GW – Herr Braun, die Bau- und Sonnenschutzbranche erlebt momentan sicherlich schwierige Zeiten. Wie läuft 2026 für Alukon?
Klaus Braun – Wir sind mit dem bisherigen Jahresverlauf sehr zufrieden. Wir sind durchaus ambitioniert gestartet und hatten mit einem ehrgeizigen Plus geplant. Wenn man dann gleichzeitig aus einem Markt kommt, der teilweise deutlich im Minus liegt, schaut man natürlich zunächst sehr genau auf die Entwicklung. Nach Fasching hat sich die Situation aber spürbar gedreht. Das erste Halbjahr ist sehr gut gelaufen, und auch der Juli hat sich sehr positiv entwickelt. Viele Dinge, die wir in den vergangenen Jahren angestoßen haben, greifen jetzt
GW – Bedeutet das, dass der Gesamtmarkt wieder wächst, oder gewinnt Alukon Marktanteile?
Braun – Natürlich wäre es uns am liebsten, wenn die gesamte Branche wieder deutlich wachsen würde. Wenn das nicht der Fall ist und wir uns trotzdem positiv entwickeln, bedeutet das zwangsläufig, dass wir Marktanteile gewinnen. Entscheidend ist für uns aber, dass sich die Arbeit der vergangenen Jahre auszahlt und wir heute in mehreren Bereichen gut aufgestellt sind.
GW – Besonders positiv haben Sie das Objektgeschäft hervorgehoben. Was hat sich verändert?
Braun – Das Objektgeschäft macht uns momentan wirklich Freude. Wir haben uns dort über längere Zeit eine Position erarbeitet und können heute sehr genau beurteilen, welche Projekte zu uns und zu unseren Produktionsmöglichkeiten passen. Wenn ein Objekt zu uns passt, sind wir sehr leistungsfähig. Dabei reden wir inzwischen durchaus über Größenordnungen von 1.000 oder auch 1.500 Einheiten. Wichtig ist aber: Es muss am Ende wirtschaftlich bleiben. Nur Umsatz zu machen, ist nicht unser Ziel.
GW – Und gleichzeitig erschließt Alukon weitere Kundengruppen?
Braun – Ja, und das ist ein wichtiger Teil unserer Entwicklung. Sehr gut funktionieren beispielsweise Modulbauer im Beton- und Holzbau, Fertighausunternehmen und zunehmend auch Unternehmen aus der seriellen Sanierung. Unsere Produkte und Prozesse passen dort offensichtlich sehr gut zu den Anforderungen. Das sind Märkte, in denen wir weiteres Potenzial sehen. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren auch im Export gute Erfolge erzielt.
GW – Verliert so der klassische Rollladen- und Sonnenschutzbetrieb für Alukon an Bedeutung?
Braun – Absolut gesehen nicht. Unsere Fachhändler sind wichtige, gute und häufig sehr langjährige Partner. Prozentual kann sich ihr Anteil natürlich verändern, wenn andere Geschäftsfelder und der Export stärker wachsen. Hinzu kommt, dass die Zahl der klassischen Fachbetriebe eher kleiner als größer wird. Deshalb wäre es für ein Unternehmen unserer Größe schwierig, Wachstum ausschließlich aus dieser Kundengruppe generieren zu wollen.
GW – Gerade deshalb dürfte Weiterbildung der Fachpartner immer wichtiger werden. Haben Sie Ihr Schulungskonzept deutlich verändert?
Braun – Ja. Früher haben wir überwiegend zu Schulungen nach Konradsreuth oder Haigerloch eingeladen. Das hat sich inzwischen praktisch umgedreht. Heute finden rund 80 % unserer Schulungen als Inhouse-Schulungen direkt beim Kunden statt. Nur etwa 20 % werden noch bei uns durchgeführt. Damit erreichen wir die Mitarbeiter besser und können wesentlich konkreter auf die Produkte, Anwendungen und betrieblichen Anforderungen des jeweiligen Kunden eingehen
GW – Wer übernimmt diese Schulungen?
Braun – Das machen unsere Spezialisten. Bei neuen Produkten werden die Schulungsmitarbeiter früh mit der Anwendungstechnik eingebunden. Sie sollen das Produkt nicht erst kennenlernen, wenn alles fertig ist, sondern bereits vorher verstehen, wie das Konzept funktioniert und ihre Erfahrungen einbringen. Diese Rückmeldungen haben für uns durchaus ein hohes Gewicht.
GW – Blicken wir zum Schluss auf das Kernprodukt Rollladen. Kann dieser Markt überhaupt noch wachsen?
Braun – Ein deutliches Wachstum des Gesamtmarktes sehe ich vor allem dann, wenn wieder mehr gebaut wird. Neubau und Renovierung hängen stärker zusammen, als häufig angenommen wird. Bei der Renovierung ist der Rollladen nach wie vor sehr gut positioniert. Aber ohne eine Belebung des Neubaus wird auch der gesamte Rollladenmarkt kaum deutlich wachsen. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass der Rollladen als Produkt an Bedeutung verliert.
GW – Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch.