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Aus der Praxis

Mängel und Schäden bei Fenstern – was wir daraus lernen

Bei einem Renovierungsprojekt an einem Einfamilienhaus mit zwei Geschoßen wird die Gebäudehülle ertüchtigt und thermisch saniert, auch neue Holzfenster werden eingebaut. Während der kalten Jahreszeit wird bei Temperaturen unter Null starker Kondensatanfall im Falz beobachtet, und an der Regenschutzschiene sogar Eisbildung (Abb. 1). Nur die Fenster im ersten Stock sind von Kondensat betroffen, nicht die im Erdgeschoß.

Die Fenster selbst sind aus Holz und mit einer Profildicke von 68 mm, zweifach-Isolierverglasung und sichtbaren Beschlägen ausgeführt. Die Dichtungen und deren Eckverbindungen sind augenscheinlich in Ordnung.

Mit einem im Falz eingeklemmten Blatt Papier wird der Dichtungsanpressdruck kontrolliert (Abb. 2).

Die Überschlagsdichtung am Flügel hat ausreichend Anpressdruck. Nach Entfernen der Überschlagsdichtung wird auch die Mitteldichtung kontrolliert. Und hier zeigt sich, dass die Mitteldichtung unten quer nur sehr wenig Anpressdruck hat.

Doch wie kommt die viele Feuchtigkeit in den Falz, wenn die Überschlagsdichtung gut anliegt? Hier zeigt sich ein Nachteil der aufliegenden Beschläge. Die Überschlagsdichtung liegt im Bereich des Scherenlagers und des Ecklagers am Bandlappen des Beschlages auf und nicht am Holz, wodurch die Luft zwischen den Metallteilen und dem Stock ungehindert in den Falz einströmen kann (Abb. 3).

Generell ist die Mitteldichtung die wichtigste Dichtung bei den Holz- und Holz-Alu-Fenstersystemen. Sie ist sowohl für die Luftdichtheit als auch für die Schlagregendichtheit verantwortlich und hat eine vierseitig umlaufende Dichtungsauflage ohne Unterbrechungen. In der Konstruktion und Fertigung muss daher das Hauptaugenmerk auf diese Dichtung gelegt werden.

Dass das Kondensat nur im oberen Geschoß beobachtet wurde, ist im konkreten Fall physikalisch bedingt. Warme Luft steigt auf und kann auch mehr Feuchtigkeit aus Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Deswegen herrscht im Gebäude von unten nach oben eine geringe Druckdifferenz, das heißt im ersten Stock ist der Luftdruck geringfügig höher als im Erdgeschoß (Abb. 4). Bei, nach den aktuellen Regeln der Technik ausgeführten, Sanierungen ist eine sehr dichte Gebäudehülle vorhanden, die Fenster und Türen werden dann zu „Schwachstellen“, da hier eine Luftströmung möglich ist.

Risse in den Flügelprofilen

Ein Neubau mit knappen 100 m Gebäudehöhe wird vorwiegend mit raumhohen Holz-Aluminium-Verbundfenstertüren ausgestattet. Die ein- und zweiflügeligen Fenster weisen ein Flügelgewicht von bis zu 150 kg auf und sind mit einem Drehkipp- beziehungsweise Dreh-/Drehkipp-Beschlag ausgestattet.

Da das Generalunternehmen im Laufe der Bauphase bei knappen 20 Prozent der Fenster Risse und Ausbrüche in den Holzprofilen der Flügel feststellt und einen Flügeltausch veranlassen muss, soll der Ursache für die Schäden auf den Grund gegangen werden.

Bei der Besichtigung vor Ort werden an den Fenstern folgende wesentliche Schäden fest­gestellt:

  • Risse und/oder Ausbrüche bei den Holzprofilen der Fensterflügel, vorwiegend in den bandseitigen Eckbereichen (Abb. 5).
  • Mehrere Millimeter weit ausgezogene Befestigungsschrauben bei den Falzecklagerbändern. Teilweise gibt es davon ausgehend Risse im Flügelholz im Beschlagsfalz.
  • Abdrücke an den Flügelrahmen, vom Anschlagen auf die Fensterleibung bzw. die Sockelleiste.

Weiters wird festgestellt, dass die eingebauten Öffnungsbegrenzungen nicht eingestellt sind, weder in Bezug auf den Endanschlag noch bezüglich der Bremswirkung. Einige Flügel schlagen an die Leibung bzw. Sockelleiste, bevor die Öffnungsbegrenzung wirken kann (Abb. 6).

Folgende Fragen sind zu beantworten:

  • Warum weisen mehrere Fenstertüren derart große Schäden an den Flügelprofilen auf, dass diese getauscht werden müssen?
  • Welche Maßnahmen hätten diese Schäden verhindern bzw. das Schadensausmaß reduzieren können?
  • Sind weitere Schäden bzw. Folgeschäden zu erwarten?
  • Durch welche Maßnahmen können zukünftige Schäden bzw. Folgeschäden verhindert beziehungsweise reduziert werden?

Die Schäden an den Holz-Aluminium-Verbundfenstertüren entstanden durch eine extreme dynamische Überbeanspruchung während der Bauphase. In der Bauphase ist es aller Wahrscheinlichkeit nach beim Lüften bzw. beim Betreten der Balkone zu starken Windbelastungen infolge von Querlüftungs-Zuglufteffekten gekommen. Diese führten zu unkontrollierten Bewegungen der schweren Fensterflügel (unkontrolliertes Auf- und/oder Zuschlagen), wobei die auftretenden Kräfte von den Profilen und Beschlägen nicht aufgenommen und abgetragen werden konnten.

Begünstigt wurde dies durch das gleichzeitige Öffnen der Fenster an unterschiedlichen Gebäudeseiten, fehlende Innentüren sowie die zunehmende Windbelastung in den höher liegenden Geschoßen. Die hohen Flügelgewichte verstärkten die auftretenden dynamischen Lasten.

Zur Schadensverhinderung während der Bauphase hätte das Öffnen der Fenster sorgfältig geplant und gegebenenfalls durch technische Maßnahmen eingeschränkt werden sollen. Zugluft kann reduziert werden, indem gleichzeitig geöffnete Fenster auf verschiedenen Gebäudeseiten vermieden, Baustellenlüftung möglichst auf windstille Tage bzw. Tageszeiten gelegt und Arbeiten an Balkonen gut zwischen den Gewerken abgestimmt werden. Zusätzliche Bediensperren könnten regeln, welche Fenster überhaupt geöffnet werden dürfen.

Der Einfluss der nicht eingestellten Öffnungsbegrenzungen wird als gering eingeschätzt. Richtig eingestellt hätten sie zwar die Flügel gebremst und die Aufprallkräfte reduziert, da sie jedoch nicht für derart extreme Windbelastungen ausgelegt sind, hätten die Schäden dadurch nur teilweise vermindert werden können.

Das Risiko für Risse in den Flügeln während der Nutzungsphase wird als deutlich geringer als während der Bauphase eingeschätzt. Gründe dafür sind geschlossene Wohnungseingangstüren, vorhandene Wohnraumtüren und das übliche Verhalten der Bewohner, Fenster bei starkem Wind zu schließen. Derart massive Schäden, wie sie in der Bauphase auftraten, sind daher nicht mehr zu erwarten.

Trotzdem wird empfohlen, die Bewohner über das verbleibende Risiko bei offenen Fenstern unter starkem Wind oder Zugluft zu informieren. Insbesondere sollte Durchzug vermieden werden.

Nicht korrekt eingestellte Öffnungsbegrenzungen erhöhen in der Nutzungsphase zusätzlich das Risiko von Leibungsschlägen. Die Folge daraus wären Abdrücke und mögliche Schäden an Flügeln und Beschlägen. Um dem vorzubeugen, müssen die Öffnungsbegrenzungen korrekt eingestellt werden. Darüber hinaus wird auf die Notwendigkeit von regelmäßigen Kontrollen der Fenster inkl. Öffnungsbegrenzungen hingewiesen. So kann bei den Öffnungsbegrenzungen ein etwaiger Bremskraftverlust oder Abrieb frühzeitig erkannt und erforderlichenfalls eine Wartung durchgeführt werden.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass technische und organisatorische Maßnahmen das Schadensrisiko in diesem Fallbeispiel mindern hätten können, eine vollständige Verhinderung von Schäden wäre jedoch unter den gegebenen Umständen (z. B. extremen Wind- und Durchzugsbedingungen, große schwere Flügel) nicht möglich gewesen.

Verfärbungen der Oberflächen während der Bauphase

Ein Fertighaus wird mit Holz-Alu-Fenstern aus Eiche ausgestattet. Im November wird der Estrich eingebaut, alle Fenster und Türöffnungen danach geschlossen. Beim ersten Lüften drei Tage nach dem Estricheinbau bemerkt die Bauherrschaft Nässe auf den Fenstern und wischt diese ab, dabei werden Verfärbungen der Holzoberflächen sichtbar (Abb. 7). Bei einigen Fenstern hat die Eckverbindung des Flügels bis zu 1,5 mm Versatz (Abb. 8) und bei den V-Fugen gibt es teilweise Abrisse der Beschichtung.

Diese Schäden resultieren aus sich widersprechenden Forderungen von zwei Gewerken: Während von der Fensterseite ein oftmaliges Lüften gefordert wird, wird von der Estrichseite das Lüften untersagt. Für einen mehrtägigen Zeitraum nach Einbringen des Estrichs wäre jeder Luftzug schädlich und kann die Qualität des Estrichs beeinträchtigen.

Dieses Dilemma ist seit vielen Jahren bekannt. Vom Verein Plattform Fenster Österreich wird im Bereich Fensterratgeber (www.fenster-plattform.at/fensterratgeber) das Merkblatt 001/2008 „Estrich – Schäden am Bauelement Fenster“ zur Verfügung gestellt. Es empfiehlt (Auszug):

  • „Wesentlich für die Vermeidung von zu hoher Feuchtbelastung ist die Koordination der einzelnen Gewerke in der Bauphase.“ [….]
  • „Eine weitere Möglichkeit besteht darin, schnelltrocknende Estriche zu verwenden, welche meist nach spätestens 2 Tagen begehbar bzw. belüftbar (klassischer Zementestrich ca. 14 Tage Lüftungsverbot) sind.
  • Das Optimum hinsichtlich der Vermeidung von Schäden und Verschmutzung an Fensterelementen stellt sicherlich der Blindstock dar, bei dem der Einbau nach Fertigstellung der Verputz- und Estricharbeiten erfolgt.“

Auch vom Verband österreichischer Estrichhersteller (www.estrichverband.at) werden Informationen zur Verfügung gestellt. Das Merkblatt „8.1 Richtiges Lüften von Zement- u. Calciumsulfatestrichen“ (Stand März 2023) enthält wertvolle Tipps. So ist unter bestimmten Bedingungen (u. a. keine Zugluft!) das Kippen von einzelnen Fenstern bereits während der Schutzzeit möglich. Der wichtigste Hinweis findet sich unter Punkt 3:

„Im Zweifelsfall ist vom verantwortlichen Planer/ÖBA/Auftraggeber ein „Trocknungsplan“ unter Einbeziehung aller betroffenen Gewerke zu erstellen“.

Beide Branchenvertretungen haben übereinstimmend in ihren Unterlagen den Hinweis auf eine Abstimmung der unterschiedlichen ­Gewerke.

Resümee

Das Schadensausmaß aller geschilderten Schadensfälle ist reduzierbar und zum Teil sind die Schäden sogar vermeidbar, wenn die folgenden Prinzipien konsequent angewandt werden und ggf. in einem sich wiederholenden Kreislauf enthalten sind:

  • Genaues Erfassen der Anforderungen
  • Frühzeitige Abstimmung aller Gewerke
  • Detaillierte Planungen
  • Umsetzung der Fertigung gemäß Planung
  • Konsequente werkseigene Produktionskontrolle
  • Bei Planänderungen und Problemen weitere Absprachen und Rückfragen
Autorin
Karin Hauer
ist seit 2005 Sachbearbeiterin im Fachbereich Fenster bei der Holzforschung Austria in Wien. Ihre Schwerpunkte liegen in der Prüfung und angewandten Forschung in den Bereichen Fenster, Außentüren und Fensterkantel. Nach ihrem Studium der Holztechnik und Holzwirtschaft an der Fachhochschule Salzburg mit Schwerpunkt Holzindustrie arbeitete sie an innovativen Lösungen für die Holz- und Fensterbranche.

Foto: Holzforschung Austria

Autor
Martin Wieser
ist seit 1997 bei der Holzforschung Austria tätig und spezialisiert auf angewandte Forschung, Prüfung und Zertifizierung im Bereich Fenster- und Türentechnik, Einbruchhemmung und Baubeschläge. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe AG 227.06 „Einbruchhemmung“ bei Austrian Standards International. Mit einem Studium der Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur und langjähriger Erfahrung in der Holztechnik bringt er umfassendes Fachwissen in seine Arbeit ein.

Foto: Holzforschung Austria

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