GW – Herr Lombardini, warum rückt die Tuchbefestigung bei Sonnenschutzanlagen immer stärker in den Fokus?
Samuele Lombardini – Die Tuchbefestigung ist längst kein nebensächliches Detail mehr, sondern ein entscheidender Leistungsfaktor. Moderne Sonnenschutzanlagen müssen heute höheren Windlasten standhalten, größere Abmessungen abdecken und zugleich anspruchsvolle architektonische Anforderungen erfüllen. Auch die Textilien haben sich mit höheren Festigkeiten und komplexeren Beschichtungen weiterentwickelt. Dadurch muss die Schnittstelle zwischen Tuch und System dynamische Kräfte aufnehmen, Toleranzen ausgleichen und langfristige Stabilität sichern. Ein durchdachtes Befestigungskonzept beeinflusst Lebensdauer, Optik und Nutzererlebnis.
GW – Welche Rolle spielt die Seitensaumführung für die Gesamtperformance?
Lombardini – Die Seitensaumführung ist zentral, da sie bestimmt, wie Kräfte vom Tuch in die Konstruktion eingeleitet werden. Eine stabile, zugleich flexible Führung verhindert Flattern, reduziert Geräusche und sorgt für gleichmäßige Spannung. Unter Windlast muss sie kontrollierte Bewegungen zulassen, ohne Spannungsspitzen zu erzeugen. Ist sie zu starr, entsteht Verschleiß, ist sie zu nachgiebig, leidet die Performance. Die Herausforderung ist die richtige Balance, bei der unser 7Second-Aluminiumsystem und ClipZip eine entscheidende Rolle spielen.
GW – Mit ClipZip setzen Sie auf ein System aus Clips und Federn. Warum?
Lombardini – Das patentierte ClipZip-System ermöglicht es, die Tuchspannung von starren konstruktiven Zwängen zu entkoppeln. Die Federn wirken als Energiepuffer: Sie nehmen Windlasten auf und gleichen thermische Ausdehnungen sowie Montagetoleranzen aus. Die Clips sorgen gleichzeitig für eine definierte und reproduzierbare Verbindung zwischen Tuch und Saumprofil, ohne das Gewebe zu beschädigen. Das System reagiert also dynamisch auf reale Belastungen, anstatt ihnen mit starrer Gegenkraft zu begegnen. Gleichzeitig vereinfacht es die Handhabung bei Montage und Tuchwechsel erheblich. Am Ende führt eine schnellere Montage zu geringeren Gesamtkosten bei hoher Qualität.
GW – Windlasten stellen hohe Anforderungen an den Sonnenschutz. Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen konstruktiv?
Lombardini – Wir betrachten Windlasten als systemische Herausforderung, nicht als Problem einzelner Komponenten. Geometrie, Materialelastizität, Federkennlinien und Führungskonzept müssen optimal zusammenspielen. Durch Tests und Praxiserfahrungen optimieren wir mit ClipZip die Lastverteilung über die gesamte Anlagenhöhe, statt sie punktuell zu konzentrieren. Das ist besonders bei großformatigen Anlagen und individuellen Anforderungen von Vorteil. Ein modulares Konzept deckt dabei ein breites Anwendungsspektrum ab, reduziert Materialermüdung und erhöht die Lebensdauer. Ergänzend bieten wir verschiedene Clip-Typen mit unterschiedlichen Federkräften (Newton pro Meter), sodass sich Position und Kraftwirkung gezielt anpassen lassen. Ziel ist kein starres System, sondern kontrollierte Bewegung zum Schutz von Tuch und Mechanik.
GW – Wie wichtig ist die Wartungsfreundlichkeit von Tuchbefestigungssystemen?
Lombardini – Sie ist zu einem entscheidenden wirtschaftlichen Faktor geworden. Ein Tuchwechsel muss schnell, planbar und ohne umfangreiche Demontage möglich sein. Unsere patentierten Lösungen wie Aviasta und das BoBa+-Befestigungskonzept für Tuchwelle und Fallprofil sind genau darauf ausgelegt. Das Tuch kann effizient gewechselt werden, während die Kernkomponenten montiert bleiben. Das reduziert Ausfallzeiten beim Endkunden und spart Arbeitszeit beim Monteur. In einem Markt mit wachsendem Zeitdruck sind diese Vorteile entscheidend.
GW – Mit der MZR-Variante haben Sie Ihr System für neue Führungstechnologien wie T-Rail geöffnet. Was steckt dahinter?
Lombardini – Mit dem patentierten ClipZip MZR (Multi Zipper Rail) verfolgen wir konsequent das Ziel von Offenheit und Kompatibilität. Unterschiedliche Märkte und Hersteller setzen auf verschiedene Führungstechnologien, von klassischen ZIP-Systemen bis hin zu T-Rail. Durch die Kompatibilität unserer Befestigungstechnologie schaffen wir mehr Gestaltungsfreiheit im Systemdesign. Gleichzeitig bleiben die Vorteile unseres federbasierten Spannkonzepts erhalten. Diese Modularität ist ein wichtiger Schritt hin zu zukunftssicheren Systemen, die sich flexibel an Marktanforderungen anpassen lassen.
Das Interview führte der Ressortleiter Sonnenschutz Olaf Vögele bei Plastex in der Schweiz