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Zu Besuch bei Rodenberg in Porta Westfalica

5 Mio. Euro in die Zukunft investiert

Sie steht da und ist erst einmal komplett leer. Eine riesige Halle, Grenze an Grenze zum aktuellen Rodenberg-Werksgelände in Porta Westfalica-Holtrup. „Eine Kartbahn wäre möglich“, so wird beim Rundgang gescherzt.

„Die Akquisition der Halle hat zwei Gründe. Und der erste ist nicht das Wachstum, das wir hier abbilden wollen“, klärt Alleinvorstand Frank Rose auf. „Zuallererst geht es uns um optimierte Produktionsprozesse! Wir wollen unser Werkstück viel weniger in die Hand nehmen und zwischenlagern. Zurzeit zählen wir 35 Arbeitsschritte, bei denen wir die Haustürfüllung anfassen. Jeder einzelne kann bewirken, dass eine Schramme, ein Kratzer oder Ähnliches entsteht. Und weil jede Tür ein Einzelstück ist, bedeutet das: Wir liefern später.“

Das Werk im Stadtteil Holtrup von Porta Westfalica ist über Jahrzehnte gewachsen und wurde immer wieder erweitert. Vertriebsleiter Carl Weber verdeutlicht einen weiteren Aspekt: „Das Produkt Türfüllung hat sich auch verändert. Als wir gestartet sind, gab es eine einzige Einsatzfüllung mit 24 mm. Mittlerweile bilden wir eine ganz andere Komplexität ab.“

Im zweiten Schritt geht es aber auch um Wachstum und eine Botschaft: „Das ist ein Signal, was unsere Standortbestimmung angeht. Und ein Signal an unsere Belegschaft: Wir sind nicht auf dem Weg ins Ausland, sondern investieren zu Hause.“

Dass man sich eine solche Erweiterung überhaupt leisten kann und will, liegt am bemerkenswert kontinuierlichen Erfolg.

Vier Standorte, ein Versandtor

Zur Einordnung von Größe und Struktur: Holtrup ist das Hauptwerk und die Zentrale, in dem das Kunststoff-Premiumsortiment entsteht. Fünf Kilometer entfernt, in Neesen werden vor allem Glas für Haustüren , sowie Sandwichplatten und wärmegedämmte Unterbauprofile produziert.

In Cramonshagen bei Schwerin wird ausschließlich Aluminium verarbeitet. Zwei Pulverbeschichtungsanlagen – eine davon fährt nur Weißtöne – sorgen für die schönen Oberflächen.

Im brandenburgischen Borkheide wird das Kunststoff-Preiseinstiegsegment PortaPlus produziert.

Der Versand läuft trotzdem fast komplett über Holtrup mit 25 eigenen Lkw.

Warum der eigene Fuhrpark? „Wir haben ein sensibles Produkt. Wenn das zwei- oder dreimal umgeschlagen wird, besteht immer ein Restrisiko.“ Aufwendig? „Ja, aber wir sind geübt, das machen wir seit drei Jahrzehnten.“

Innovationen als Markenzeichen

Das exklusive Sortiment begann um die Jahrtausendwende mit Designmodellen von Luigi Colani. Weitere Innovationen aus dem Hause Rodenberg waren die Betonoptik und keramische Oberflächen, die Echtholz- und die Art-Dekor-Designs. Es folgten Modelle im Loft- und Akustikpaneel-Design. Erwähnenswert ist auch das Organic Door Panel, eine vollständig kompostierbare Füllung.

Pivot: ein Mikromarkt mit Ansage

Die jüngste Neuheit ist eine Pivot-Haustür, die erstmals kein Halbzeug, sondern ein komplettes Element ist. Sie wurde gemeinsam mit einem deutschen Partner entwickelt, der auf Sonderbau spezialisiert ist und somit nicht in Konkurrenz zu den eigenen Kunden steht

Dem Vertriebsteam ist bewusst, dass der Bedarf nischig ist, aber: „Unsere Kunden argumentieren mit Made in Germany. Wir alle werben mit Exklusivität und möchten dies auch mit dieser Tür unter Beweis stellen.“ Das Kundenfeedback fiel überraschend positiv aus.

Vollsortimenter

Frommknecht möchte auch den Fokus auf weitere Produktprogramme richten: „Wir reden die ganze Zeit über Haustürfüllungen, dabei dürfen wir nicht unsere erfolgreichen Produktsegmente Sandwichplatten und wärmegedämmte Unterbauprofile vergessen.

Die wärmegedämmten Bodeneinstand- und Unterbauprofile sind technische Produkte, die im Boden verschwinden. Genau deshalb tauchen sie in der Kommunikation wohl auch weniger auf. Sie werden auch am Fensterbankanschluss eingesetzt, seitlich und über dem Element für Raffstoren. Die Lieferung erfolgt individuell konfektioniert, auf Länge und Höhe gefertigt, inklusive Konturfräsung. Möglich sind Längen bis 6500 mm.

Dazu das Glas: Der Fokus von Porta Glas Design liegt auf Schmuckverglasung, Sandstrahlgläsern und kleinen Formaten. Frommknecht: „Wir werden nie den Fensterhersteller mit Großformaten bedienen.“

Digital immer weiter

Der interaktive Katalog ist sehenswert: Jede Fläche ist anklickbar und es gibt Videosequenzen aus der Fertigung. „Damit können wir dem Endkunden vermitteln, dass so eine Tür nicht im Regal steht.“ Es gibt den Katalog im Kundenlayout individualisiert. Wer klickt, gelangt in deren Konfigurator. Zudem besteht die Möglichkeit, Türen in Originalgröße auf den Bildschirm zu projizieren: Es wird lediglich ein 86-Zoll-Fernseher im Hochformat benötigt, die passende Software kommt von Rodenberg.

Viel Liebe zum Detail

Wer in den Rodenberg-Hallen automatisierte Linien wie in der Kunststofffensterproduktion erwartet, findet stattdessen Produktionsinseln und viel Handarbeit. Ornamentrahmen werden handkoloriert um die originale Holzstruktur nachzubilden; selbst horizontale und vertikale Strukturverläufe sowie Gehrungen werden detailgetreu nachgebildet.

Vieles von der Detailarbeit macht oft das i-Tüpfelchen an einer perfekten Haustürfüllung aus:

  • Dekorfolie, die bis in die Nut und um die Kanten von Lichtausschnitt und Füllungsplatte reicht
  • an der Füllungsplatte angegossene Ornamentrahmen, Kassetten und Kapitelle, die einen naht- und fugenfreien Verbund von Ornament und Grundplatte gewährleisten
  • bei Aluminium bleibt man konsequent beim gleichen Werkstoff: Die Teile werden auf Gehrung gesetzt, geschweißt und gepulvert.
  • mehr als 25 verschiedene Glasveredelungstechniken

In der Rückschau bleibt eine Investition, die weniger Kapazität als Ruhe im Prozess schaffen soll, also eine Halle, die bald niemand mehr für eine Kartbahn hält. Vor allem aber bleibt in Erinnerung eine Fertigung, in der Perfektionismus kein Leitspruch ist, sondern überall gelebt wird.

Ein Werksbesuch von GW-CR Daniel Mund

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