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Im Interview mit Daniel Feische

„Persönliche Begegnungen bleiben unersetzlich“

GW – Herr Feische, die Baubranche befindet sich weiterhin in einem schwierigen Marktumfeld. Wie erleben Sie aktuell die Stimmung im Markt?

Daniel Feische – Die Stimmung ist durchaus differenziert. Gerade wenn man mit deutschen Unternehmen spricht, ist die Stimmung aktuell oftmals verhalten. Die schwache Baukonjunktur, hohe Energiekosten und die allgemeine Unsicherheit beschäftigen viele Unternehmen natürlich stark. International sehen wir dagegen oftmals eine deutlich positivere Grundstimmung. Dort wird vielerorts weiterhin investiert und nach vorne gedacht.

Zudem hören wir auch aus den Verbänden, etwa vom BF oder VFF, dass sich die Entwicklung in diesem Jahr insgesamt robuster zeigt, als teilweise erwartet. Trotz der Herausforderungen spüren wir bei den Ausstellern aber bislang keine grundsätzliche Zurückhaltung gegenüber der glasstec. Viele Unternehmen sehen gerade jetzt die Notwendigkeit, sich international zu präsentieren, neue Kontakte aufzubauen und Innovationen zu zeigen.

GW – Wo sehen Sie den Fokus für die Branche?

Feische – Die zentralen Themen sind klar: Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, Künstliche Intelligenz & Digitale Technologien. Diese Entwicklungen betreffen inzwischen nahezu alle Bereiche der Glas-, Fenster- und Fassadenbranche. Wir erleben aktuell einen Wandel in der Produktion und im gesamten Prozessdenken. Früher wurde häufig eine einzelne Maschine gekauft und in die Produktion integriert. Heute denken die Betriebe viel stärker in kompletten Produktionsabläufen und vernetzten Prozessen. Dabei geht es neben Geschwindigkeit und Automation auch um eine hohe Energieeffizienz und einen weiter optimierten Material- und Ressourceneinsatz. Maschinen und Anlagen sollen und müssen künftig deutlich effizienter arbeiten, weniger Strom verbrauchen und gleichzeitig intelligenter miteinander kommunizieren. Genau an dieser Stelle kann KI enorme Potenziale entfalten, etwa bei Prozessoptimierung, Wartung oder Qualitätskontrolle.

Eine Messe soll Orientierung ­geben, Impulse liefern und Unternehmen dabei unterstützen, sich für die Zukunft aufzustellen.

GW – Welche Rolle kann die glasstec in dieser ­Situation für die Branche spielen?

Feische – Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind (Messe-)Plattformen wie die glasstec besonders wichtig. Die Messe ist einerseits der zentrale internationale Marktplatz für neue Produkte, Technologien und Innovationen. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Ort für Diskussionen und Orientierung. Mit der glasstec conference schaffen wir bewusst Raum, um aktuelle Herausforderungen offen zu diskutieren – auch kontrovers. Themen wie Energiepreise, nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft oder Digitalisierung beschäftigen die gesamte Branche. Hier braucht es Austausch und neue Perspektiven.

Ein besonderes Format bleibt die glass technology live. Dort zeigen wir gemeinsam mit Forschungspartnern und Unternehmen die Anwendungen und Entwicklungen von morgen.

GW – Sie kooperieren diesmal verstärkt mit dem ift Rosenheim, richtig?

Feische – Ja, wir haben die Zusammenarbeit mit dem ift Rosenheim neu aufgesetzt. Gemeinsam präsentieren wir erstmals die Sonderschau „sicher – innovativ – nachhaltig“. Dort stehen resiliente und sicherheitsrelevante Glaslösungen und Bauelemente im Mittelpunkt, insbesondere auch solche Produkte für kritische Infrastrukturen.

GW – Haben Sie diesmal noch etwas ganz ­Neues im Programm?

Feische – Ja, ganz neu ist zudem das Format „Women in Glass“, eine Informations- und Networking-Plattform mit Fokus auf Frauen in der Glasbranche. Wir denken, dass von Frauen viele Diskussionen in der männerdominierten Branche plötzlich aus neuen Perspektiven geführt werden. Ebenfalls neu ist „Glass Print Live“. Ein Format, das im Rahmen der glasstec conference stattfindet. Darüber hinaus wird es wieder die Start-Up Zone geben, wo junge Unternehmen ihre Innovationen präsentieren können.

GW – Wie wichtig sind Messen heute im digitalen Zeitalter?

Feische – Der persönliche Austausch bleibt aus meiner Sicht durch nichts zu ersetzen. Digitale Tools können vieles unterstützen, aber echte Gespräche, spontane Begegnungen und persönliche Kontakte sind weiterhin enorm wichtig. Gerade langfristige Partnerschaften entstehen häufig im direkten Austausch vor Ort. Natürlich setzen wir zusätzlich auch auf digitale Möglichkeiten. Über Fair Match können Besucher vor, während und nach der Messe mit den Ausstellern Kontakte knüpfen und Termine vereinbaren. Aber wie gesagt, am Ende lebt eine Messe von den persönlichen Begegnungen und vom direkten Austausch innerhalb der Branche.

Das Interview führte Matthias Rehberger

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