Die lange Sicht zeigt keinen geradlinigen Niedergang. 2006 erlernten nach den aktuellen BIBB-Zeitreihen 480 junge Menschen den Beruf des Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikers. 2018 waren es 537, in 2021 noch 534. Danach schrumpfte der Bestand auf 507 im Jahr 2022, 447 im Jahr 2023 und 393 im Jahr 2024. Gegenüber 2021 entspricht das einem Minus von 26,4 %. Die Baukrise hat nach Einschätzung des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz (BVRS) auch den Ausbildungsmarkt erreicht. Die Statistik allein belegt diese Ursache allerdings nicht.
Deutlich weniger Neuverträge
Besonders deutlich wird der Rückgang bei den Neuabschlüssen. Das BIBB verzeichnet für 2006 insgesamt 177, für 2016 sogar 219 neue Verträge. Nach 210 im Jahr 2021 sank die Zahl bis 2024 auf 141, ein Drittel weniger binnen drei Jahren. Gemeint sind im Kalenderjahr begonnene Verträge, die am 31. Dezember noch bestanden. Die Kennzahl zählt deshalb weder alle Vertragsunterzeichnungen noch ausschließlich Ausbildungsanfänger.
Frauen bleiben dabei eine kleine Minderheit. Ihre Zahl im gesamten Ausbildungsbestand stieg von 9 im Jahr 2006 auf 18 im Jahr 2017 und 21 im Jahr 2020. Für 2024 weist das BIBB 15 aus, rechnerisch rund 3,8 % des Bestands. Unter den 141 Neuabschlüssen waren 6 Frauen. Bei solchen kleinen Fallzahlen verändern einzelne Personen die Anteile spürbar. Ein nachhaltiger Durchbruch bei der Gewinnung weiblichen Nachwuchses lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Größer ist der Beitrag ausländischer Auszubildender. 2006 zählte das BIBB 30, in 2017 bereits 66 und in 2019 insgesamt 102. Bis 2024 sank die Zahl auf 51. Ihr Anteil am Bestand lag damit rechnerisch bei rund 13 %, gegenüber 6,3 % im Jahr 2006. Bei den Neuabschlüssen in 2024 entfielen 21 auf Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Erfasst wird dabei der Pass, nicht ein Migrationshintergrund. Über individuelle Sprachkenntnisse oder Förderbedarfe sagen diese Zahlen nichts aus.
Nachwuchs halten und fördern
Auch das Halten des Nachwuchses fordert die Betriebe. 2024 wurden 60 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, nach 78 im Jahr 2022 und 75 im Jahr 2023. Die BIBB-Lösungsquote sank zuletzt von 37,0 auf 32,5 %. Sie ist keine Abbruchquote: Wer den Betrieb oder Beruf wechselt, kann seine Ausbildung fortsetzen. Ebenso wäre es falsch, die 60 Vertrags-Lösungen einfach durch die 141 Neuabschlüsse zu teilen. Beide Größen betreffen unterschiedliche Vertragsjahrgänge.
Beim Prüfungserfolg besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Die teilnahmebezogene Erfolgsquote I sank von 89,3 % in 2021 auf 76,2 % in 2024. Die personenbezogene Erfolgsquote II fiel im selben Zeitraum von 92,6 auf 78,0 %. 2024 gab es 96 erfolgreiche Abschlüsse. Wiederholungsprüfungen erklären, warum beide Quoten voneinander abweichen. Sie messen den Prüfungserfolg eines Jahres, nicht die Abschlusswahrscheinlichkeit eines Ausbildungsjahrgangs.
Ein Hoffnungssignal liefert 2025: Der BVRS meldet 162 Neuverträge, 14,1 % mehr als im eigenen Vorjahr, bei 390 Auszubildenden insgesamt. 103 von 125 Gesellenprüfungen wurden bestanden. Diese Verbandswerte ergänzen die BIBB-Reihe, ersetzen sie aber nicht. Unterschiedliche Bestandszahlen dürfen nicht zu einer scheinbar einheitlichen Kurve verbunden werden. Eine gesicherte Trendwende ist deshalb noch nicht erreicht, es gibt deshalb noch viel zu tun.
Foto: Olaf Vögele
Foto: Olaf Vögele
Mehr Ausbildungszeit – weniger Nachwuchs?
Drei oder dreieinhalb Jahre? Beim Pressegespräch auf der Jahrestagung des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz wurde die geplante Verlängerung der Ausbildungszeit mit Journalisten diskutiert. Neue Produkte, technische Entwicklungen und digitalisierte Arbeitsabläufe stellen lt. Präsident Matthias Klenner höhere Anforderungen an Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker. Doch ist mehr Ausbildungszeit dafür die passende Antwort? Laut BVRS-Jahresbericht hat sich der Berufsbildungsausschuss auf eine Verlängerung verständigt und mit Lehrkräften abgestimmt. Die Neuordnung ist aber noch nicht abgeschlossen, und damit bietet sich die Gelegenheit, auch die Folgen für die Nachwuchsgewinnung zu diskutieren.
Denn mehr Anforderungen rechtfertigen nicht automatisch mehr Ausbildungszeit. Laut BIBB sank der Ausbildungsbestand von 534 im Jahr 2021 auf 393 im Jahr 2024. Bei den Neuabschlüssen ging es von 210 auf 141 zurück. In dieser Lage stellt sich die Frage, wie ein zusätzliches halbes Jahr auf Jugendliche wirkt, die zwischen Ausbildung, anderen Berufen und Studium wählen. Hinzu kommt die Schulrealität: Vier Standorte versorgen das Bundesgebiet. Für viele Auszubildende bedeutet Blockunterricht weite Wege und zeitweise Unterbringung fern von zu Hause. Eine längere Ausbildung kann diese Belastung verlängern. Wer anschließend studieren möchte, erreicht den Berufsabschluss zunächst sechs Monate später. Ob sich dadurch auch der Studienbeginn verschiebt, hängt von den Startterminen ab.
Inhalte und Lernformen erneuern
Welche Kompetenzen fehlen, welche Inhalte sind überholt und wo entstehen Doppelungen? Bevor sechs Monate hinzukommen, gehören Ausbildungsrahmenplan, schulischer Rahmenlehrplan und Prüfungen gemeinsam auf den Prüfstand. Zeitgemäße Lernprojekte, digitale Theorieangebote und eine engere Abstimmung zwischen Betrieb und Schule können Freiräume schaffen. Praktische Übung und sichere Elektrokenntnisse dürfen dabei auf keinen Fall zu kurz kommen.
Die geplante Neuordnung bietet die Chance, Ausbildungsqualität stärker an nachweisbaren Kompetenzen auszurichten. Eine offene Diskussion darüber, welche Lernziele zusätzliche Zeit erfordern und was sich durch zeitgemäße Inhalte und Lernformen erreichen lässt, könnte neue Perspektiven eröffnen. Dabei lohnt es sich, auch die Wünsche und Lebenspläne junger Menschen einzubeziehen. So kann eine Ausbildung entstehen, die fachlich überzeugt und für den Nachwuchs attraktiv bleibt.
Olaf Vögele