GLASWELT Ausgabe: 08-2016

Ausbildung: Was letztendlich zählt ist Netto, nicht Brutto!

Matthias Rehberger
Ressortleiter Glas
rehberger@glaswelt.de
Olaf Vögele
Ressortleiter Sonnenschutz
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Matthias Rehberger

Ressortleiter Glas

rehberger@glaswelt.de

Olaf Vögele

Ressortleiter Sonnenschutz

voegele@glaswelt.de

Vögele: Da sind sie wieder, die Sommerferien. Damit einher gehen auch die vielen Meldungen zu den Freisprechungsfeiern an den Berufsschulen. Aus diesen kann man schnell die Gesamtzahl der fertigen Auszubildenden ableiten, die zukünftig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Hatte ich nach Informationen des Bundesverbandes Rollladen + Sonnenschutz eine Zahl von insgesamt über 540 Auszubildenden (ca. 180 pro Lehrjahr) im Kopf, so ergibt sich hier nur eine Anzahl von 100 Abschlüssen. Ein Blick in das BIBB Datenblatt R+S schafft Klarheit, denn bei 186 Startern waren es 2014 nur 99 Absolventen, die die Prüfung erfolgreich ablegten. Wäre da die Nettoangabe dieser Absolventen nicht hilfreicher?

Rehberger: Klar, denn letztendlich sind ja nur die Auszubildenden für die Gewerke relevant, die dann im Handwerk und in der Industrie als ausgebildete Arbeitskräfte ankommen. Was die Abbrecher-Zahlen bei den Glasern angehen, ist der Trend vergleichbar mit den Sonnenschutz-Azubis. Beim Glas brechen ein gutes Drittel ihre Ausbildung ab BIBB Datenblatt Glaser. Das sind in meinen Augen viel zu viele. Was meinst Du, woher kommt das denn? Läuft da nicht etwas bei der Ausbildung falsch?

Vögele: Sicher. Sehr häufig liegt es dabei an den Fachbetrieben, die sich nicht ausreichend um ihre Auszubildenden kümmern. Letztlich übernehmen die Ausbildungsbetriebe die Verantwortung, junge Menschen erfolgreich durch die Prüfung zu führen. Mit einem vorzeitigen Abbruch ist da keinem gedient – weder dem Betrieb, noch dem Auszubildenden. Aber besteht nicht genau hier die Chance, eine erhebliche Menge an mehr Absolventen zu bekommen, wenn man einen Teil der Energie bei der Suche nach Auszubildenden als Unterstützung in die Ausbildung der vorhandenen Auszubildenden steckt? Damit könnten Abbrüche hinterfragt und vermieden werden, zusätzlicher Unterricht geschaffen werden, etc. Bei einer Erfolgsquote von 66 Prozent wären das pro Jahr ca. 60 neue Gesellen mehr im R+S Handwerk und fast 110 bei den Glasern. Das wäre doch mal was, oder?

Rehberger: Das sehe ich genauso. Der große Vorteil bei diesem Vorgehen liegt in meinen Augen darin, dass die Betriebe sich um junge Menschen kümmern können, die bereits mit dem Gewerk verbunden sind. Im Gegensatz zu „Neuanwerbungen“ sollte es damit doch viel leichter fallen, diese auch im Gewerk zu verwurzeln. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen.

Vögele: Tja, da ist was dran. Man sollte allerdings das eine tun, ohne das andere zu lassen. Aber es muss um jeden Auszubildenden gekämpft werden, um ihn durch die Gesellenprüfung zu bringen. Hier sind natürlich auch die Innungen gefragt, bei denen Ideen wie Lerngruppen oder die Vermittlung spezieller Fertigkeiten im Kollegenbetrieb realisiert werden können, wenn ein Ausbildungsbetrieb Teilbereiche nicht selbst durchführen kann. Das Auszubildende heute teilweise immer noch als billige Arbeitskraft angesehen werden können, darf nicht mehr passieren. Wir werden das Thema weiter beobachten. Ihnen einen schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen der GLASWELT.

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