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Im Interview mit Rebecca Marquardt und Flora Sanislo von der R+T

R+T 2027 in Stuttgart: Neue Zielgruppen und junge Talente im Fokus

Flora Sanislo ist Managerin Neuproduktentwicklung bei der Messe Stuttgart

Foto: Frank Eppler / Messe Stuttgart

Flora Sanislo ist Managerin Neuproduktentwicklung bei der Messe Stuttgart

Glaswelt – Frau Sanislo, die R+T hat traditionell eine starke Basis in der Sonnenschutz- und Torbranche. Wie entwickelt sich das Besucherprofil?

Flora Sanislo – Zunächst einmal ist die Entscheiderquote gestiegen: 81 Prozent der Besucherinnen und Besucher haben 2024 eine leitende Position angegeben, gegenüber 76 Prozent bei der R+T 2018. Der Kern unseres Besucherprofils bleibt jedoch stabil: Rund 85 Prozent der Besucherinnen und Besucher arbeiten im Bereich Rollladen- und Sonnenschutztechnik oder Torbau. Zu beobachten ist aber, dass Fachpersonal aus Fensterbau, Innenausstattung, Architektur und Planung für uns zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Glaswelt – Warum ist das so?

Rebecca Marquardt – Weil die Themen zusammenwachsen. Außenliegender Sonnenschutz ist heute ein integraler Bestandteil der Gebäudehülle. Für Fensterbauerinnen und -bauer bedeutet das: Wer Sonnenschutz nicht mitdenkt, denkt das Fenster nicht zu Ende. Für Architektinnen und Architekten gilt: Wer Gebäude plant, muss Sonnenschutz von Anfang an einbeziehen. Die R+T ist der Ort, wo diese Entwicklung sichtbar wird. Und seit der R+T 2024 lassen wir Besucherinnen und Besucher als Testimonials aus diesen Gruppen selbst zu Wort kommen. Sie berichten direkt, was sie bewegt. Das macht die Relevanz greifbar.

Glaswelt – Welche Rolle spielen regulatorische Entwicklungen dabei?

Sanislo – Eine erhebliche. Die novellierte EU-Gebäuderichtlinie stellt den sommerlichen Wärmeschutz etwas stärker in den Mittelpunkt. Außenliegender Sonnenschutz ist dabei die wirkungsvollste Maßnahme. Er hält die Wärme vor der Verglasung ab, nicht dahinter. Für Fensterbaubetriebe und Planungsbüros, die ihre Kundinnen und Kunden umfassend beraten wollen, ist dieses Wissen unverzichtbar. Und die R+T liefert es.

Glaswelt – Gibt es weitere Zielgruppen, die Sie im Blick haben?

Marquardt – Ja, sehr interessant ist die Entwicklung bei Raum- und Innenausstattung. Innenliegender Sonnenschutz ist für sie ein klassisches Kernthema. Was wir beobachten: Immer mehr dieser Betriebe erweitern ihr Portfolio. Das ist eine Reaktion auf den Kundenwunsch nach ganzheitlichen Lösungen aus einer Hand. Aber auch den Branchennachwuchs möchten wir 2027 gezielt ansprechen.

Sanislo – Wir beobachten außerdem laufend, wo sich neue inhaltliche Schnittmengen ergeben. Der GaLa-Bau ist eine Gruppe, die wir auf dem Radar haben. Outdoor-Lösungen, Pergolen, Wetterschutz sind Themen, die dort zunehmend gefragt sind. Auch die Fertighausbranche ist interessant, weil dort Sonnenschutz und Gebäudeautomation immer stärker in die Planung integriert werden.

Glaswelt – Welche Angebote wird es für den Nachwuchs geben?

Marquardt – Für 2027 haben wir in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V. und den vier deutschen Berufsschulen für Sonnenschutzmechatroniker ein eigenes Programm entwickelt. Die Azubis dieser Schulen kommen am 17. Februar gemeinsam zur R+T, bekommen eine Anlaufstelle auf dem Gelände und neben eigenen Programmpunkten die Möglichkeit, beim Handwerkerbattle mitzumachen. Und mit dem Future Skins Award gibt es erstmals einen Studierendenwettbewerb für angehende Architektinnen und Architekten sowie Fassadentechnikerinnen und -techniker. Das Thema: „Gebäudehülle von morgen – Lösungen und Potenziale für klimapositives Bauen.“ Die Preisverleihung findet ebenfalls am 17. Februar auf der R+T statt.

Glaswelt – Was sollen junge Menschen und Fachleute aus den neu angesprochenen Branchen von ihrem Messebesuch mitnehmen?

Sanislo – Vor allem neue Perspektiven: auf die Möglichkeiten unserer Branche, auf berufliche Entwicklung und auf die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken. Gerade jungen Menschen möchten wir zeigen, wie vielseitig die Aufgaben sind und wie viel sie selbst mitgestalten können. Im direkten Austausch mit Unternehmen und Fachleuten wird das besonders greifbar.

Marquardt – Und konkrete Ideen für die eigene Arbeit. Wer aus dem Fensterbau, der Raumausstattung oder der Planung kommt, bringt jeweils einen anderen Blick mit. Die R+T bietet die Gelegenheit, über das eigene Fachgebiet hinauszuschauen und Zusammenhänge zu erkennen. Für den Nachwuchs ist das ebenso wertvoll wie für erfahrene Fachkräfte: Gute Lösungen entstehen dort, wo Wissen und Perspektiven zusammenkommen.

Glaswelt – Was können erfahrene Fachkräfte und der Branchennachwuchs auf der R+T voneinander lernen?

Marquardt – Erfahrene Fachkräfte können zeigen, worauf es im Arbeitsalltag ankommt und welche Lösungen sich in der Praxis bewähren. Junge Menschen bringen neue Fragen und einen unvoreingenommenen Blick mit. Die Messe bietet viele Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und die eigene Perspektive zu erweitern.

Sanislo – Gerade bei Themen wie Gebäudeautomation und klimagerechtem Bauen ist dieser Austausch wertvoll. Hier treffen praktische Erfahrung und neue Ansätze aus Ausbildung und Studium aufeinander. Beide Seiten können davon profitieren, gemeinsam über die Anforderungen an die Gebäude von morgen nachzudenken.

Das Gespräch führte der Ressortleiter Sonnenschutz Olaf Vögele

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