Mund: Der Sommer war und ist heiß und immer wieder erleben wir nach den Hitzeperioden entsprechend extreme Gewitterfronten. Stürme, Hagelkörner in Golfballgröße und Starkregen sind die Folge. Sie zerstören Fenster- und Glasflächen, überfluten Keller und teilweise sogar Erdgeschosse. Gebäudehüllen müssen sich an die Klimaveränderungen anpassen – bei der Sanierung und im Neubau sowieso. Es geht darum, Gebäude widerstandsfähiger zu machen – nur den Endkunden muss noch einleuchten, dass sie ihr Heim jetzt besser schützen müssen und dafür auch tiefer in die Tasche greifen müssen, oder?
Vögele: Genau diese Entwicklungen zeigen, dass wir Gebäude heute ganzheitlich betrachten müssen. Hagel, Sturm und Starkregen beschädigen nicht nur Fenster und Verglasungen, sondern ebenso Sonnenschutzanlagen, Terrassendächer, Fassaden und deren Befestigungen. Entscheidend ist deshalb nicht allein, dass Bauherren mehr investieren, sondern dass wir als Branche nachweislich widerstandsfähige und normgerecht ausgeführte Lösungen anbieten. Müssten wir deshalb nicht zuerst sicherstellen, dass unsere Produkte und Konstruktionen den zunehmenden Belastungen standhalten, bevor wir den Endkunden höhere Investitionen empfehlen?
Mund: Richtig, Olaf, die Branche muss liefern – und zwar belastbare Produkte, die halten, was sie versprechen. Und genau dafür gibt es Normen und Richtlinien wie die DIN EN 13659 für Windlasten bei Rollläden, die ift-Richtlinie FE-05/3, die PfB-Richtlinie für hochwasserbeständige Abschlüsse oder die VKF-Hagelwiderstandsklassen. Aber hier liegt das Problem: Viele Anbieter verlassen sich auf theoretische Werte, statt die reale Belastung am Einsatzort zu prüfen. Fehlende oder falsche Leistungserklärungen, lückenhafte Dokumentationen oder nicht zertifizierte Befestigungen sind Schwachstellen, die dringend angegangen werden müssen. Hast du als Sachverständiger schon solche Stolpersteine aufdecken müssen?
Vögele: Leider ja, und das immer häufiger, und genau deshalb müssen wir genauer hinschauen. Extreme Wetterereignisse nehmen zu, gleichzeitig wird mit dem Gebäudetyp E über Vereinfachungen am Bau diskutiert. Das darf aber keinesfalls zulasten der Sicherheit und Dauerhaftigkeit gehen. Wir brauchen belastbare Nachweise und normgerechte Konstruktionen. Wie sich Klimaanpassung, Wirtschaftlichkeit und der Gebäudetyp E sinnvoll miteinander verbinden lassen, lesen Sie im Bericht auf Seite 24. Lassen Sie sich ihre Sommerlektüre nicht verhageln.