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Wie viel Technik braucht die Gebäudehülle?

Vögele: Matthias, früher sollte die Gebäudehülle vor allem dicht, gut gedämmt und dauerhaft sein. Heute soll sie zusätzlich vor Überhitzung schützen, Energie gewinnen, Tageslicht lenken und digital reagieren. Überfordern wir Fenster, Glas, Fassade und Sonnenschutz?

Rehberger: Möglich ist heute vieles, aber die Planer müssen das auch abbilden können. Kritisch wird es, wenn zuerst große Glasflächen entworfen werden und Beschichtungen, Verschattung und Kühlung dann retten sollen, was nicht zu Ende gedacht wurde. Die Zukunft der Gebäudehülle beginnt für mich mit guter Planung statt mit möglichst viel Technik.

Vögele: Ganz ohne Technik geht es aber nicht. Der sommerliche Hitzeschutz wird zur Kernaufgabe. Automatischer Sonnenschutz kann den Kühlbedarf senken und zugleich Tageslicht erhalten. Einfaches Bauen darf nicht bedeuten, auf sinnvolle Funktionen zu verzichten. Die Systeme müssen jedoch verständlich, robust und auch ohne App oder Cloud nutzbar bleiben.

Rehberger: Da gebe ich Dir recht, Olaf. Ein Gebäude und seine Fassade sollten möglichst intuitiv zu nutzen sein. Eine zusätzliche Forderung ist die europäische Gebäuderichtlinie, die darauf ausgelegt ist, neue Gebäude für die Nutzung von Solarenergie vorzubereiten. Damit wird die Fassade auch noch zur Energiefläche, und Photovoltaik, Sonnenschutz, Tageslichtnutzung, Sicherheit und Gestaltung müssen unter einen Hut gebracht werden.

Vögele: Deshalb müssen bei der Planung die Vertreter der Glas-, Fenster-, Fassaden- und Sonnenschutzbranche von Anfang an mit eingebunden werden. Dazu kommt, dass künftig der gesamte Lebenszyklus der Elemente relevant ist. Kreislauffähigkeit beginnt nämlich schon bei der Konstruktion: Lassen sich Gläser tauschen, Bauteile trennen und Materialien wiederverwenden? Der kommende digitale Produktpass schafft hier Transparenz.

Rehberger: Dann sind wir uns einig: Die Hülle der Zukunft wird aktiver, aber nicht zwangsläufig komplizierter. Sie muss im Winter Wärme halten, im Sommer Hitze abwehren, viel Tageslicht hereinlassen, Energie erzeugen und reparierbar und recyclingfähig sein. Und sie muss bezahlbar sein. Entscheidend ist zudem nicht die Zahl ihrer Funktionen, sondern ob diese über Jahrzehnte tatsächlich genutzt werden (können). Aber jetzt erst einmal viel Vergnügen mit der Septemberausgabe der GLASWELT.