EnviroFalk Generationswechsel mit Weitblick: Christoph Gilles (r.) begleitet David Hannappel in der Anwendungsberatung.
Heute spielt Wasser eine zentrale Rolle in der Glasindustrie. Im Gespräch mit Christoph Gilles und seinem designierten Nachfolger David Hannappel von EnviroFalk ging GW-Redakteur Matthias den Fragen nach, welche Bedeutung das Prozesswasser für die Qualität von Glasprodukten hat, welche steigenden Anforderungen in der Wasseraufbereitung zu erwarten sind und wie sich diese durch geeignete Technologien, Digitalisierung und nachhaltige Konzepte erfüllen lassen.
GW – Vor welchen Herausforderungen stehen Betriebe beim Wasser- und Abwassermanagement, wirtschaftlich und ökologisch?
Gilles – Wenn das Wasser gut ist, werden die Glasprodukte einfach besser. Deshalb ist Prozesswasser heute zentral für die Glasindustrie, da es die Qualität des Glasprodukts maßgeblich beeinflusst. Je stabiler und standardisierter die Wasserqualität, desto sauberer laufen Prozesse wie Schleifen, Schneiden oder Beschichten und desto konstanter ist die Produktqualität. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Wasser wird teurer, Abwasserauflagen strenger und ökologische Verantwortung wichtiger. Viele Betriebe stehen daher vor der Herausforderung, Kosten zu senken, Ressourcen zu schonen und gesetzliche Vorgaben sicher einzuhalten. Hier setzen wir mit unseren Lösungen an.
GW – Welche speziellen Anforderungen stellen Glasbetriebe an Wasser?
Gilles – Glasbetriebe benötigen eine konstant hohe Wasserqualität, damit die Oberflächen absolut sauber bleiben und Prozessschritte stabil laufen. Schon kleine Schwankungen können Spuren, Ablagerungen oder Produktionsfehler verursachen. Deshalb legen unsere Kunden großen Wert auf reproduzierbare Werte und zuverlässige Wasseraufbereitungsanlagen.
GW – Wie bereiten Sie das Prozesswasser effizient auf?
Hannappel – Wir setzen auf bewährte Verfahren wie Filtration, Membrantechnik, Ionenaustausch, Elektrodeionisation sowie spezielle Lösungen für Spül- und Schleifprozesse. Je nach Aufgabenstellung des Kunden kombinieren wir mehrere Verfahrenstechniken, um die beste Wasserqualität zu erreichen. Unser Fokus liegt dabei immer auf Effizienz, Langlebigkeit und Ressourceneinsparung
Wir arbeiten sehr eng mit den Glasbetrieben zusammen. Das ist bei uns gelebter Standard.
GW – Was unterscheidet die von ihnen eingesetzten Membrantechnologien wie Umkehrosmose oder Ultrafiltration?
Hannappel – Die Umkehrosmose entfernt gelöste Salze und organische Stoffe und sorgt so für besonders reines Wasser, ideal für empfindliche Produktionsschritte. Die Ultrafiltration hingegen trennt Partikel, Feststoffe und Emulsionen ab und ist perfekt für vorgelagerte oder nachgelagerte Reinigungsstufen. Welche Technologien wir einsetzen, hängt von der jeweiligen Anwendung und den gewünschten Wasserqualitäten ab. Die größte Besonderheit ist, dass wir diese Techniken im Kreislauf/Vollstrom einsetzen, was für den Reinigungsprozess von großer Bedeutung ist.
GW – Welche Rolle spielen Digitalisierung und Monitoring in modernen Wasseraufbereitungsanlagen?
Gilles – Digitale Systeme machen Wasseraufbereitungsanlagen heute noch transparenter, zuverlässiger und komfortabler in der Steuerung. Echtzeitdaten sorgen für stabile Prozesse und ermöglichen es, Chancen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig vereinfacht intelligentes Monitoring die Wartung und verbessert Reaktionszeiten für mehr Effizienz und Sicherheit im gesamten Betrieb.
GW – Welche Möglichkeiten sehen Sie, durch datenbasierte Analysen die Effizienz von Wasseraufbereitungsanlagen weiter zu steigern?
Hannappel – Datenbasierte Analysen helfen uns, Wasserkreisläufe noch effizienter zu betreiben. Wenn Wasser länger im Kreislauf bleibt, reduziert sich der Frischwasserbedarf deutlich. Das spart Kosten und schont Ressourcen. Moderne Messtechnik, Sensorik und präzises Monitoring liefern dafür die Grundlage. Durch Echtzeitdaten erkennen wir frühzeitig Veränderungen im Prozess und können rechtzeitig nachsteuern. So bleiben Wasserqualität und Anlagenbetrieb stabil. Gleichzeitig wird die Wartung planbarer, weil Abweichungen schneller sichtbar werden. Für unsere Kunden bedeutet das: mehr Transparenz, höhere Betriebssicherheit und ein optimal abgestimmter Wasseraufbereitungsprozess.
GW – Wie unterstützen Sie die Betriebe, um Umweltauflagen einzuhalten?
Gilles – Wir entwickeln Wasseraufbereitungsanlagen, die gesetzliche Grenzwerte sicher einhalten und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten. Dazu gehören effiziente Aufbereitungsverfahren und unsere geschlossene Wasserkreislauftechnik. So helfen wir unseren Kunden, nachhaltig zu produzieren und regulatorische Anforderungen langfristig zu erfüllen.
Hannappel – Wir arbeiten sehr eng mit den Glasbetrieben zusammen, das ist bei uns Standard. Der Kunde definiert zunächst seine Anforderungen, z.B. an die Wasserqualität und Wassermenge. Hierfür entwickeln wir dann ein passgenaues Konzept, führen die nötigen Analysen durch und setzen auf Wunsch auch einen Pilotaufbau um. Dabei denken wir strategisch. Künftige Kapazitäten oder Erweiterungen werden bereits in der Planung berücksichtigt. So können unsere Anlagen bei späteren Produktionserweiterungen mitwachsen.
Wenn das Wasser gut ist, werden die Glasprodukte einfach besser.
GW – Welche Unterschiede sehen Sie zwischen europäischen und internationalen Glasherstellern in Bezug auf Wasser- und Umweltstandards?
Gilles – Gerade bei großen Beschichtungslinien sind wir weltweit tätig. In der EU sind die Anforderungen sehr hoch und streng, beispielsweise im Bereich Dekarbonisierung. International ziehen viele Länder mittlerweile nach, sowohl regulatorisch als auch technologisch. Dennoch bleibt Europa derzeit Vorreiter, weil die Standards hier früh definiert wurden und stetig weiter verschärft werden.
GW – Wie bereiten Sie sich auf den Wechsel in der Führung vor?
Gilles – Ein Generationswechsel braucht Zeit. Deshalb planen wir ihn bewusst langfristig. Über mehrere Jahre hinweg bauen wir Wissen gezielt auf, geben Verantwortung Schritt für Schritt weiter und stellen sicher, dass Erfahrung und neue Impulse sich optimal ergänzen.
GW – Welche strategischen Ziele verfolgt EnviroFalk in den kommenden Jahren im Glassegment?
Gilles – Alle Glasbetriebe brauchen gutes Wasser! Deshalb sehen wir in der Glasindustrie weiterhin großes Potenzial in der DACH Region ebenso wie international. Als Marktführer wollen wir unsere Präsenz weiter ausbauen und dafür auch verstärkt mit erfahrenen Partnern zusammenarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt auf noch energieeffizienterer Wasseraufbereitungstechnik sowie dem Ausbau von Digitalisierung, Monitoring und Fernwartung. Weltweit betreuen wir viele Kunden bereits heute schon remote. Dieses Zusammenspiel aus Nähe und modernster Technik macht uns stark für die kommenden Jahre.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Über EnviroFalk
EnviroFalk ist Anbieter von industriellen Wasseraufbereitungssystemen für die Glasindustrie u. a. und entwickelt maßgeschneiderte Anlagen für Prozess-, Reinst- und Abwasser, um eine konstant hohe Wasserqualität sicherzustellen. Zum Einsatz kommen dabei Technologien wie Umkehrosmose, Ultrafiltration, Ionenaustausch und Elektrodeionisation. Weitere Schwerpunkte sind ressourcenschonende Kreislaufführung, Effizienz und digitales Monitoring.
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