GLASWELT Ausgabe: 09-2019

GLASWELT vor ORt: Handwerkerberatung der Kripo Köln

Mechanik geht vor Elektronik, sagt die Polizei


Kriminalhauptkommissar Dirk Beerhenke (l.) und Kollege Dirk Kleefeld (RBr) im Schulungsraum für Einbruchprävention bei der Kripo Köln.

Kriminalhauptkommissar Dirk Beerhenke (l.) und Kollege Dirk Kleefeld (RBr) im Schulungsraum für Einbruchprävention bei der Kripo Köln.

Spricht man mit den Fachleuten der Kripo-Beratungsstelle in Köln, fällt in Bezug auf Gebäudesicherung schnell der Leitsatz „Mechanik geht vor Elektronik“. Allerdings bieten elektronische Sicherungssysteme – Stichwort „Smarthome“ – vielfältige Möglichkeiten, Haus und Grund vor ungebetenen Gästen zu schützen. Hier erfahren Sie, was die Beratungsstelle der Polizei Köln rät, um Fenster und Türen zu sichern und wie Handwerker davon profitieren können.

_ „Primärer mechanischer Einbruchschutz geht vor! Weitere Sicherungsmaßnahmen wie Smarthome-Technik setzen ergänzend darauf auf“, so Kriminalhauptkommissar Dirk Beerhenke. Doch dann holt er sein Smartphone heraus und zeigt, wie er seine eigene Wohnung schützt, die er von zwei IP-Kameras (internetbasierte Netzwerkkameras) überwachen lässt.

„Wenn ich solche Sicherungsmaßnahmen einbaue, habe ich mein Haus immer im Blick, selbst wenn ich bei der Arbeit bin oder im Urlaub“, so der Kripomann, der neben der vorbeugenden Einbruchsberatung auch den Bereich Cyber-Kriminalität der Polizeidienststelle Köln betreut.

Die IP-Kameras sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet, um sofort Alarm zu schlagen, wenn sich ein unangemeldeter Besucher nähert. Gleichzeitig wird dieser dann gefilmt und eine Information per Push-Nachricht auf Beerhenkes Smartphone gesendet. Alternativ kann das System auch einen Sicherheitsdienst oder die Polizei benachrichtigen.

Kommissar Beerhenke weist darauf hin, dass der Eigenheimbesitzer oder Mieter sofort die Polizei über den Notruf 110 verständigen soll, wenn er durch eine Push-Nachricht alarmiert wurde und über die Kamera erkennbar ist, dass es kein Fehlalarm ist. Die Videos/Fotos vom Einbrecher, die durch die Kameras gespeichert oder bereits mit der Push-Nachricht übermittelt wurden, können sehr schnell der Polizei als Fahndungshilfe und Beweismaterial übermittelt werden. Das hat es in der Vergangenheit auch schon in Köln und Leverkusen gegeben und führte zu Festnahmen.

Eine große Hilfe für die Ermittler der Polizei ist, dass sich über den Zeitstempel in Video und Foto der genaue Zeitpunkt und teilweise der Hergang der Tat festhalten lassen. Solche Bilder und Videos gelten vor Gericht als Beweismittel und sind für die weiteren Ermittlungen der Polizei sehr hilfreich.

Interview: So lassen sich Sicherungssysteme koppeln

Glaswelt – Wie kann eine Grundsicherung aus Mechanik und Elektronik-Elementen für eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus aussehen?

Dirk Beerhenke – Wenn man elektronische Sicherungsmaßnahmen, die es schon für relativ kleines Geld gibt, mit einbruchsicheren Fenster- und Türsystemen (ab RC 02) koppelt und Sensoren, die das Öffnen des Fenster melden und/oder einen Glasbruch, bietet das einen guten Basis-Schutz.

Glaswelt – Und was für Smarthome-Elemente umfasst so ein Paket?

Beerhenke – Wenn Endkunden ihre Wohnung oder ihr Haus mit SmarthomeTechnik ausstatten wollen, besteht ein sinnvolles Basis-Paket aus:

IP-Kameras, Tür und Fensterkontakten optional zusätzlichen Bewegungsmeldern, alles ist jeweils mit einer Steuerungseinheit verbunden. Wichtig ist es wenn möglich nur geprüfte Geräte zu verbauen, die als Schutz gegen Hacker dauerhaft mit Updates versorgt werden. Denn es handelt sich um Kleincomputer. Updates und Support sind bei Smartphones und Laptops selbstverständlich. Im Bereich des Smarthomes muss sich das noch verfestigen.

Glaswelt – Macht es Sinn, Fenster und Türen elektronisch zu sichern?

Beerhenke – Ja, jedoch sollte man immer zuerst die mechanische Sicherung (Pilzzapfen etc.) umsetzen.

Glaswelt – Wie lässt sich ein Fenster elektronisch aufrüsten?

Beerhenke – Etwa mittels Sensoren, die den Öffnungszustand prüfen und an eine Überwachungsanlage senden sowie Glasbruchsensoren. Alle diese Sensoren sind an eine Basiseinheit angeschlossen und schicken dorthin Meldung. Diese Basiseinheit ist ein Rechner, der alle angeschlossenen Sicherungsanlagen steuert. Auch Fensterbauer könnten solche Smarthome Produkte gleich mit anbieten. Sensoren gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Es können im Fenster verbaute und damit „unsichtbare“ Sensoren sein sowie auch Systeme, die seitlich am Rahmen montiert werden.

Glaswelt – Worauf sollte der Handwerker dabei besonders achten?

Beerhenke – Wer Smarthome einbaut, haftet in der Regel auch für die fachgerechte Montage sowie die dauerhafte Funktionalität der Geräte. Werden Smarthome-Geräte verbaut, müssen sie vernetzt werden. Wird ein für das Gewerk eigenes Netz aufgebaut, hat der Ersteller auch nur hierfür die Verantwortung. Werden die Geräte in ein bestehendes Netz integriert und es kommt spontan oder später zu Ausfällen anderer Geräte, könnte die Verantwortung unübersichtlich werden. Wir empfehlen eine klare Dokumentation der Baumaßnahme, die auch beinhaltet, wer über welche Passwörter und damit Zugangsmöglichkeiten zum System und dem Netz verfügt.

Glaswelt – Gibt es das komplett einbruchsichere Haus?

Beerhenke – Vielleicht Fort Knox? Spaß beiseite, einen 100-prozentigen Schutz vor Hackern und „analogen“ Einbrechern gibt es nicht. Auch nicht im Zusammenspiel zwischen mechanischen und elektronischen Schutzmaßnahmen. Wie die Erfahrungen und Statistiken jedoch zeigen, steigert jede Erschwernis und damit zeitliche Verzögerung die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter den Einbruch abbricht, um nicht entdeckt zu werden.—

Das Interview führte Matthias Rehberger.

  • Die Kamera links oben meldet, wenn sich jemand dem Fenster nähert und zeigt dies via App an. Gleichzeitig gibt es einen Öffnungssensor im Falz, als weitere Maßnahme.

Matthias Rehberger / GLASWELT

Matthias Rehberger / GLASWELT

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