GLASWELT Ausgabe: 09-2017

Der Kommentar

Die Glasbranche braucht einen Schub von außen

Paul Bastianen
Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Die Kommentare des Niederländer zielten auf die europäische und internationale Glasbranche.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Gastkommentar: glaswelt@glaswelt.de

Paul Bastianen

Als gelernter Bauingenieur ist Paul Bastianen seit 1981 in der Glasbranche tätig. Die Kommentare des Niederländer zielten auf die europäische und internationale Glasbranche.

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Bei den Glass Performance Days 2017 (GPD) in Finnland gab es spannende Trends zu sehen. Neu war, dass eine Reihe Start-ups mit Fokus auf neue Entwicklungen wie Smart Glass und Power Windows als Aussteller vor Ort waren. So wurden schaltbare Schichten sowie Plasmaverfahren präsentiert, auf deren Basis sich Gläser schneller als bisher von transparent auf dunkel schalten oder auf opak sowie in mehreren Farben schalten lassen. Weiter waren Verfahren zu sehen, mit denen eine (Fenster-)Scheibe komplett zum Display wird. Es wurde auch deutlich, dass die Fassadenbauer enger mit der Glas-Industrie zusammen arbeiten müssen, um Smart- und Power-Fenster einsetzen zu können und diese Trends nicht zu verpassen.

Was die Branche weiter bewegen und anfachen wird, ist die starke Nachfrage nach dünnem bis sehr dünnem Glas bis hin zu 0,1 mm Dicke für flexibles Displayglas und für Dünnzellen-PV-Technologie. Denn Dünnglas wird seinen Anteil bei den Baugläsern deutlich steigern. Warum?

Unsere Fenster werden demnächst mehr und mehr zur Energiequelle werden und zudem als Display fungieren. Weiter lassen sich die Innenwände künftig mit sehr dünnem Glas „tapezieren“, sprich bekleben, um so aus der Wand ein interaktives Medium zu machen: zum Monitor, zur Leinwand, zum Kommunikations-Interface oder zum Bild bzw. zur virtuellen Umgebung, auf die ich ein Strandleben ebenso projizieren kann, wie einen Wald, durch den ein Fluss plätschert. Sie meinen, das ist Zukunftsmusik? Vielleicht ja, aber nicht mehr lange, denn viele Firmen arbeiten an solchen Entwicklungen. Und Europa und die USA müssen aufpassen, nicht abgehängt zu werden.

Halten wir uns vor Augen: Im Westen brauchte man bis dato rund 15 Jahre, um ein wirklich neues Glas-Produkt zu entwickeln. Das liegt/lag u. a. daran, dass die Firmen meist für sich entwickelt und geforscht haben, ohne eine umfassende Zusammenarbeit mit anderen Playern. In unserer immer schnelleren Welt und mit der zunehmenden Digitalisierung lässt sich so kein Blumentopf mehr gewinnen. Andere Länder geben Gas: In seinem GPD-Vortrag zeigte Prof. Pen Shou vom chinesischen Bengbu Design & Research Institut für die Glasindustrie auf, dass China heute das größte Glas produzierende Land ist. Dort werden zudem innovative Technologien entwickelt, gefertigt und eingesetzt. Zum Vergleich: 1992 verfügte das Land über 322 Glas-Patente, heute sind es über 7000. China ist dabei, Europa und die USA bei der Glas-Entwicklung zu überholen.

Wie lässt sich das kontern? Unsere Glas-Industrie muss schneller neue Produkte schaffen. Sie muss bereit sein, mit Firmen, Universitäten und Instituten aus ganz anderen technologischen Bereichen zusammenzuarbeiten. Deren Wissen und Know-how wird der Branche helfen, ganz neue Entwicklungsstränge anzugehen und umzusetzen. Wie das gehen kann, haben die GPDs und die Start-ups gezeigt.

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