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Zwei Verbände, zwei Bewertungen

Wie die Fensterbranche auf die GEG-Neuerungen reagiert

Die von der Bundesregierung vorgelegten Eckpunkte zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz stoßen in der Fenster- und Fassadenbranche auf geteilte Reaktionen. Während der Bundesverband ProHolzfenster die Pläne scharf kritisiert, sieht die Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) neue Chancen für die Gebäudesanierung.

ProHolzfenster warnt vor "Bremsignal" für Klimaschutz

Der Bundesverband ProHolzfenster bewertet die geplante Wiederzulassung von Gas- und Ölheizungen als klimapolitischen Rückschritt. "Der Gebäudesektor ist und bleibt ein zentraler Hebel für den Klimaschutz", erklärt Eduard Appelhans, Vorsitzender des Verbands. "Was wir jetzt brauchen, ist mehr Tempo bei der energetischen Sanierung – kein politisches Bremsignal."

Nach Einschätzung des Holzfenster-Verbands droht das Gesetz, die Wärmewende auszubremsen und das Erreichen der Klimaziele zu erschweren. "Wenn die Modernisierung von Gebäuden ausgebremst wird, wird die Minderungslücke im Gebäudesektor größer, nicht kleiner", warnt Appelhans.

RTG sieht Sanierung im Aufwind

Völlig anders bewertet die RTG die Entwicklung. "Mit dieser Entscheidung gewinnt die energiesparende Sanierung von Gebäudehüllen zusätzlich an Bedeutung", kommentiert Thomas Drinkuth, Leiter der RTG, die mehrere Baubranchen wie Glas, Fensterbau und Sonnenschutz vertritt.

Die RTG argumentiert pragmatisch: Gas und Öl würden noch viele Jahre weitgehend fossil bleiben, da sich die Anteile an Biogas oder Bioöl nur langsam steigern ließen. Zudem seien höhere Kosten durch den CO2-Preis und den Herstellungsaufwand grüner Brennstoffe zu erwarten. "Wer weiterhin mit Gas oder Öl heizt, sollte also den Verbrauch nach Kräften begrenzen", empfiehlt Drinkuth.

Einigkeit nur bei Förderkritik

Beide Verbände kritisieren die aktuelle Förderpolitik. ProHolzfenster fordert mehr Tempo bei der Sanierung und eine Stärkung nachwachsender Rohstoffe wie Holz. Positiv bewertet der Verband, dass die Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) bis 2029 abgesichert werden soll.

Die RTG sieht ebenfalls Verbesserungsbedarf: "Die geringe Sanierungsrate zeigt, dass die bestehende Förderung für viele Haushalte keinen ausreichenden Anreiz setzt", so Drinkuth. Die Bundesregierung müsse die Förderkonditionen verbessern.

Sorge um Verteilungskampf bei grünen Brennstoffen

Kritisch beurteilt die RTG den möglichen Verteilungswettbewerb um klimafreundliche Alternativen. "Grüner Wasserstoff wird für verschiedene Industrieprozesse, beispielsweise in der Glasherstellung, dringend benötigt", erklärt Drinkuth. Werden diese knappen Energieträger verstärkt zum Heizen verwendet, könne das zu einem Verteilungswettbewerb und noch höheren Preisen führen.

EU-Gebäuderichtlinie schafft zusätzlichen Fokus

Beide Verbände thematisieren auch die anstehende Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD). Die RTG bewertet diese positiv: "Die Umsetzung tut Verbrauchern nicht weh, schafft aber bessere Rahmenbedingungen für Energiesanierungen im Bestand." Hauptsächlich werde der Staat in die Pflicht genommen, Sanierungs- und Energiesparziele zu erreichen.

Lediglich die energetisch schlechtesten Nichtwohngebäude wie Schulen, Büro- oder Gewerbegebäude müssten in den kommenden Jahren Sanierungsmaßnahmen durchführen und ihren Energieverbrauch senken.