatet gewesen war. Merkmal der „Seine Musicale“ ist seine gläserne Kuppel, die das Wasser der Seine spiegeln soll. Seine Dimensionen sind beeindruckend: es misst in der Längsachse 70 m und 45 m auf der Querachse. Bis zu 6000 Besucher finden Platz in einer großen Halle, die vor allem für Popkonzerte geeignet ist. Weiterhin gibt es einen 1150-Plätze-Saal, für Konzerte mit klassischer Musik.

Bei diesem spektakulären Bauwerk ist die gewählte Ei-Form nicht nur ein optischer Effekt, sondern biete auch statische Vorteile. Die allseitige Bogenform eines Eies ermöglicht das Abtragen von Lasten über gleichmäßige Druckkräfte in der Bogenlinie bzw. Schalenebene und ist z. B. einem geraden Balken dadurch deutlich überlegen.

Sonnensegel tankt Energie

Auch das energetische Konzept ist sehr originell: Auf Gleisen wandert ein mit Solarzellen bestücktes Fotovoltaik-Segel mit der Sonne außen um das Gebäude herum und liefert den ganzen Tag elektrische Energie, da es immer in einem idealen Winkel zur Sonne positioniert ist.

6500 m² wurden überbaut und ca. 170 Mio. Euro hat das Bauvorhaben gekostet. Rund 9 Mio. Euro stünden darüber hinaus jährlich zur Verfügung, um (erwartete) Verluste auszugleichen. Zum Vergleich: Die Elbphilharmonie hat den Steuerzahler 866 Mio. Euro gekostet, 10 Mio. Euro sind jährlich für den Betrieb veranschlagt und im Etat der Stadt Hamburg verankert.

Baukasten mit 1700 Einzelteilen

Insgesamt 1700 Einzelteilen aus Fichte und Buche wurden per CNC-Fertigung für den Zusammenbau der Konstruktion vorbereitet, die Umsetzung hatte es in sich: Der riesige Stabilbaukasten hatte ein Gesamtvolumen von ca. 900 m³ und jedes Einzelteil hatte sein Profil und seinen Bestimmungsort. Das zweifach gekrümmte Brettschichtholz wurde mit Verbindungsstößen aus Buchensperrholz zusammengefügt.

Die Aufsehen erregende Architektur des Konzerthauses aus den Baustoffen Glas und Holz beinhaltet eine enorme Anforderung an den Langzeitschutz gegen die Verwitterung. Üblich ist bei Holz im Freien ein konstruktiver Holzschutz als erste Maßnahme, um die Langlebigkeit des Materials zu gewährleisten. Das war bei diesem Bauvorhaben weder geplant noch möglich. Zum Einsatz gekommen sind Produkte von Remmers, mit denen der Werkstoff Holz optisch bestens zur Geltung gebracht wie auch sein Bestand nachhaltig gesichert werden sollte. Bevor die Einzelteile zusammengesteckt wurden, erhielten sie einen allseitigen Rundum-Primärschutz. Die Einzelteil-Imprägnierung und Holzverfestigung mit Induline SW-910 und SW 900-IT auf Wasserbasis schützt Hirnhölzer vor eindringender Feuchtigkeit, verfestigt das Holz und egalisiert den Untergrund zur Verhinderung von Fleckenbildung bei Lasuraufbauten.

Die wasserbasierte Wetterschutz-Lasur UV beinhaltet einen Langzeitwetterschutz durch die Ausstattung mit speziellen UV-Blockern: Der UVA-Schutz bewahrt das Holz vor Vergrauung (Ligninabbau) und ein weiterer Bestandteil fungiert als Radikalfänger und schützt das Bindemittel – also den Lasurfilm – vor vorzeitigem Abbau. —

www.remmers.de

Foto: Hess Timber

Foto: Remmers / Didier Boy de la Tour

Foto: Remmers / Boy de la Tour

Foto: Remmers / Laurent Blossier

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