GLASWELT Ausgabe: 09-2016

Der Kommentar

Die Welt brennt

Paul Bastianen
Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Der Niederländer füllt im Wechsel mit anderen Branchenkennern diese Gastkolumne. Sein Fokus zielt auf die europäische und internationale Glasbr

Paul Bastianen

Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Der Niederländer füllt im Wechsel mit anderen Branchenkennern diese Gastkolumne. Sein Fokus zielt auf die europäische und internationale Glasbranche.

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Die Olympischen Spielen in Rio habe ich genossen – sie waren etwas Ablenkung von der Tragik, die gerade überall auf der Welt passiert.

Man hat das Gefühl, in den letzten Wochen ist die Welt in Brand geraten und das leider nicht nur bildlich: Krieg in Syrien, der Anschlag in Nizza, der Putsch in der Türkei, der US-Wahlkampf mit seiner Kriegsrhetorik. Und nicht zuletzt der scheinbar endlose Flüchtlingsstrom nach Europa. Zu dem Frau Merkel sagt, „Wir schaffen das“.

Wir müssen bedürftigen Menschen aus den Krisengebieten helfen, aber wie viele können wir bei uns aufnehmen und unterbringen?

Merkel wird bei ihrer Aussage an ein stagnierendes Bevölkerungswachstum bei uns gedacht haben, an das Wachstum unserer Wirtschaft und an die Zukunft, wenn die Syrer integrierte Verbraucher sind. Alle Menschen hier brauchen Nahrung, ein Dach über dem Kopf und Arbeit. Dann können sie auch konsumieren und Steuern zahlen und so unser System stützen und voranbringen. Mit den steigenden Flüchtlingszahlen wächst auch der Bedarf an neuen Wohnungen und davon profitieren die Baubranche und nicht zuletzt auch die Glashersteller und Verarbeiter. Darüber sollte sich unsere Branche freuen.

Auf der anderen Seite sind wir derzeit gerade in einer Übergangsphase von die 3. Industriellen Revolution in die nächste, die 4. Phase – Stichwort Industrie 4.0. Der aktuelle Übergang ist gekennzeichnet durch fallende Aktienkurse, steigende Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung und der schwachen Position der Banken.

Dazu kommt, dass diese 4. Industrielle Revolution viel weiter greift, mehr als nur die Produktion von Gütern beeinflusst. Auch die Medizintechnik ebenso wie das Bau- und das Transportwesen, die Mobilität sowie Handel, Bildung, Erziehung und viele andere Bereiche sind direkt von der umfassenden Digitalisierung unseres Lebens betroffen. Das wird zu sehr großen gesellschaftliche Umwälzungen führen.

Schon heute produzieren in der Tesla-Autofabrik Roboter die Elektroautos, Arbeiter gibt es dort kaum noch, vielleicht noch Servicetechniker. Dieses Modell wird sich auch bei uns auf die verarbeitende Industrie übertragen. Bis zum Jahr 2025 werden wir dort eine umfassende Robotisierung vorfinden. Dazu kommt, dass künftig in der Baubranche der 3D-Drucker stark zum Einsatz kommt. Damit wird sich der Handel verändern und auch das klassische Bauunternehmen, das zum Hightech-Anbieter wird, der hochqualifizierte Bauarbeiter braucht.

Ob Frau Merkel das mit Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern erreichen kann, stelle ich momentan in Frage, denn nur die Wenigsten sind entsprechend ausgebildet und qualifiziert.

Wenn wir diese Anforderungen stemmen wollen, brauchen wir eine Ausbildungsoffensive, am besten EU-weit, die uns für die 4. Industrielle Revolution fit macht. Und dann schaffen wir das!

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