GLASWELT Ausgabe: 09-2019

Maximaler Schutz durch multifunktionale Hochsicherheitsgläser

Mit höchster Sicherheit kombiniert

Zum Schutz von Menschen in öffentlichen Gebäuden werden heute vielfach Sicherheitsgläser verbaut, die durchbruchhemmend oder splitterfrei durchschusshemmend sein müssen. Wir haben einmal nachgefasst, was solche Gläser leisten müssen und welchen Tests und Prüfungen sie dabei standhalten. Lesen Sie auch, in welchen Fällen Isoliergläser mit einer Glas-Polycarbonat-Kombination verpflichtend sind.

_ Zum Schutz von Menschen, die in öffentlichen, staatlichen oder institutionellen Anlagen und Gebäuden arbeiten, werden Verbund-Sicherheitsgläser verbaut, die durchbruchhemmend oder splitterfrei durchschusshemmend sein müssen.

Für klassische Verbund-Sicherheitsgläser gilt dabei: Je höher die Sicherheitsklasse, desto dicker und schwerer wird die gesamte Konstruktion. Bei hohen Sicherheitsklassen kommen heute deshalb durchschusshemmende Isoliergläser mit Polycarbonat zum Einsatz, die deutlich dünner und damit leichter sind als klassische VSG und alle Anforderungen in einem Glas erfüllen können.

Botschaften, Regierungsgebäude, Banken, Krankenhäuser oder Gefängnisse sind Gebäude mit hohem Sicherheitsbedarf, die den Einbau von durchschusshemmenden Verglasungen erfordern. Diese bieten einen definierten Widerstand gegen das Durchdringen von Geschossen bestimmter Munitionsart aus bestimmten Waffen. Die Prüfung erfolgt nach DIN EN 1063, die die Gläser in neun verschiedene Widerstandsklassen einteilt.

Klassen nach Waffen

Die unterschiedlichen Klassen richten sich nach der Waffenart sowie der Munition und damit nach der Durchschlagkraft des Projektils: BR1 bis BR7 und SG1 bis SG2. Dabei unterscheidet die Norm zwischen nicht splitternden Verglasungen (NS) und Typen mit Splitterabgang (S).

Bei der Prüfung müssen durchschusshemmende Verglasungen einem dreimaligen Beschuss widerstehen, wobei die Schüsse in Abhängigkeit von der Widerstandsklasse mit unterschiedlicher Munition aus einem bestimmten definierten Abstand ausgeführt werden.

Die Vetrotech-Produktpalette umfasst Gläser für jede der genannten Widerstandsklassen (BR1 bis BR7 und SG1 bis SG2) sowie zum Schutz vor einer Kalaschnikow. Zusätzlich wurden einige Gläser für den amerikanischen Standard UL 752 entwickelt und offiziell zertifiziert.

Bei Produkten mit einer Polycarbonatscheibe wird diese asymmetrisch als hinterste Scheibe auf der Rauminnenseite eingesetzt (Glas/Glas/Polycarbonat).

Bei einem Beschuss von außen dringt das Projektil in das Glas ein und bleibt in der hintersten Scheibe stecken. Durch die auftretenden Scherkräfte wird das Projektil lediglich stark verformt. Das Glas auf der Rauminnenseite splittert nicht, sodass sich im Raum befindende Menschen unverletzt bleiben.

Schlanke Hochsicherheitsgläser für mehr Kombinationsmöglichkeiten

Durchschusshemmende Gläser mit Polycarbonat bieten sich dann an, wenn die Konstruktion das Gewicht nicht tragen kann oder die Gläser zu dick werden.

Daher sind diese Produkte besonders im Bereich der Renovierung oder des Denkmalschutzes geeignet, etwal wenn in Holzfenster BR–Glas eingebaut werden muss. Denn sie bieten deutliche Vorteile bei Dicke und Gewicht der Konstruktion gegenüber Vetrotech-Produkten nur aus Glas: Während ein klassisches VSG in derselben Beschussklasse BR6-NS bei einem Gewicht von 175 kg/m2 73 mm dick ist, wiegt ein VSG mit Polycarbonat bei einer Dicke von 38 mm nur 84 kg/m2 und ist somit rund 52 % leichter. BR4-NS zum Beispiel kann durch den Aufbau in 21 mm als Mono-Glas erreicht werden.

Allerdings ist die mögliche Glasdicke bei vorhandenen Rahmensystemen für klassisches durchschusshemmendes VSG begrenzt, sodass hier die Varianten mit Polycarbonat mehr Möglichkeiten bieten.

Grundsätzlich sind alle durchschusshemmenden Polycarbonatgläser von Vetrotech splitterfrei, wodurch die Gefahr ausgeschlossen wird, dass Personen ggf. durch fliegende Glasbruchstücke im hinter der Scheibe liegenden Raum verletzt werden könnten. Die Raumseite der Polycarbonatscheibe ist beschichtet, um eine erhöhte Kratzfestigkeit zu gewährleisten.

Durch den Sandwichaufbau aus Glas und Kunststoff sind je nach Produkttyp bestimmte Maximalmaße zu beachten. Die maximale Scheibengröße beträgt derzeit 1500 × 2900 mm. Alle Polygard-Gläser können auch als Isoliergläser gefertigt und mit anderen Funktionen wie beispielsweise Brand- und Sonnenschutz kombiniert werden.

Neben der durchschusshemmenden Eigenschaft der Gläser fordert der Markt zunehmend zusätzlich die durchbruchhemmende Eigenschaft. Um diese durchgängig nachweisen zu können, werden alle durchschusshemmenden Gläser zusätzlich auf Durchbruch nach der Norm DIN EN 356 geprüft (Axtprüfung).

Neben der Kombination als durchbruchhemmende Verglasung können alle durchschusshemmenden Gläser von Vetrotech auch als multifunktionale Brandschutzverglasung ausgeführt werden.—

  • Von Hammer über Axt, Pistole und Gewehr sowie mit automatischen Waffen werden die Hochsicherheitsgläser bei harten Tests hinsichtlich ihrer Leistungsklassen geprüft und bewertet.

  • Hier der Aufbau für die Beschuss-Tests im Prüflabor in Köln-Porz.

  • Die eingebaute Scheibe nach dem Beschuss mit einer Gewehrkugel ...

  • ... und hier im Detail. Die Kugel konnte beim Aufprall das Glas nicht durchdringen.

  • Die Hochsicherheitsgläser von Vetrotech, die aus eine Kombination aus Glas und Kunststoff aufgebaut sind, können auch einem Mehrfachbeschuss standhalten.

Foto: Vetrotech Saint Gobain

Foto: Vetrotech Saint Gobain

Foto: Vetrotech Saint Gobain

Foto: Vetrotech Saint Gobain

Foto: Vetrotech Saint Gobain

Literatur

  1. Teil: Mit höchster Sicherheit kombiniert
  2. Teil: Vetrotech Saint-Gobain International AG
  3. Teil: Hier sind durchschusshemmende Gläser Pflicht
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