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Vom Weltnormentag zum Bürokratie-Tsunami

Mund: Für alles gibt’s einen Gedenktag. Sogar für Normen! Am 14. Oktober war Weltnormentag – ein guter Anlass, einmal über sinnvolle Regeln, überflüssige Vorgaben und den viel beschworenen „Normendschungel“ zu reden. Der Verband Fenster + Fassade hat den Tag genutzt, um eine Lanze für Normen zu brechen. Und: Unrecht hat er nicht. Klar kann man über einzelne Normen streiten. Aber sie pauschal als Bürokratie-Irrsinn abzutun, ist mir zu einfach. Es kommt eben drauf an, oder Olaf?

Vögele: Als Sachverständiger sehe ich das genauso. Normen schaffen eine gemeinsame Grundlage: Sie machen Anforderungen nachvollziehbar und helfen dabei, Leistungen und Qualität zu beurteilen. Wie wichtig das ist, zeigt sich oft erst, wenn ein Schaden auftritt oder über die Ausführung gestritten wird. Trotzdem sollten wir die Kritik am „Normendschungel“ ernst nehmen. Wer Normen anwenden soll, muss sie auch verstehen und ihre Zusammenhänge erkennen können. Dafür brauchen wir klare, praxistaugliche Regelungen. Und wir müssen sauber unterscheiden: Eine Norm ist nicht automatisch ein Gesetz, und ihre Einhaltung ersetzt nicht die fachliche Beurteilung des Einzelfalls. Für mich sind Normen deshalb ein wichtiges Werkzeug. Entscheidend bleibt, sie mit Sachverstand anzuwenden.

Mund: Genau diesen Sachverstand kann ich bei der neuen Bauproduktenverordnung nicht erkennen. Da kann ich Fensterbauer verstehen, die gegen geplante EU-Vorschriften und -Normen rebellieren. Was da aus Brüssel kommt, ist keine Regulierung mit Augenmaß, sondern eine regelrechte Normenlawine! Es geht nicht mehr darum, Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern – stattdessen droht eine Explosion der Bürokratie, die gerade kleinere Betriebe in die Knie zwingen könnte. Ein Aktenordner voller Dokumentation für ein einziges Fenster? Wer soll das stemmen? Und welchen Sinn macht das?

Vögele: Ja, und mich macht der Umgang mit den Eingaben der Fachverbände zum Standardisation Request ausgesprochen ärgerlich. Wenn deren Einwände weitgehend abgeschmettert werden, frage ich mich: Haben sich die Verantwortlichen überhaupt ausreichend mit den Folgen für die Praxis und der Notwendigkeit jeder einzelnen Normänderung beschäftigt? Als Sachverständiger erwarte ich nachvollziehbare Anforderungen und einen erkennbaren Nutzen. Hier fehlt mir jedes Augenmaß! Betriebe müssen nun zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen, um die wachsende Administration zu bewältigen. Jetzt aber erst mal viel Spaß mit der neuen Ausgabe der GW.

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