GLASWELT Ausgabe: 12-2015

Der Kommentar

CE-Zeichen oder doch eher China Export?

Olaf Vögele
Als Sachverständiger und Redakteur besucht Olaf Vögele aufmerksam Kongresse und Messen im Umfeld von Glas, Fenster, Fassaden und Sonnenschutz. Seit mehr als 10 Jahren befasst er sich dabei intensiv mit dem CE-Zeichen und den vie

Olaf Vögele

Als Sachverständiger und Redakteur besucht Olaf Vögele aufmerksam Kongresse und Messen im Umfeld von Glas, Fenster, Fassaden und Sonnenschutz. Seit mehr als 10 Jahren befasst er sich dabei intensiv mit dem CE-Zeichen und den vielen Versuchen ausländischer Unternehmen, mit ihren Produkten in Deutschland und Europa Fuß zu fassen.

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Spätestens seit dem 1. Dezember 2009 und dem Inkrafttreten des „Vertrags von Lissabon“ bestätigt ein Hersteller durch die Anbringung der CE-Kennzeichnung, dass sein Produkt den produktspezifisch geltenden europäischen Richtlinien entspricht. Das CE-Logo allein lässt dabei aber keinerlei Rückschlüsse zu, ob das Produkt durch unabhängige Stellen auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft wurde.

Geht man mit diesem Wissen über die nationalen und internationalen Messen, fällt schnell auf, dass vor allem bei den chinesischen Herstellern die CE-Zeichen schon aus weiter Ferne blinken. So jüngst gesehen auf der R+T Turkey. Allerdings wird hier die CE-Kennzeichnung weitestgehend missverstanden und als Gütesiegel oder Qualitätszeichen erklärt. Was eigentlich nur zur Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen dienen soll wird hier aktiv als Marketinginstrument eingesetzt. Wenn nun Unwissende auf Unwissende treffen – und vollkommen egal ob B2B oder B2C - wird es schnell schwierig mit der CE-Kennzeichnung. Viele türkische Hersteller sind sich dessen gar nicht bewusst und wollen ihre Produkte so wie vorhanden auf dem deutschen oder europäischen Markt anbieten. Für den deutschen Fachhändler kann es da nur heißen Augen auf beim Kauf, denn die Regelungen der Europäischen Union sind mehr als eindeutig, wenn es um das Inverkehrbringen von Waren in Europa geht.

Auch in Deutschland bekommt das CE-Zeichen mehr und mehr Bedeutung, denn auch der Endverbraucher wird mittlerweile zunehmend über die Notwendigkeit der CE-Kennzeichnung informiert. Zum einen über Hersteller, deren Produkte vorbildlich gekennzeichnet sind und über die notwendigen Begleitpapiere verfügen, zum anderen aber auch durch spezielle Anwaltskanzleien, die nach der Abmahnwelle Stadtpläne, Impressum und Copyright auch das Thema CE-Kennzeichnung für sich entdeckt haben. Gerade über das Internet werden von Anwaltskanzleien allerlei Informationen und Videos zum Thema angeboten, um dabei auch darauf hinzuweisen, dass man ein Produkt ohne CE-Zeichen nicht bezahlen muss und einen Mangel aussprechen kann.

Es geht also in Zukunft wahrscheinlich gar nicht so sehr darum, über die CE-Kennzeichnung festzustellen ob das Produkt in Ordnung ist und den Anforderung der Normung entspricht. Vielmehr bietet das fehlende CE-Zeichen sehr gute Möglichkeiten für den Kunden, gelieferte und montierte Ware nicht zu bezahlen. Die Auswirkungen könnten für den ein oder anderen Betrieb höchst ärgerlich sein und sogar seine Liquidität bedrohen. Wohl dem, der mit Übergabeprotokoll und Begleitpapieren in Form von Montage-, Bedienungs- und Wartungsanleitung den Kunden rechtssicher beliefert und zufriedenstellt.

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